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Journalistenpreis "Writing for CEE 2012" geht an Tschechen Martin Ehl

Mitteleuropa-Kolumnen ausgezeichnet - Kindel: "Bester Anti-Boulevard" - Ehrengast Petritsch über Herausforderungen und Perspektiven in Südosteuropa

Der tschechische Journalist Martin Ehl ist der diesjährige Gewinner des europäischen Journalistenpreises "Writing for CEE 2012". Für seine Mitteleuropa-Kolumnen wurde er am Montagabend mit dem mit 5.000 Euro dotierten Preis ausgezeichnet, der bereits zum neunten Mal von der APA - Austria Presse Agentur in Zusammenarbeit mit der Bank Austria - Unicredit Group vergeben wurde.

Ehl behandelt in seinen ausgezeichneten Kolumnen politische und gesellschaftliche Phänomene in seiner Heimat Tschechien und den Nachbarländern. Der 1973 in Pardubice geborene Journalist blickt in seinem in der tschechischen Tageszeitung "Hospodarske noviny" veröffentlichten Textzyklus unter dem Serientitel "Das Zentrum Europas" über den Tellerrand der tschechischen Landesgrenzen hinaus. Sein Fokus liegt auf der Region Mittelosteuropa, deren Länder die gemeinsame Erfahrung eines halben Jahrhunderts hinter dem Eisernen Vorhang, der Transformation nach dem Fall der kommunistischen Regime und des Weges in die Europäische Union verbindet.

Obwohl die Länder in vielen Aspekten völlig unterschiedlich sind, gelingt es Ehl, der seit 2006 das Außen-Ressort der "Hospodarske noviny" leitet, in seinen Kolumnen mit viel Witz und Ironie Gemeinsamkeiten politischer Phänomene aufzuzeigen. So spannt er in einem Text den Bogen von der Eishockey-Begeisterung in der Slowakei über die Euphorie rund um die Fußball-EM in Polen bis zu Korruptionsermittlungen in Tschechien. Ungarn sei nur im Wasserball sportlich relativ erfolgreich. Daraus erklärt sich für Ehl "die Tiefe der ungarischen Düsterkeit, die ohnehin wegen der wirtschaftlichen und politischen Krise schon so dunkel ist".

Der Preisträger zeige mit seinen Arbeiten, wie unterhaltsam anspruchsvoller Qualitätsjournalismus sein könne, erläuterte Jury-Vorsitzender Ambros Kindel die Entscheidung. "Martin Ehls Artikel zählen zum besten Anti-Boulevard, den man sich vorstellen kann."

In einer Kolumne schlägt Ehl vor, den niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders zum Ehrenbürger Mitteleuropas auszurufen, wegen "seiner Sorge über die Effizienz im Kampf gegen die Korruption in den neuen EU-Mitgliedsstaaten und wegen seiner Haltung zur Integration der Bürger aus Osteuropa im gemeinsamen Arbeitsmarkt". Wilders hatte eine umstrittene Website lanciert, auf der Niederländer sich über Osteuropäer und "Probleme" durch die Öffnung des Arbeitsmarktes beschweren können.

Der seit 2004 vergebene Journalistenpreis "Writing for CEE" soll über die Landesgrenzen hinweg zur journalistischen Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen Europas und der europäischen Integration einladen.

Bisherige Preisträger waren der tschechische Journalist Lubos Palata (2004), die bulgarische Schriftstellerin Diana Ivanova (2005), der bosnische Journalist Sefik Dautbegovic (2006), der österreichische Schriftsteller Martin Leidenfrost (2007), die in Griechenland geborene und in Deutschland tätige Radiojournalistin Anna Koktsidou (2008), der österreichische Journalist Florian Klenk (2009), die bosnische Autorin Azra Nuhefendic (2010) sowie die slowenische Journalistin und Fotografin Meta Krese. Ihre kritische Reportage über die Lebensumstände der Roma-Minderheit in ihrer Heimat wurde im Vorjahr ausgezeichnet.

Mitglieder der in wechselnder Zusammensetzung tagenden Jury sind der slowakische Publizist Michael Berko, die bulgarische Schriftstellerin und Autorin Janina Dragostinova, der tschechische Kommunikationswissenschaftler Milan Smid, die PR-Beraterin Ildiko Füredi-Kolarik, der polnische Journalist Pawel Bravo, die ungarische Journalistin Julia Varadi, die slowenische Vorjahres-Preisträgerin Meta Krese, der CEE-Pressesprecher der UniCredit Bank Austria, Tiemon Kiesenhofer, sowie der CEE-Kommunikationsberater und langjährige APA-Außenpolitikchef Ambros Kindel.

(APA)
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