Journalisten-KV: Verhandlungsabbruch "eher Mi...
 

Journalisten-KV: Verhandlungsabbruch "eher Missverständnis"

Gewerkschaft will auf Verleger zugehen - Einigung laut Bauer bis Jahresende möglich - VÖZ wartet auf "brauchbares Signal" bis Ende September, sonst droht KV-Kündigung

Journalistengewerkschaft und Zeitungsverleger könnten schon bald die im Juni abgebrochenen Verhandlungen über einen neuen Journalisten-Kollektivvertrag wieder aufnehmen. Man werde in den nächsten Tagen mit einem Terminvorschlag auf den Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) zukommen, erklärte Gewerkschaftsvorsitzender Franz C. Bauer am Dienstag. Bauer rechnet mit einem Verhandlungsabschluss bis Jahresende.

Zum Bruch der Kollektivvertragsverhandlungen war es wegen unterschiedlicher Forderungen im Zusammenhang mit den möglichen neuen Tarifgehältern gekommen. Die Journalistengewerkschaft wollte Mitte Juni noch einmal über die Tarifstruktur reden, der VÖZ sah dadurch bereits akkordierte Ergebnisse wieder infrage gestellt und verließ daraufhin den Verhandlungstisch. Bauer bezeichnet den Abbruch der Gespräche heute als "eher ein Missverständnis". Die Gewerkschaft habe den Sommer genutzt, um die Positionen zu überdenken und verschiedene Berechnungen vorzunehmen. "Dass wir weiter tun wollen, ist klar."

Durch die schwierige wirtschaftliche Lage am Medienmarkt sind die Erwartungen an die beiden Verhandlungspartner zuletzt noch einmal gestiegen. "Der Druck, zu einem Ergebnis zu kommen, ist auf beiden Seiten groß", so Bauer. Die Zeitungsverleger hatten über über den Sommer grundsätzliche Verhandlungsbereitschaft zu den noch offenen Punkten signalisiert. Wenn es es aber bis zu einer VÖZ-Vorstandssitzung am 26. September "kein brauchbares Signal" gibt, dann dürfte der Kollektivvertrag wohl zum Quartal mit Jahresende gekündigt werden, hieß es zuletzt aus dem Zeitungsverband.

Journalistengewerkschafter Bauer gibt sich jedenfalls zuversichtlich. Bei der Gehaltsstruktur und den Karriereverläufen sei man "sehr weit", offen seien noch die Übergangsfristen für den "alten" Kollektivvertrag. "Ich stelle mir wirklich vor, dass wir bis Jahresende in allen großen Positionen durch sein sollten, wenn wir im Oktober und November intensiv verhandeln und im Dezember die Redaktion machen", sagte Bauer.

Neben dem Kollektivvertrag und wesentlichen medienpolitischen Fragen wie einem modernen Leistungsschutzrecht und der Reform der Presseförderung dürfte die Verleger im Herbst übrigens auch eine wichtige Personalentscheidung beschäftigen. VÖZ-Präsident Hans Gasser, der sich mit Jahresende aus dem Styria-Konzern zurückzieht, dürfte dem Vernehmen nach auch die Verlegerpräsidentschaft abgeben. Im September-Vorstand soll die Vorgangsweise bei der Suche nach einem Nachfolger beraten werden, bei einer weiteren VÖZ-Vorstandssitzung am 14. November könnte dann ein neuer VÖZ-Präsident gewählt werden. Als mögliche Kandidaten gelten Moser Holding-Vorstandschef Hermann Petz sowie "Kurier"- und Mediaprint-Geschäftsführer Thomas Kralinger.

(APA)
stats