,Journalisten können eh alles, oder?‘
 

,Journalisten können eh alles, oder?‘

#

Ex-Vizekanzler Josef Pröll interviewte ‚ZiB‘-Star Nadja Bernhard bei der Tafelrunde von Purtscher Relations

„Wir wollen in vergnügter Art und Weise die Dinge auf den Kopf stellen“, gab ­Carola Purtscher ihren Gästen die ­Devise für den Abend vor. Es war die mittlerweile sechste Auflage der „Tafelrunde“, jener Eventserie, bei der die Wiener PR-Agentur Purtscher Relations Journalisten und ihre Objekte der Berichterstattung in vertauschte Rollen schlüpfen lässt. Das Setting: eine lange Tafel, 35 handverlesene Gäste und zwei Stargäste, die sich – mal mehr, mal we­niger – sichtlich schwer in ihrer ungewohnten Rolle zurechtfinden.

Was Journalisten so tun …

Josef Pröll, ehemals ÖVP-Obmann, Landwirtschafts- und dann Finanzminister sowie Vizekanzler und nunmehr Vorstandsvorsitzender der Leipnik-Lundenburger AG, gehört zweifellos zu jenen, die sich in der Rolle des Frage­stellers wohl fühlen. Und das hatte auch seinen Grund: „Ich habe erstmals die Chance, zu verstehen, was Journalisten eigentlich tun“, eröffnete er das Inter-view und bat Nadja Bernhard, ihren ­Arbeitsalltag als Moderatorin der ­Hauptnachrichten zu beschreiben. Da schwang das zarte Vorurteil mit, dass die Moderation einer Sendung, die keine 20 Minuten dauert, keine abendfüllende Tätigkeit sein könne – etwas, worauf Bernhard auch in der Öffentlichkeit angesprochen wird. „Ihren Job hätt’ i gern – eine halbe Stunde arbeiten am Tag“, meinte ein Pannenhelfer des ÖAMTC einmal zu Bernhard. Tatsächlich, so Bernhard, hätte dieser Job keinen Anfang und kein Ende: „Es hört nie auf.“

Im sterilen Studio

Bevor Nadja Bernhard die Moderation der „Zeit im Bild“ übernommen hatte, war sie für die ORF-Kultur im Einsatz. Davor wiederum als Auslandskorrespondentin in Italien und den USA. Die unterschiedlichen Aufgaben in ihrer Vita führte Pröll zu einer Frage, mit der auch Politiker immer wieder kritisch konfrontiert werden: „Also, Journalisten können offenbar eh alles, oder?“

Sodann beschrieb Bernhard sehr eindrucksvoll die Unterschiede in den ­Tätigkeiten als Auslandskorrespondentin und Moderatorin im Nachrichtenstudio. Ein zweifellos einschneidendes Erlebnis in ihrer Karriere war die ­Berichterstattung über das verheerende Erdbeben auf Haiti. „Da sieht man Dinge, die man eigentlich nicht verarbeiten kann.“ Auch als Auslandsredakteurin in der ORF-Zentrale hat man, so Bernhard, einen sehr unmittelbaren ­Bezug zu den einzelnen Beiträgen, denn über die Nachrichtenagenturen bekommt man Bilder zu Gesicht, die aufgrund ihrer Brutalität oder Dramatik niemals über den Fernsehschirm ins Wohnzimmer der Österreicher geliefert werden. Anders ist das als Moderatorin der Nachrichtensendung. „Im sterilen Studio der ‚Zeit im Bild‘ hat man schlicht keinen Bezug zu den einzelnen Geschichten, und das ist auch gut so, denn das Publikum will keine empathischen Zwischentöne der Moderatorin.“

Abschlussfrage von Josef Pröll: „Wen wählen Sie?“ Bernhard zögert, als aus dem Publikum ein sehr energischer ­Zwischenruf erschallt. „Wahlgeheimnis!“, ruft Gabi Pröll. Darauf der Gatte: „Jetzt sehen Sie, wie’s mir zu Hause geht.“ Es folgen Gelächter und Applaus, und das Abendessen wird serviert.

Dieser Artikel war bereits in HORIZONT-Ausgabe 19/2014, die am 9. Mai 2014 erschienen ist, zu lesen. Zum Abonnement geht es hier lang.
stats