Journalisten-Demo vor Verlegerverband
 

Journalisten-Demo vor Verlegerverband

Laut Gewerkschaft 800 Demonstranten - Pfeifkonzerte für Verleger - Verhandlungsbeginn um 14 Uhr

Vor dem Gebäude des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ) haben sich am Montag in Wien mehrere hundert Journalisten zu einer Protestkundgebung eingefunden. Zur Demonstration hatte die Journalistengewerkschaft aufgerufen, nachdem der VÖZ bekannt gegeben hatte, den Kollektivvertrag der Journalisten mit Jahresende 2012 zu kündigen (HORIZONT online berichtete).

Die Demonstration hat wie geplant um 13 Uhr in der Wipplingerstraße 15 im ersten Wiener Gemeindebezirk begonnen und zahlreiche Medienvertreter angezogen, die den Verlegern ein wütendes Pfeifkonzert widmeten. Diese konterten mit eigenen Transparenten, die an der Hausmauer angebracht waren: "Für einen Journalisten-KV mit Zukunft" stand auf einem, "Verhandlungen statt Pfeifkonzerte" auf dem anderen. Ab 14.00 Uhr gab es beides: Der Verhandlungstrupp der Gewerkschaft betrat das Gebäude, um die Gespräche mit den Verlegern fortzusetzen, draußen wurde munter weiter gelärmt und demonstriert.

"Einzigartig in der Zweiten Republik"


Gewerkschaftschef Franz C. Bauer lobte die Anwesenden für ihr Erscheinen und strich die Einzigartigkeit einer solchen Demo heraus. "Journalisten gehen für ihre Rechte auf die Straße. Das hat es in der Zweiten Republik meines Erachtens noch nie gegeben." Er erinnerte an die zehn Jahre zurückliegende letzte KV-Reform, bei der die Verleger noch während der Verhandlungen Maßnahmen eingeleitet hätten, um den KV ja nicht einhalten zu müssen. "Mir sind wenige Kollegen im Bereich online bekannt, die unter den Journalisten-KV fallen."

Bauer, der sich üblicherweise rhetorisch in Zurückhaltung übt, peitschte die Anwesenden regelrecht ein. Man sei bereit, zu verhandeln, aber: "Mit einem offenen Messer auf uns gerichtet, wird das nicht gespielt", wetterte er.  Bei den heutigen Verhandlungen gehe es auch um eine "Absicherung der inneren Meinungsfreiheit der Redaktionen", außerdem habe man eine Beispielwirkung für andere Branchen: "Wenn es bei uns durchgeht, macht das Schule in ganz Österreich", warnte er. "In Wirklichkeit sind wir die Speerspitze für anständige soziale Verhältnisse in diesem Land."  Soviel Kampfrhetorik kam - vornehme journalistische Zurückhaltung hin oder her - bestens an: Die Anwesenden pfiffen und klatschten, was das Zeug hielt.

Demos auch in den Bundesländern

Über die Teilnehmerzahlen gingen die Angaben auseinander: Die Gewerkschaft in der gpa-djp ging von 800 aus, darunter auch Medienvertreter aus Salzburg, Nieder- und Oberösterreich. Bei der Wiener Polizei schätzte man die Teilnehmerzahl hingegen auf "an die 300". Öffentliche Versammlungen fanden am Montag auch in Graz, Salzburg und Innsbruck statt. In Graz gingen dabei nach Schätzungen der Exekutive um die 200 Journalisten auf die Straße.

Auffallend war: Nicht nur grantige, weil unterbezahlte und ohne richtigen KV werkende Jungjournalisten hatten sich versammelt, sondern auch zahlreiche arrivierte Kollgen mischten sich solidarisch unter die Anwesenden, um zu demonstrieren. Gesehen wurden unter anderem Michael Nikbakhsh ("Profil"), Georg Hoffmann-Ostenhof ("Profil") und Conrad Seidl ("Der Standard") und viele mehr.
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