Journalismus und PR: Ungleiches Selbst- und F...
 

Journalismus und PR: Ungleiches Selbst- und Fremdbild

Mihajlo Maricic
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Eine HORIZONT exklusiv vorliegende Masterarbeit zeichnet ein Stimmungsbild der beiden Branchen – mit stark abweichenden gegenseitigen Einschätzungen.

Das Verhältnis von Journalismus und PR stellt seit Jahrzehnten ein heiß diskutiertes Thema dar. Vor diesem Hintergrund untersuchte Mathias Hadwiger in seiner Masterarbeit an der FH St. Pölten, wie sich die beiden Berufsgruppen selbst beziehungsweise ihr Gegenüber wahrnehmen und einschätzen. Mit Unterstützung der Berufsverbände Presseclub Concordia und Public Relations Verband Austria PRVA wurden hierzu mittels einer quantitativen Onlinebefragung jeweils mehr als 100 berufstätige Personen befragt. Die Erhebung ist nicht repräsentativ, zeichnet aber ein Stimmungsbild der Branche – HORIZONT liegen die Ergebnisse der Masterarbeit exklusiv vor. Die Ergebnisse der Arbeit offenbaren dabei, dass sowohl im Journalismus als auch in der PR eklatante Unstimmigkeiten in der Selbst- und Fremdbildwahrnehmung vorherrschen. Die jeweilige Selbstbeurteilung fiel dabei durchwegs positiver aus als die gegenseitig abgegebene Fremdeinschätzung. Bewertet wurde auf einer Skala von 1 (stimme voll zu) bis 6 (stimme überhaupt nicht zu). Auf die Frage „Journalisten geht es im Beruf darum, die Realität genauso abzubilden wie sie ist“ antworteten die Journalisten durchschnittlich mit 1,74, in der PR Tätige weitaus schlechter mit 2,9. Public-Relations-Vertreter hingegen sehen sich selbst seriöser als das die Einschätzung von Journalisten ist. In Bezug auf Einschätzungen zu möglichen beruflichen Veränderungen zeigte sich etwa, dass Journalisten ihre eigene Berufssituation weitaus pessimistischer beurteilten als PR- Praktiker. Journalisten gaben weitaus häufiger an, dass die eigene Arbeitszeit und der eigene Arbeitsdruck gestiegen seien. Ebenso urteilten die Journalisten ungleich negativer über ihre eigene berufliche Sicherheit sowie ihre beruflichen Aufstiegschancen als dies die PR-Berufstätigen getan haben. Erstaunlich war im Gegenzug, dass Journalisten im Vergleich zu ihrer Eigenbeurteilung circa sechsmal häufiger eingeschätzt haben, dass in der PR-Branche die Aufstiegsmöglichkeiten sowie die beruflichen Sicherheiten gestiegen seien. Konträr dazu wurden die bereits pessimistischen Eigenbeurteilungen der Journalisten zu den beruflichen Veränderungen in der Fremdeinschätzung durch die PR-Tätigen nochmals in negativer Weise übertroffen. PR-Praktiker gingen demnach durchwegs davon aus, dass die beruflichen Aspekte im Journalismus nochmals negativer ausfallen als dies Journalisten bereits selbst getan haben.

Gewissenkonflikte

Die Befragung ergab, dass beide Berufsgruppen in fast identischer Ausprägung mit Konflikten zu tun haben. Eine Mehrheit von je etwa 56 Prozent aus beiden Berufsgruppen gab dabei an, nie in berufliche Gewissenkonflikte zu geraten. Demgegenüber haben allerdings auch jeweils circa 43 Prozent aus beiden Berufsgruppen behauptet, dass sie sich zumindest gelegentlich mit Gewissenskonflikten konfrontiert fühlen. „Als möglichen Grund für die gestiegenen Gewissenskonflikte der Journalisten können hierbei etwa die vielzitierten wachsenden ökonomischen Zwänge im Journalismus genannt werden. Entsprechend den Ergebnissen können zu gleichen Teilen aber auch die PR-Praktiker ihren Job nicht immer reinen Gewissens ausüben – der Wettbewerbs- und Erfolgsdrucks macht also auch vor der PR-Branche nicht halt“, so Studienautor Hadwiger.

Berufs- und Gehaltszufriedenheit

Angesichts der oftmals beschriebenen und in der Untersuchung teilweise bestätigten prekären Arbeitssituation von Journalisten ist das Ergebnis betreffend der Berufszufriedenheit umso überraschender. Abgefragt wurde auf einer Skala von 0 bis 100; je geringer der Wert, desto höher die Zufriedenheit. Obwohl Journalisten die eigenen beruflichen Veränderungen mehrheitlich als negativ eingestuft haben, weist die Berufsgruppe dennoch einen hohen Zufriedenheitswert auf (Wert: 25,17), der sogar jenen der PR-Experten mit 31,39 übersteigt. Journalisten sind in der Selbstbeurteilung also zufriedener im Job als Menschen in der PR, so das Bild. Demgegenüber vertraten die PR-Praktiker jedoch mehrheitlich die Annahme, dass es um die Berufszufriedenheit unter den Journalisten ungleich schlechter bestellt sei. Die Fremdbeurteilung der PR für die Zufriedenheit der Journalisten erhält mit 49,92 einen schlechten Wert – also wenig Zufriedenheit. Journalisten attestieren PR-Menschen wiederum einen etwas besseren Wert. Ähnlich fielen auch die Selbst- und Fremdbeurteilungen hinsichtlich der Gehaltszufriedenheit in beiden Berufsgruppen aus. Während die PR-Praktiker tendenziell zwar angaben, dass sie mit ihrem Gehalt zufrieden sind (Wert: 44,01), schätzten die Journalisten die Gehaltszufriedenheit der PR-Tätigen nochmals um eine Spur positiver ein. Sehr erstaunlich ist jedoch, dass sich auch in diesem Fall die Journalisten mit ihrer eigenen Bezahlung am weitaus zufriedensten zeigten (Wert knapp unter 40, also positiv). Dazu wiederum völlig gegensätzlich mutmaßten die PR-Berufstätigen, dass die Journalisten mit der eigenen Bezahlung äußerst unzufrieden sind.

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