Journalismus steht unter Werbedruck
 

Journalismus steht unter Werbedruck

#

Diskussionsrunde der Initiative Qualität im Journalismus (IQ) - Ochsner: "Die Zukunft sieht nicht rosig aus"

"Das unterliegt doch Regelungen, die ohnehin umgangen werden können." Elisabeth Ochsner, bis Jahresende 2013 Geschäftsführerin der Mediaagentur Um Panmedia, macht sich über das Medientransparenzgesetz keine Illusionen. Die Werbezuwendungen öffentlicher Stellen seien ihrer Schätzung nach "um 20 bis 25 Prozent höher", als angegeben. Aber nicht nur hier könne Druck auf Journalisten ausgeübt werden.

Washietl: "Journalismus gerät in Gefahr"

Den Verbindungen von Werbeetats und Journalismus respektive dem Missbrauch zwischen beiden Seiten widmete sich am Donnerstagabend die von der Initiative Qualität im Journalismus (IQ) veranstaltete Diskussion "Journalisten unter Werbedruck". Während Werbeeinnahmen sukzessive zurückgehen, teils "Symptomkuren" durchgeführt werden und eine "Produktekonjunktur" die Trennung zwischen Werbung und Information teils aufzuheben scheint, gerate dadurch der Journalismus selbst in Gefahr, wie IQ-Sprecher Engelbert Washietl eingangs erläuterte.

Ochsner: "Die Zukunft sieht nicht rosig aus"

"Der Druck auf die Medien und die gesamte Werbewirtschaft ist so groß wie nie zuvor", konstatierte Ochsner, die verschiedene Einflussmöglichkeiten zwischen beiden Seiten erläuterte. "Am gefährlichsten sind natürlich Kunden, die aktiv intervenieren, um die Berichterstattung zu lenken." Aber auch das Gegenüber, die Medienhäuser, gingen teils diesen Weg und "fordern" Etats, wie sie aus Erfahrung berichtet. "Die Zukunft sieht nicht rosig aus, der Druck wird sich weiter verstärken. Der Vorteil in Österreich ist die überschaubare Medienlandschaft, so dass Zusammenhänge erkennbar sind. Aber wir brauchen eine ethisch saubere Lösung, die wirtschaftlich vertretbar sein muss."

Föderl-Schmid: "Presserat soll Thematik stärker aufgreifen"

Auf Konsequenzen pochte auch "Standard"-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid. Wie dringend dies gefordert sei, illustrierte sie mit aktuellen Beispielen: So sieht sich etwa das deutsche "Handelsblatt" mit dem Vorwurf konfrontiert, einen Artikel für 5.000 Euro verkauft zu haben. Offiziell wird vom Fehler eines Mitarbeiters gesprochen. Für Österreich wünschte sie sich, dass der Presserat die Thematik stärker aufgreife und in diesen Belangen auch mit dem PR-Ethikrat zusammenarbeite. Dessen Mitglied Wolfgang R. Langenbucher sah "empirisch keinen Zweifel daran, worüber wir hier reden. Da kann sich niemand darüber hinweg lügen." Die Arbeit des Rates funktioniere grundsätzlich, nur fehle es noch an Durchsetzungskompetenz.

Ähnlich argumentierte Presserats-Geschäftsführer Alexander Warzilek, befand aber: "Wir sind seit der Wiedergründung auf einem sehr guten Weg." Mit "Drohungen" seitens Medien oder Journalisten hätten beide Selbstkontrollgremien zu kämpfen. "Das halten wir aus und sehen es auch als eine Art von Anerkennung, wenn verurteilte Journalisten auf unsere Entscheidungen eingehen", so Warzilek. Das von ihm konstatierte "Potenzial nach oben" beim Presserat würde Föderl-Schmid für Medienhäuser am liebsten mit der Presseförderung koppeln. "So etwas geht nur über Druck."

Die Rolle der Leser

Während die "Standard"-Chefredakteurin für Österreich auch einen Branchenreport nach Vorbild des "State of the News Media"-Report des Pew Institutes in den USA vorschlug, um einmal im Jahr eine Zustandsbeschreibung zu erhalten ("Es braucht mehr als nur Nadelstiche"), gab es abschließend doch recht unterschiedliche Meinungen zur Rolle der Leser im Geflecht aus Journalismus und Werbung. Ochsner zufolge "überschätzen wir das Wissen der Menschen zum Thema Medien". Dem Großteil würden heikle Mischformen nicht auffallen und letztlich auch egal sein. "Diesbezüglich ist die Öffentlichkeit völlig ungebildet." Das restliche Podium sah dies zwar nicht so drastisch, stimmte aber Ochsners Forderung nach mehr schulischer Bildung in diesem Bereich zu. "Her mit den ganzen Publizistikstudenten", meinte sie provokativ.
stats