Journalismus: Gut ausgebildet, schlecht bezah...
 
Journalismus

Gut ausgebildet, schlecht bezahlt, prekär beschäftigt

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Der Media for Democracy Monitor 2020 untersuchte den Berufsstand in insgesamt 18 Ländern. Während das Qualifikationsniveau steigt, sinken Job-Zufriedenheit und Job-Sicherheit.

Für das globale Forschungsprojekt Media for Democracy Monitor 2020 untersuchten Kommunikationswissenschaftler unter dem Dach der Euromedia Research Group im ersten Halbjahr 2020 den journalistischen Berufsstand in 18 Ländern. Das Ergebnis: Journalistinnen und Journalisten sind gut ausgebildet, dennoch in prekären Arbeitsverhältnissen beschäftigt, und auch der Zeit- und Gelddruck in den Redaktionen macht sich bemerkbar. In einigen Ländern müssen ältere Kollegen befürchten, durch jüngere ersetzt zu werden - denn deren Lohnkosten sind niedriger, sie selbst häufig versierter mit digitalen Technologien. Die Jungen wiederum arbeiten zumeist im Rahmen von Zeitverträgen. Viele kritisieren auch die fehlende Zeit für tiefergehende Recherchen. Hierzulande zeichne sich jedoch im Vergleich kein ganz so düsteres Bild ab, meint der Forschungsleiter der Studie, Josef Trappel von der Universität Salzburg: „In Österreich sind die Journalistinnen und Journalisten gut organisiert und haben bisher die negativen Folgen des Strukturwandels besser abfedern können als in anderen Ländern. Zumindest die journalistischen Jobs sind in Österreich besser abgesichert und die Entlassung älterer Kolleginnen und Kollegen bleibt bisher die Ausnahme, allerdings mit steigender Tendenz.“

So arbeiten rund 41 Prozent der heimischen Journalisten seit mehr als 15 Jahre für dasselbe Medienunternehmen, 36 Prozent immerhin zwischen fünf und zehn Jahren. Zudem hat fast jeder Zweite in der heimischen Branche einen akademischen Abschluss, vor zehn Jahren waren das gerademal 34 Prozent. Gleichzeitig hat nur ein Drittel davon gezielt Kommunikationswissenschaften oder Journalismus studiert; ein beliebtes Fach unter Journalisten ist beispielsweise Politikwissenschaft. Und dennoch: 49 Prozent der Befragten geben an, gar nicht bis teilweise mit ihrem Workload zufrieden zu sein.
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