„Journalismus für alle Kanäle“
 

„Journalismus für alle Kanäle“

Christoph Kotanko, seit 22 Jahren Journalist beim Kurier, die letzten sieben Jahre als Chefredakteur, über sein Leben beim Kurier seit dem 1. August: „Kurier ohne Papier“ – ein Interview.

Langfassung des Interviews in HORIZONT 31-32-2010 vom 13.08.2010  

Am 26. April, einem Montag, 18:36 Uhr, meldete via APA-OTS Kurier- (und Mediaprint-) Geschäftsführer Thomas Kralinger anlässlich der Bestellung von Helmut Brandstätter zum Kurier-Chefredakteur ab 1. August 2010: „Dr. Christoph Kotanko, in dessen Zeit das Digital-Ressort des Kurier eine massive Aufwertung erfahren hat, wird in leitender Funktion die redaktionelle Konzeption der Kurier-Ausgaben für digitale Lesegeräte vorantreiben und mit seiner journalistischen Kompetenz dem Kurier erhalten bleiben. Aufsichtsratspräsident Dr. Christian Konrad: ,Ich bedanke mich bei Dr. Christoph Kotanko für die hervorragenden Leistungen in den letzten Jahren, seine journalistischen Kenntnisse werden dem Kurier erhalten bleiben´.“ (auszugsweises Zitat). Das ist schon mehr als nur eine gute Nachrede – und ein Grund, bei Christoph Kotanko nachzufragen:  


HORIZONT: Was macht Christoph Kotanko beim Kurier seit August 2010?  

Christoph Kotanko: Ich bin von den Eigentümern ersucht worden mir zu überlegen, wie meine berufliche Zukunft aussieht. Das habe ich getan, ich habe ein Konzept gemacht „Kurier ohne Papier“, das bereits vorliegt.  

HORIZONT: Was ist also „KOP“, Kurier-ohne-Papier?  

Kotanko: Meine Meinung ist, dass man alle diese neuen Medienformen vom Produkt her denken muss. Man muss trennen: Das eine ist Technik – und das andere Inhalte. Ich glaube, dass die journalistischen Inhalte wichtig sind und wichtiger werden – und dass man versuchen muss, in diesen neuen medialen Verbreitungsformen einen Mehrwert zu bieten. Ob das jetzt iPhone ist oder iPad, was auch immer. Das ist die Herausforderung für uns – und gleichzeitig unsere Chance! Nur ein Beispiel aus meiner Analyse: In manchen Online-Redaktionen herrscht die Meinung, dass man eine 24-Stunden-Dauerfeuer veranstalten sollte. Ich halte das, wenn ich mir im Tagesverlauf die Zugriffszahlen anschaue, für Unsinn. Meine Meinung: Ich muss dort fischen, wo die Fische sind. Und die Fische sind – das geht aus den Zugriffskurven eindeutig hervor – am frühen Vormittag dabei, dann mit einer Mittagsspitze und gegen Abend flaut die Kurve deutlich ab.
Daraus geht hervor: Auch die digitalen Ausgabe müssen berechenbar sein. Einen Schritt weiter gedacht: Es ist keineswegs notwendig 24-Stunden volle Power machen – das ist auch ein Kostenfaktor. Der Hauptpunkt bei diesen Überlegungen ist in meinen Augen: Wir werden bei diesem Match nur etwas verdienen können, wenn wir die eigene, unverwechselbare Geschichte bringen, für die die Leute auch bereit sind etwas zu bezahlen. Ohne das wird es nicht gehen.
Daraus folgt: Auch in den neuen Verbreitungskanälen sind die Chancen für guten, klassischen Journalismus sehr gut! Das Newspaper als Massenprodukt wird es vielleicht nicht mehr geben, aber die News ohne Paper werden für uns alle eine große Herausforderung sein. Da müssen wir uns etwas einfallen lassen. Das Konzept „KOP“ ist ja nicht abgeschlossen, sondern ein Einstieg in das Thema. Wenn ich ab August für die inhaltliche Seite zuständig sein soll, werden der Ronald Schwärzler und ich das umsetzen.  

HORIZONT: Wie soll und kann das im Workflow gehen – ich denke da an zwei kollektivvertragliche – und medien- beziehungsweise gewerberechtliche – Welten?  

Kotanko: Tja, der Fehler in diese Diskussion ist sehr oft, dass der Adressat unserer Bemühungen völlig vergessen wird: Eine Berufskrankheit des Journalisten ist die Selbstbeschäftigung. Wir denken nur selten daran, wo unser Kunde sitzt, sondern denken vor allem, unter welchen kollektivvertraglichen Bedingungen kann ich in Zukunft meine Arbeit verrichten. Was Sie hier ansprechen ist sicher ein Problem, das die Geschäftsführung lösen muss. Meine Aufgabe ist dafür zu sorgen, dass es inhaltlich stimmt. Der Kurier ist auch ein wirtschaftliches Unternehmen, und die journalistische Leistung muss zum Ertrag beitragen. Das ist meine Aufgabe. Die können wir nach meiner Meinung nur erfüllen, wenn wir eine journalistische Eigenleistung erbringen, die einen Mehrwert darstellt.  

HORIZONT: Eine dieser Mehrwert-Flächen über kurier.at hinaus sind die App, wie kürzlich gelauncht – Ihre Bestandsaufnahme?  

Kotanko: Da wurden ab 11. Juni die ersten 9.999 for free angeboten. Nachdem der Erfolg so groß ist, dass 10.000 längst überschritten sind, konnten wir im Rahmen unseres Kundenbindungsprogramms gemeinsam mit unserem Sponsor (Raiffeisen, Anm. hs) für nunmehr über 30.000 Kunden innerhalb eines Monats den Paid Content Bereich zugänglich machen. Was die App angeht, sind wir sicherlich in einer Pionierrolle in Österreich, das kommt uns zugute. Wesentlich fordernder die Geschichte mit dem Tablet iPad: Was stelle ich dorthin?
Meine Antwort ist: Gehen wir von der gedruckten Zeitung aus! Das iPad ist keine Online-Sache, die alle paar Minuten aktualisiert werden muss. Wir gehen also beim iPad von der gedruckten Zeitung aus wollen mehrmals am Tag, orientiert an den Zugriffsspitzen, eine Ausgabe präsentieren, die in den wesentlichen Punkten aktuell ist. Also über die rasche Meldung, wie sie Online steht, hinausgeht. Anders ausgedrückt: Online steht, was passiert ist, und da – in Print oder im „Kurier ohne Papier“ - soll stehen, was es bedeutet. Also Interpretation, Hintergrund, Vertiefung – also über die Meldung hinausgehendes.
Das ist die journalistische Herausforderung, und auf diesem Terrain fühle ich mich in aller Bescheidenheit recht sicher. Ich glaube, dass wir da Einiges zusammenbringen werden im Verbund zwischen der Printredaktion und den anderen Kräften.  

HORIZONT: Sie unterscheiden zwischen Printredakteuren und „anderen Kräften“…?  

Kotanko: Das ist erst ein Konzept und noch kein abgeschlossenes Projekt. Aber meine Vorstellung ist, dass Leute, die für das jeweilige Thema die größte Expertise haben – und Ressorts sind ja Kompetenzzentren – und in der Printausgabe für das Thema zuständig sind, den Kurier ohne Papier mit einer Geschichte zu diesem Thema bedienen. Das heisst die Umsetzung ist aus der Printredaktion heraus gedacht. Aber von der Idee her glaube ich, dass die Kollegen, die das am besten können, das auch machen sollen. Oder anders formuliert: Wo Kurier draufsteht, soll auch Kurier drinnen sein! Den Kurier ohne Papier kann man doch nicht mit Agenturmaterial – bei aller Wertschätzung der Nachrichtenagenturen – befüllen. Die Agentur ist ganz wichtig und unverzichtbar für die schnelle Meldung – aber für die ausführliche Berichterstattung muss man auf die Ressourcen der Printredaktion zurückgreifen. Dazu müssen natürlich auch die vertraglichen und arbeitsrechtlichen Fragen beantwortet werden – und dem werde ich mich auch ab 16. August widmen.  

HORIZONT: Gibt es eine Konfliktzone Printredakteure – Online Redaktion?  

Kotanko:
Sehr vereinfacht gesagt: Ich bin der Auffassung, dass Kollegen, die journalistischen Content produzieren, als Journalisten behandelt werden sollen. Wobei auch klar ist, dass im jetzigen System die Angleichung beziehungsweise Hochstufung aller Verträge zwar theoretisch wünschenswert, praktisch aber ausgeschlossen ist. Man wird da zu anderen Lösungen kommen müssen – die wir heute noch nicht kennen. Aus meiner Sicht muss man das von der Produktion her denken: Wer macht eine Geschichte – unabhängig, auf welchem Kanal sie ausgespielt wird? Ich sage bewusst: Wer macht eine Geschichte – da geht es nicht darum, einfach APA-Meldungen umzuschreiben. Das wäre nicht die journalistische Leistung, die ich mir vorstelle.
Ich rede von recherchierten Geschichten, von qualitativ hochwertigem Content, mit dem eine Eigenleistung verbunden ist. Wie diese Inhalte in Zukunft abgegolten werden sollen, darauf habe ich noch keine Antwort. Das ist für alle kaufmännischen Verantwortlichen in Medienhäusern eine riesige Herausforderung. Man wird hier zu Lösungen kommen müssen. Nicht zuletzt deshalb, weil die Grenzen zwischen den medialen Formen verschwimmen.  

HORIZONT: Also eine Unterscheidung nach journalistischer Originalität?  

Kotanko: Kurier-ohne-Papier ist dezidiert nicht die Fortführung des Online-Gedankens. Wenn man sich anschaut, was Medien auf iPad beziehungsweise die Tablet-Computer bereits anbieten, so ist das näher an den Qualitätsansprüchen, an den Standards und Erwartungen, die an eine Medienmarke gestellt werden, als beim flüchtige Online-Auftritt, der alle paar Minuten mutiert wird und abbildet, was der Tag bringt.
Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich weiss, dass die Kollegen in der Online Redaktion sehr viel arbeiten. Das hat meinen vollen Respekt. Nur: Meine Vorstellung ist, die Qualitätsstandards des Print-Kurier auf den Kurier ohne Papier zu übertragen. Das wird ohne Einbindung der Printredaktion nicht gehen. Da wir keine Parallelstruktur schaffen werden, wird es organisatorische Maßnahmen geben, die wir derzeit erarbeiten. Es wird aber wohl niemand seriös annehmen könne, dass es neben der Printredaktion eine Online-Redaktion und etwa noch eine Struktur für Apps oder eben den Kurier-ohne-Papier geben wird – das wird es nicht sein können.
Noch dazu, wo – vor allem, aber nicht nur – unter den jüngeren Kollegen eine große Bereitschaft besteht, die unterschiedlichen Kanäle sozusagen aus einer Hand zu bespielen.  

HORIZONT: Bis wann soll diese Struktur bestehen?  

Kotanko: Ich habe am 1. August – faktisch am 16. August, weil ich bis dahin auf Urlaub bin – Arbeitsantritt. Eine eigene iPad-App werden wir vor Ende August launchen. Das Produkt werden wir mit den Erfahrungen unserer Leser kontinuierlich weiterentwickeln.  

HORIZONT: Haben Sie bei diesen Überlegungen Vorbilder?  

Kotanko: Die Wundertüte hat niemand – aber wenn Sie mich konkret nach Vorbildern fragen, dann würde ich im deutschsprachigen Raum vor allem welt.de oder auch den Schweizer tagesanzeiger.ch anführen.  

HORIZONT: Gerade auch das iPad beziehungsweise Tablet steht für Bewegtbildmöglichkeiten – welche Rolle spielt diese Option?  

Kotanko: Ich glaube, dass in diesen neuen Medienkanälen alle Sinne außer dem Geruchssinn angesprochen werden. Wir werden schauen, wir werden hören, wir werden lesen – mit Ausnahme des Geruchssinn werden alle Sinne angesprochen. Das ist das Ziel, der Weg dorthin ist ziemlich steinig, weil der Aufwand relativ groß ist. Ich glaube, dass das Bewegtbild als journalistische Stilform – und auch als Angebot an die Werbewirtschaft – als Angebot etabliert werden muss. Da sitzen wir übrigens, nach meinem Eindruck, mit der Werbewirtschaft im selben Boot: So wie wir von journalistischer Seite Modelle suchen und entwickeln, sind Agenturen und ihre Auftraggeber herausgefordert. 

HORIZONT: Sie haben im Juli mit Helge Schalk noch einen neuen Art Director engagiert?  

Kotanko: Ich bin stolz darauf, dass ich Helge Schalk als Art Director engagieren konnte – weil ich glaube, dass wir uns davon trennen müssen, dass wir den visuellen Auftritt nur auf das gedruckte Produkt beziehen. Wir brauchen einen ganzheitlichen Auftritt, und da erwarte ich mir von Helge Schalk, der ein junger und besonders kreativer Kollege ist, dass er dabei mitarbeitet. Bei all diesen Überlegungen zu unterschiedlichen Auftritten wie Online oder Kurier-ohne-Papier geht es um eine Idee von Design. Es muss ein Design sein, das Wiedererkennen und damit Kundenbindung bringt. Da erwarte ich mir von Helge Schalk Ideen. Ich erwarte nicht, dass er das Layout für den Kurier-ohne-Papier entwirft, aber ich erwarte, dass er Input gib.  

HORIZONT: Wie kam es dazu?  

Kotanko:
Der Anlassfall ist, dass unser langjähriger Art-Director Ernst Pavlovic im März 2011 in Pension geht und daher eine Nachbesetzung erforderlich ist. Mir ist Helge Schalk durch seine sehr gute Arbeit bei der Presse am Sonntag aufgefallen. Ich habe ihn das erste Mal im Frühjahr getroffen und danach den Aufsichtsrat davon informiert, was dieser zustimmend zur Kenntnis genommen hat. Dazu kommt, dass die letzte Layoutreform des Kurier im Jahr 2006 mit der Schweizerin Katja Hösli gemacht wurde– ich gehe einmal davon aus, dass Helge Schalk mit Helmut Brandstätter 2011 für den gedruckten Kurier eine Layoutreform machen wird.
Meine Vorstellung wäre, dass Helge Schalk im Zuge einer solchen Layoutreform sein Wissen und seine Erfahrung und Kreativität auch für andere Verbreitungsformen des Kurier einbringt. Schalk kommt am 1. Oktober, und darüber wird mit ihm zu reden sein – vieles von dem, was ich jetzt sage, ist im Projektstadium und wird sich im Detail noch entwickeln.  

HORIZONT:
Da erbt Helmut Brandstätter sozusagen ihren Designer…?  

Kotanko: Nun, auch im Zeitungsgeschäft ist bei aller Schnelllebigkeit Vorausplanung wichtig. Ich wusste, dass im März 2011Pavlovic in Pension geht und habe ziemlich genau ein Jahr davor mich umgesehen, wer als Nachfolger in Frage kommt. Für mich war und ist Helge Schalk die Wahl, weil er einfach der Beste ist – als ich ihn angerufen habe, mich mit ihm im Café Ritter getroffen habe, dann später Thomas Kralinger vorgeschlagen habe, konnte ich noch nicht wissen, dass ich am 26. April von Dr. Christian Konrad als Chefredakteur abberufen werde. Inzwischen hat natürlich auch Helmut Brandstätter mit Helge Schalk gesprochen. Es geht ja nicht um Eifersüchteleien oder wer hat welche Ideen gehabt, sondern um die Frage, was das Beste für das Produkt ist. Und Helge Schalk ist für das Design des Kurier der bestmögliche Mann, davon bin ich überzeugt!
Und Helmut Brandstätter – das können Sie ihn selbst fragen -, der ist das auch.  

HORIZONT: Stichwort Relaunch und Launch – der Kurier hat 2009 eine ganze Reihe von Magazin-Innovationen (tv.woche, Business, Motor-Kurier, mein sonntag) vorgestellt – Ihr Resümée?  

Kotanko: Vielleicht einmal voraus: Ich halte Beilagen nicht für irgendwelche Supplements, die einfach mitgeliefert werden, sondern für journalistischen Kernbestand. Ich nehme das ernst. Wir haben 2009 und 2010 verschiedenes in diesem Bereich gemacht. Nicht zufrieden bin ich mit der TV-Beilage tv.woche und der Sonntagsbeilage mein sonntag.
Mein Sonntag braucht mehr Identität. Am Sonntag liegt ja auch als Beilage die Reise bei – und da sehe und weiß ich sofort, was ich bekomme. Genauso ist es beim Motor-Kurier, bei den Karrieren beziehungsweise Business oder ganz besonders bei der Freizeit am Samstag.
Das zweite ist die tv.woche: Die ursprüngliche Idee war, TV mit dem ganzen Hype rund um Computer und Mobile zu vereinen. Diese meine Idee halte ich noch immer für gut, aber am Werbemarkt funktioniert sie leider nicht. Daher glaube ich, dass man das gemeinsame Fernsehprogramm des Kurier und Techno überdenken muss und Techno wieder selbstständig macht. Das ist nicht so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt habe.
Aber ich will auch nicht klüger als unsere Kunden sein – wenn das so nicht angenommen wird, muss es geändert werden, und das wird im Herbst stattfinden.
Mit anderen Entwicklungen – Karriere/Business von Sandra Baierl etwa – bin ich hochzufrieden. Oder zum Beispiel Immobilien: Mit wurde jahrelang erklärt „vergiss das Immo, weil alle diese Rubrikenanzeigen werden ins Internet abwandern“! Das ist nicht so – wenn man rundherum anständigen journalistischen Content liefert, dann funktioniert das in Print weiterhin. In den schlimmsten Zeiten der Wirtschaftskrise hatten wir im Immo nie unter 1.800 bezahlte Inserate – und im Normalfall haben wir so um die 2.400. Das ist ein Gegenbeweis, dass auch Beilagen und Inserate in gedruckten Versionen angenommen werden, wenn sie gut gemacht sind.  

HORIZONT: Wie bilanzieren Sie „ihre“ sieben Jahre als Chefredakteur des Kurier?  

Kotanko: Es gibt ja die Meinung, dass mit dem Austausch des Chefredakteurs nur zehn Prozent der Probleme behoben werden. Elisabeth Ochsner hat im Standard-Interview im Juli*(siehe Zitat nachstehend, Anm. hs) gesagt, dass für sie der Kurier ein weggelegtes Kind der Eigentümer wäre. Ich glaube, dass die Gesellschafter des Kurier sich nach diesem Personenwechsel klar werden müssen, welche strategische Position der Kurier innerhalb der Mediaprint hat.
Es gibt ja Eigentümervertreter wie Christian Nienhaus (Geschäftsführer der WAZ, Essen, Anm.hs), die der Meinung sind, dass Kurier und Krone getrennt werden sollten und die Mediaprint das wird, was sie ursprünglich sein sollte, nämlich eine Servicetochter, wo man Druck und Vertrieb in Auftrag gibt. Unter diesen Umständen glaube ich, dass der Kurier seine Position ausbauen könnte, weil es in der bisherigen Mediaprint immer wieder Rücksichtnahmen oder Entscheidungen gab, wo die Kurier-Redaktion der Meinung war, dass sie nicht ganz das verwirklichen konnte, was sie an Konzepten und Ideen und Offensivkraft eigentlich hätte. Wenn diese Situation verändert würde, wäre es zum Besseren des Kurier. Ob es so kommt, weiss ich nicht.
Am Beispiel der Beschränkung auf Ostösterreich kann man das auch anhand der Verkaufsstatistik nachvollziehen: In Tirol verkauft der Kurier heute ungefähr 3.500 Exemplare an Wochentagen im Schnitt – es gab Zeiten, da verkaufte der Kurier in Tirol ungefähr 15.000 Exemplare im Tagesschnitt. Ich behaupte, der Kurier ist nicht um vier Fünftel schlechter geworden!
Am Produkt allein kann es nicht liegen.  

* Das Zitat von Elisabeth Ochsner (Der Standard 3./4. Juli 2010), auf das sich Christoph Kotanko bezieht, lautet so: „Der Kurier hat schon lange ein Problem: Er wirkt wie ein weggelegtes Kind. Es müsste mit dem Produkt doch einiges geschehen - wenn es dem Eigentümer wichtig ist. Der Kurier leidet an einer gewissen Überalterung in der Leserschaft. Er muss wissen, wo er hin will.“
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