Journalismus-Debatte: Autorisierungs-Geplänke...
 
Journalismus-Debatte

Autorisierungs-Geplänkel: 90minuten.at publiziert Interview mit ÖFB-Teamchef Foda ohne Antworten

andranik123 / stock.adobe.com

Onlineportal kritisiert gestrichene Fragen und umgeschriebene Antworten im Autorisierungsprozess mit Fußball-Teamchef Franco Foda und stößt dabei auch eine Qualitätsdebatte im Journalismus an. 

"Österreich fährt zur Europameisterschaft – spüren Sie schon Euphorie im Land, Herr Foda?" "Nach den Auftaktpleiten schien eine Qualifikation weit entfernt. Sie mussten in die ZIB2 zu Armin Wolf." Ist es eine Frage der individuellen Klasse der Spieler?"


Fragen wie diese hatte 90minuten.at Ende Jänner an ÖFB-Teamchef Franco Foda gestellt. Heute veröffentlicht das Onlineportal das Interview - allerdings ohne Antworten.  Unter dem Titel "45 Tage-Prozedere: Teamchef Foda schreibt sein Interview neu" kritisieren die Verantwortlichen, dass im Zuge der Autorisierung des Interviews Inhalte stark verändert worden seien und zudem versucht wurde, Fragen samt Antworten zu streichen. Das habe sich auch nach Hinweisen und Interventionen durch das Medium nicht gebessert.

Die beiden Interviewer Michael Fiala (der auch für HORIZONT freiberuflich tätig ist) und Gerald Gossmann listen dabei nicht nur das Hin und Her im Freigabeprozess mit der Pressestelle des Österreichischen Fußballbunds auf, sondern kritisieren auch die Zustände im Journalismus an sich: "Offensichtlich haben es viele Journalisten und Medien zur Unsitte werden lassen (Beispiele sind der Redaktion bekannt), massive Änderungen bei Interview-Freigaben zu akzeptieren. Im Sportjournalismus denken viele Funktionäre, Sportler, Trainer, dass Redakteure PR-Vehikel sind. Schuld daran sind aber nicht Funktionäre, Sportler, Trainer – oder in diesem Fall Franco Foda – sondern Journalisten, die diese mit Kuschel-Journalismus verwöhnt und an Hofberichterstattung gewöhnt haben."

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