Jenseits des HORIZONT
 

Jenseits des HORIZONT

Die Banalität der Entsinnlichung. Eine Ö1-Reform der Gutmenschen.

Ö1, immerhin reichweitenstärkster Qualitätsradiosender Europas (wenn nicht weltweit), wurde reformiert. Weniger Treiber, mehr Roither. Oder weniger Sinnlichkeit, kulturelle Vielfalt mit Lust an Guerilla, dafür mehr Guthaftigkeit, Ernsthaftigkeit und Informationshaftigkeit. Information wächst, Kultur wird leicht zurückgenommen, dafür mehr über sie geredet.

Das entspricht dem neuen, braven, sinnlichen Ethos und Verständnis der gutmeinenden, emanzipierten ManagerInnen. Dass der Sender dadurch Charme, Flair, Bissigkeit, Gemeinheit verliert, wird noch nicht registriert.

Dennoch: Ö1 bleibt ein gutes Programm, es passt sich halt den Partnern an, ist zwar weiterhin mutig, aber ohne die Sprengkraft des ironisch intellektuellen Drüberfliegens. Die Musikauswahl ist wenig verändert, dafür gibt es – nahezu zwei Jahrzehnte nach Dieter Moor – wieder einen Nighttalk. Auch gut. Aber leider fad. Immerhin: eine Sonntagsmatinee, die leise an Qualitätsdumping erinnert und an die Deutschlandfunkisierung des Radios.

Man hört: Es ist eine neue, jüngere, brave und beflissene Generation am Werke. Jünger bezieht sich ausschliesslich auf die Lebensjahre. Auch der Säbel ist im Kanon der Fechtbewerbe olympisch. Schade um das Florett.

Jenseits des HORIZONT 
stats