Jenseits des HORIZONT
 

Jenseits des HORIZONT

Hoch die Golatschen, Würstel an die Macht!

„Hoch die Golatschen, nida mit de Palatschinken“, lässt Anton Kuh die Kenner des Café Central skandieren, als der 1. Weltkrieg zu Ende geht und allgemeines Chaos im Literaten-und Intellektuellen-Kaffeehaus ausbricht.

Hoch die Würstel, nida mit de Gscheiterln ließe sich heute paraphrasieren, wenn man den Niedergang der politischen Klasse und intellektuellen Elite im Land beschreiben möchte. Unfähigkeit zur Reflexion, keine Skrupel, Abschieben und Verdrängen von Verantwortung, reflexartiges Denken in Schwarz-Weiß und Freund-/Feindbildern sowie hemmungslose Aneignung von öffentlichem Eigentum prägen das Bild der Herrschenden im Bewusstsein der Öffentlichkeit.

Was als Privatisierung medial inszeniert wurde, entpuppt sich schlichtweg als Bereicherung der Händler und Zwischenhändler, Provisionäre und ohnehin schon Besitzenden. Breites Ablehnen von jeglichem Anflug von Intellektuellität, Wissens-und Bildungsskepsis werden zu Phänomen des Alltags: wer nachdenkt oder gar Skrupel öffentlich zeigt, gilt als verdächtig, als schlechter Österreicher und Chauvinist.

Inzwischen wird paktiert und getauscht, getäuschelt und geschwindelt, Posten verschoben und neu geschaffen, kritische Stimmen sanft zum Verstummen gebracht. „Die Stimme des Intellekts ist leise“, schrieb Sigmund Freud. Derzeit ist sie nicht einmal gehört. Die Würstel sind an der Macht. Und Senf ersetzt den Intellekt. Die Kaisersemmel als das tägliche Brot.

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