Jan Böhmermann steht unter Polizei-Schutz
 

Jan Böhmermann steht unter Polizei-Schutz

Screenshot ZDF Mediathek
Alles dreht sich rund um Jan Böhmermann.
Alles dreht sich rund um Jan Böhmermann.

Der Fall rund um das Schmähgedicht von Jan Böhmermann eskaliert immer weiter: Der Satiriker steht mittlerweile unter Polizei-Schutz. Die nächste Sendung des "Neo Magazin Royale" wurde abgesagt.

In den deutschen Medien dreht sich derzeit alles um Jan Böhmermann. Der Satiriker trug in seiner Sendung "Neo Magazin Royale" ein Schmähgedicht vor, in dem er den türkischen Präsidenten beleidigte. Allerdings geschah das eingebettet in die stetige Ermahnung an die Zuschauer, dass man eben genau das nicht machen dürfe. Böhmermann trug das Gedicht vor, um den Unterschied zwischen erlaubter Satire und verbotener Beleidigung aufzuzeigen. Anstoß dafür war die Einbestellung des deutschen Botschafters in der Türkei aufgrund eines Türkei-kritischen Liedes in der Satire-Sendung "Extra 3". "Spiegel Online" hat ein Protokoll der "Neo Magazin Royale"-Sendung verfasst

Erdogan höchstpersönlich hat inzwischen einen Strafantrag gegen Böhmermann gestellt, er beruft sich dabei auf den Paragrafen 185 des deutschen Strafgesetzbuches, dieser stellt Beleidigungen unter Strafe. Aber auch nach Paragraf 103 könnte sich Böhmermann schuldig gemacht haben, dieser stellt explizit die Beleidigung von ausländischen Staatsoberhäuptern unter Strafe. Ob es diesen Paragrafen in der heutigen Zeit tatsächlich noch bedarf, ist derzeit Gegenstand kontroverser Diskussionen. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich bereits positioniert und bezeichnete das Gedicht als "bewusst verletzend", nun kommt sie in Bedrängnis. Kritiker werfen ihr vor, sich nicht klar genug für die Kunst- und Satirefreiheit einzusetzen und stattdessen vor der Türkei, die sie für die Eindämmung der Flüchtlingskrise braucht, einzuknicken. Bei "Spiegel Online" glaubt man gar, Merkel könnte über den Fall Böhmermann stürzen. 

"Neo Magazine Royale" fällt aus



In diesem ganzen Trubel sehen sich Jan Böhmermann und sein Team offenbar nicht imstande, die nächste Sendung zu produzieren. Die zuständige Produktionsfirma erklärte auf Facebook, dass man die für Donnerstag geplante Ausgabe in Absprache mit dem ZDF nicht produzieren werde. "Grund ist die massive Berichterstattung und der damit verbundene Fokus auf die Sendung und den Moderator."

Das ZDF hatte das Gedicht vor zwei Wochen nach der Veröffentlichung und den ersten Schlagzeilen aus der Mediathek entfernt. In der vergangenen Woche ging Böhmermann wie gewohnt auf Sendung und hatte die ARD-Talkerin Anne Will zu Gast. Mit ihr gab es viele Anspielungen auf das Erdogan-Gedicht und eine nicht enden wollende Zeitschleife. Der Part ist derzeit noch in der Mediathek abrufbar. Der "Kurier" befand im Anschluss an die Folge: "Große Kunst". 

Böhmermann steht unter 24-Stunden-Polizeischutz



Eine Woche später fällt die neueste Ausgabe also aus. Und es geht noch weiter: Böhmermann steht mittlerweile unter Polizeischutz. Das berichtet die "Welt". Ein Polizeisprecher bestätigte der Tageszeitung, dass vor seinem Privathaus in Köln ein Streifenwagen positioniert worden sei. "Wenn man etwas nicht ausschließen kann, dann muss man etwas tun", so der Sprecher. Laut der "Hamburger Morgenpost" handele es sich bei dem Polizeischutz um eine "rund um die Uhr"-Bewachung. Zum jetzigen Zeitpunkt könne man nicht ausschließen, dass der TV-Moderator Opfer eines Angriffs werde.
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