IPI-Chefin kritisiert Österreichs Medien
 

IPI-Chefin kritisiert Österreichs Medien

Alison Bethel McKenzie, Leiterin des International Press Institute, zeigt sich bei einer Veranstaltung im Wiener Zigarrenclub um Österreichs Medienlandschaft besorgt.

Im Rahmen eines Diskussionsabends in Wien stellte Alison Bethel McKenzie, Leiterin des International Press Institute (IPI), Österreichs Medienszene kein gutes Zeugnis aus. Die Medienlandschaft sei generell nicht sehr lebhaft, zudem gebe es "einige Schwierigkeiten, bei denen das IPI vehementer auftreten" müsse. Man dürfe sich "keine Illusionen machen, dass die Dinge hier perfekt sind", sagte die 45-Jährige am Abend des 15. März im Wiener Zigarrenklub.

"Ich höre von Journalisten Beschwerden über den Einfluss von Politikern auf gewissen Medien, und den Einfluss von Anzeigenkunden auf Medien", so McKenzie. Laut IPI-Sprecher Anthony Mills gebe es vor allem Sorge wegen der größten Medienunternehmen des Landes. Der ORF sei "offen für politischen Einfluss", wie die Debatte um die Generaldirektoren-Wahl zeige, sagte Mills. Zudem gebe es das "Phänomen 'Kronen Zeitung'", deren Marktreichweite weltweit unerreicht sei. "Sogar die 'Sun' in Großbritannien hat kein solches Gewicht", so Mills.

Das IPI müsse sich vermehrt in Kampagnen für die Pressefreiheit engagieren, forderte Gerfried Sperl, Vorsitzender des österreichischen IPI-Komitees und langjähriger Chefredakteur von "Der Standard". Am Beispiel des umstrittenen Mediengesetzes in Ungarn, das auf internationalen Druck geändert wurde, sehe man die positive Auswirkung solcher Kampagnen. McKenzie betonte hingegen den Erfolg der Organisation durch direkten Kontakt mit Regierungen und Medienunternehmen. Das IPI müsse dabei aber sichtbarer werden.

In ihrem Referat sprach McKenzie über den weltweiten Kampf für die Pressefreiheit. "Trotz demokratischer Fortschritte in manchen Nationen sollten wir uns keine Illusionen machen", sagte die frühere Journalistin. "Sogar in etablierten Demokratien dürfen wir unsere demokratischen Freiheiten nicht als gegeben hinnehmen, und wir dürfen nicht ruhen, für das Recht von anderen auf das Sammeln und Verbreiten von Informationen zu kämpfen." Die gelte auch für die USA und die Regierung von US-Präsident Barack Obama, sagte McKenzie. "Viele Journalisten empfinden Obama als feindselig gegenüber den Medien." Das betreffe vor allem die Berichterstattung über die US-Kriegsführung, so die IPI-Chefin.

Thema war auch die Frage, ob die Pressefreiheit für Internet-Publikationen wie Wikileaks gelte. Das IPI zählt vor allem Chefredakteure und Herausgeber zu seinen Mitgliedern. Die Organisation kämpfe für die Rechte der Medien, sagte McKenzie, Wikileaks-Gründer Julian Assange trete hingegen als Entrepreneur auf. "Wir sind nicht der Meinung, dass Julian Assange ein Journalist ist." Mit Kollegen in den USA, Europa und Lateinamerika sei sie zur Auffassung gelangt, dass es keine Kampagne des IPI für Wikileaks geben werde. "Wir glauben nicht, dass es eine Medienorganisation ist", so McKenzie. In Zukunft werde es jedoch eine interne Debatte geben, was für das IPI als journalistisches Online-Medium zu betrachten sei. "Nicht alle Blogger sind Journalisten", sage McKenzie.

(Quelle: APA)
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