"iPhone ist der Horror"
 

"iPhone ist der Horror"

Beim Mobilfunkgipfel diskutierte man über die Business-Modelle der Zukunft.

„Wenn ich eine Antwort auf diese Frage hätte, dann wäre ich nicht hier, sondern reich“, meinte Robert Chvatal, CEO von T-Mobile Austria, und verwies auf den Hype ums iPhone, der nicht vorhersagbar gewesen wäre. Moderator Otto Petrovic (Karl-Franzens-Universität Graz) hatte die Frage „Wie werden die Kunden Mobilfunk in drei Jahren nutzen“ als Einstieg in den Mobilfunkgipfel mit dem Titel „Multimedia in der Hosentasche“ gewählt. Neben Chvatal saßen auch noch Hannes Ametsreiter (Vorstandsvorsitzender der Telekom Austria und mobilkom austria) , Hannes Eder (CEO Universal Music Austria), Michael Krammer (CEO Orange) und Berthold Thoma (CEO Hutchison 3 G Austria) auf dem Podium. Auch Eder hielt diese Frage für „schlichtweg nicht zu beantworten“, da die Welt, insbesondere die mobile, eine viel zu schnelllebige wäre.

Thoma versuchte eine Prognose: „Der Mensch ist von Natur aus faul und bequem, darum wird er in Zukunft viele Dinge, die er jetzt noch von zuhause aus erledigen muss, mobil erledigen.“ Ametsreiter konzentrierte sich auf die unmittelbare Zukunft: „Wir haben zwei Millionen Notebooks in Österreich und eine Millionen mobile Internetanschlüsse.“ Ohne Internet wäre ein Notebook so gut wie wertlos. „Darum gibt es hier noch jede Menge Potenzial für Wachstum. Das Smartphone wiederum wäre die breiteste Medienplattform, die Entwicklern zur Verfügung steht. „Vor allem im Geschäft mit Applikationen verbergen sich noch immens Wachstumschancen“, sagte Ametsreiter. Es sei nur spannend, welchen Platz die Mobilfunker in dieser Wertschöpfungskette einnehmen werden.

Thoma: „Das iPhone ist für die Mobilfunker eine Horrorvorstellung.“ Warum? Um ein iPhone verwenden zu können, muss man sich bei iTunes registrieren. Apple als Hardwareproduzent betreibe mit dem AppStore eine exklusive Contentplattform. „Ein solches Modell drängt die Mobilfunker in die Rolle einer Datapipe“, erläuterte Thoma. Die verschiedenen Mobilfunkanbieter würden sich dann nur noch über Netzqualität und Preis unterscheiden können – ein ruinöser Preiskampf wäre die Folge. „Das erfolgreiche Business-Modell der Zukunft wird also Connectivity und Content beinhalten und Werbung wird eine wichtige Rolle dabei spielen.“

Dass die wirkungsvollen Werbeformen im Mobile Marketing noch nicht gefunden wurden, darüber war sich das gesamte Podium einig. „Das Handy ist kein neues Medium, sondern ist Teil der Intimsphäre eines jeden“, warnten Krammer und Eder unisono. Chvatal erwähnte einen neuen, teilweise werbefinanzierten Tarif, der von Studierenden für den Brand tele.ring entwickelt wurde und am 8. Oktober präsentiert wird. Ametsreiter konterte: „Wir haben werbefinanzierte Tarife in Kroatien ausprobiert und dieses Projekt wieder eingestellt.“ Auch Krammer hält werbefinanzierte Tarife für kein geeignetes Business-Modell. „Das wurde in Europa zum ersten Mal schon vor zehn Jahren versucht, hat sich aber nirgendwo durchgesetzt.“

Die Werbung muss für den User einen konkreten Nutzer haben, betonte Eder. Denn dann würde es der Nutzer auch zulassen, dass seine Intimsphäre betreten wird. Die Mobilfunker würden aber in Sachen Mobile Marketing ein wichtige Rolle spielen können, zumal sie sehr viel über den Kunden wissen und in Österreich jene Unternehmen sind, die auch die meisten Kunden unter Vertrag haben, meinte Ametsreiter sinngemäß. Eder wies allerdings auf gesetzliche Rahmenbedingungen hin, die erst geschaffen werden müssten, um die Verwendung dieses Wissens über den Kunden auch zu ermöglichen. Von der werbungtreibenden Wirtschaft erwartet man sich in Zukunft aber erhöhtes Interesse – zumal etwa Online-Werbung in Österreich im internationalen Vergleich eine viel zu unwichtige Rolle spiele. Eder: „Die traditionellen Medien werden die Verlagerung der Werbespendings spüren, denn mehr wird die Wirtschaft sicherlich nicht für Werbung ausgeben.“

Auch über das liebe Geld diskutierte man beim Mobilfunkgipfel – insbesondere um die Kosten der Datendienste. Ametsreiter: „In Österreich denkt niemand mehr an die Kosten, wenn er mobil telefoniert. Genau diese Situation müssen wir aber auch bei den Datendiensten erreichen.“ Die EU-Reglementierung der Roamingtarife kritisierte Ametsreiter: „Hier greift die EU in Endkundenpreise ein und das wollen wir ganz und gar nicht.“ Ihm sei es auch ein Anliegen günstige Raomingtarife für den Datenbereich bieten zu können. „Volle Mobilität zu vernünftigen Preisen wird kommen, ist aber nicht so einfach zu realisieren, weil wir hier natürlich auch von ausländischen Anbietern abhängig sind.“ Krammer berichtet, dass sich durch die EU-Preisregelung das Telefonverhalten des Durchschnittsösterreichers keineswegs verändert hätte. Thoma konterte: „Wir haben innerhalb des Drei-Netzes das Dataroaming schon vor einigen Jahren abgeschafft. In den Ländern, in denen Drei vertreten ist, hat sich das Voice-Roaming verdreifacht und das Datenroaming ist schlichtweg explodiert.“ Überzogene Roaminggebühren im Datenbereich würde den Kunden davon abhalten, neue Funktionen am Handy zu nutzen. Die Mobilfunker würden sich dadurch selbst ins Knie schießen.
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