IP Österreich und R9: Erst kommen die Hausauf...
 

IP Österreich und R9: Erst kommen die Hausaufgaben...

IP Österreich vermarktet neuerdings auch den Satellitensender R9 Österreich. Walter Zinggl, IP-Geschäftsführer, über noch zu machende Hausaufgaben, regionalisierte Werbung und weitere Vermarktungsmöglichkeiten.

Dieses Interview erschien bereits im Vermarkter-Dossier in der HORIZONT-Ausgabe 16/2016, die am 22. April erschienen ist. Hier geht's zum Abo

HORIZONT: Herr Zinggl. Wie ist es zur Kooperation mit R9 gekommen?
Walter Zinggl: Ich habe im September die ersten Gespräche mit Marcin Kotlowski geführt und wir haben die wesentlichen Parameter besprochen. Das war die Vermarktungsprovision, auf die ich hier nicht näher eingehen will. Vor allem aber auch die strategische Ausrichtung und die Einigkeit über das Entwicklungspotenzial. Wir waren uns sehr schnell darüber einig, dass wir nicht den Fehler machen wollen und in den ersten Monaten nach Vertragsunterzeichnung wie wahnsinnig draußen herumakquirieren, sondern dass wir ein paar Hausaufgaben erledigen müssen. 

Zum Beispiel? 
Diese Hausaufgaben liegen sowohl auf der Sender- als auch auf der Vermarkterseite. So ist R9 derzeit noch nicht in allen Kabelnetzen und allen Regionen auf den Sendeplätzen, wo es hingehört, verfügbar. Außerdem waren wir uns ebenso rasch einig, dass es einer konzentrierten Anstrengung bedarf, den Menschen da draußen auch mitzuteilen, dass es den Sender gibt und wofür er steht. Wir haben dann entschieden, dass wir jetzt die Hausaufgaben angehen und erledigen. Das wollen wir bis zu den Jahresgesprächen für die TV-Saison 2017 schaffen. 

Das heißt, Sie sind jetzt noch mit den Hausaufgaben beschäftigt. Richtig los gehts dann erst Ende dieses beziehungsweise Anfang kommenden Jahres?
Richtig. Wir wissen alle, dass es ein schwieriger Job ist, einen neuen Sender während des laufenden Jahres einzuführen. Die großen Werbetreibenden legen auf der Basis der Jahresvereinbarungen ihren Station-Mix fest und da ist es schwierig, unterjährig etwas aufzubrechen. Die Jahresverhandlungen werden in der Regel zwischen Ende Oktober und Anfang Jänner geführt. 2017 gehen wir dann das richtige Ziel an: R9 überall dort als Alternative und Ergänzung im Station-Mix anzubieten, wo es darum geht, Menschen abzuholen, die vielleicht im herkömmlichen Sendermix nicht so stark vertreten sind. 

Was ist der Vorteil von R9 als Regionalsender mit nationaler Verbreitung?
R9 ist ein nationaler Sender, der von neun Regionalsendern getragen wird. Und als einziger nationaler Sender hat R9 die technischen und rechtlichen Möglichkeiten, den Werbetreibenden regionale Mutationen, runter bis auf Bundeslandebene, anzubieten. 

In Deutschland wurde der ProSieben­Sat.1-Gruppe regionalisierte Werbung gerichtlich untersagt. 
Das hatte aus meiner Sicht eher kartellrechtliche Gründe durch die deutsche Marktsituation. Die Gefahr, dass uns die Kartellbehörde bei R9 etwas verbietet, weil wir zu groß und zu mächtig werden, sehe ich, zumindest für das Jahr 2017, nicht. (lacht)

Was wird in der Vermarktung von R9 Priorität haben? Die national zur gleichen Zeit ausgestrahlte Infosendung "Österreich Blick"?
"Österreich Blick" ist der Anker der Vermarktung, die Sendung ist ja momentan das einzige österreichweit ausgestrahlte Format. Ich bin mir aber sicher, dass der Sender darüber nachdenkt, ob es das einzige bleiben muss. 

Wie waren die ersten Reaktionen aus der Branche? Von RTL und Sky hin zu R9 ist es ja doch ein weiter Weg.
Die Agenturen kennen die prinzipiellen Vorteile von R9, das muss man ­ihnen nicht vortanzen. Sie verstehen auch, wie hoch das theoretische Potenzial für regionalisierte Kampagnen ist. Jeder, der länger als fünf Jahre im Geschäft ist, bekommt solche Anfragen von Kunden. Die fragen immer nach, ob es nicht möglich ist, Fernsehkampagnen zu regionalisieren.

Aber es gibt auch noch Zurückhaltung.
Das einzige Problem ist, dass zusätzliche Verhandlungen wegen einem Prozent Marktanteil schwierig umzusetzen sind. Daher ist die Aufnahme von R9 ist das Portfolio von IP Österreich nur die logische Antwort darauf. Wenn ein Werbetreibender mit uns einen Deal macht, macht er ihn quer über alle Sender. Die Zeiten, in denen Kunden nur auf einem bestimmten Sender buchen wollten, sind vorbei.

Gibt es von IP Österreich auch die Absicht, in Zukunft die nicht linearen Bewegtbildinhalte von R9 zu vermarkten? 
Der Vermarktungsvertrag gilt derzeit nur für den linearen Sender, wobei wir keinen Hehl daraus machen, dass die Bewegtbildvermarktung außerhalb des linearen Fernsehens für uns von großem Interesse ist. Und es weiß auch jeder, dass die einzige Umsatzgrenze für nicht lineare Werbeinhalte das verfügbare Inventory ist. Noch vermarkten die Sender ihre Homepages selbst, aber wir sind in Gesprächen für die Vermarktung über die neue Abrufplattform, die da derzeit entsteht. Aber das gehört alles zu den Hausaufgaben, die wir derzeit erledigen.
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