Investorenabschied nun möglich
 

Investorenabschied nun möglich

#

ProSiebenSat1-Vortstand Thomas Ebling verkaufte die Nordic Sparte.

Thomas Ebeling hat ProSiebenSat.1 umgekrempelt. Mit seinem Kurs hat sich der ehemalige Pharmamanager viel Respekt in der schillernden Medienbranche erarbeitet, auch wenn mancher Fernsehmacher mit dem leidenschaftlichen Fußballfan wohl immer noch ein wenig fremdelt. Im kommenden Jahr dürfte Ebeling den Konzern in eine neue Zeit führen: Der Vorstandschef hat den Boden bereitet, um den Finanzinvestoren Permira und KKR den Abschied von ProSiebenSat.1 zu ermöglichen. Der Ausstieg wird teuer, aber danach wird der Medienkonzern deutlich unabhängiger sein.

Der Abschied von KKR und Permira treibt Ebeling schon länger um. Bisher bestimmen die beiden Beteiligungsgesellschaften, was beim RTL-Rivalen passiert. Ihr Geschäftsmodell: Firmen kaufen und mit Gewinn wieder auf den Markt bringen - und möglichst auch zwischendrin Geld verdienen.

KKR und Permira kauften die Sendergruppe vom Medienmagnaten Haim Saban, der den Konzern nach der Pleite von Leo Kirch übernommen hatte. Nach ihrem Einstieg 2006 ließen die beiden von Kritikern als "Heuschrecken" titulierten Unternehmen den Konzern ihre europäische Senderkette SBS kaufen - für 3,3 Mrd. Euro.

Danach drückte ein enormer Schuldenberg auf ProSiebenSat.1. Und die Last, aus der Sendergruppe einen europäischen Medienkonzern zu schmieden, der die RTL Group in Schach hält. Von diesem Plan hat sich Ebeling früh nach seinem Amtsantritt 2009 verabschiedet. Er arbeitete darauf hin, den Konzern unabhängiger von der TV-Werbung zu machen, setzt auf Geschäfte im Internet oder die Produktion von Inhalten für Dritte. Den defizitären Nachrichtensender N24 schlug er los, ließ alle Mitarbeiter nach München umziehen und verordnete dem Konzern einen Sparkurs. Damit machte er sich nicht nur Freunde im Haus. 

Doch der Rauch ist verzogen. Mit den Sendern in Belgien und den Niederlanden ist der erste Teil von SBS verkauft, der Milliardenerlös ließ den Schuldenberg des Konzerns deutlich kleiner werden.

Nun macht Ebeling auch die Sender in Skandinavien zu Geld. 1,3 Milliarden bekommen die Münchner von US-Medienkonzern Discovery dafür. Geld, das Ebeling nutzt, um sich von seinen Investoren "freizukaufen". Ein großer Teil des Geldes fließt in eine stattliche Dividende, zugleich werden bisherige Vorzugsaktien zu Stammaktien.

Dabei hatte Ebeling die Sender zunächst behalten wollen. Eine Hintertür ließ sich der Manager aber offen: "Um es mit James Bond zu sagen: "Sag' niemals nie"", sagte Ebeling vor einem Jahr. Die Chance, die gut laufende Sparte Nordic mit einem stattlichen Gewinn herzugeben, nutzte er nun. "Durch die Realisierung eines attraktiven Preises haben wir einen deutlichen Mehrwert für alle Aktionäre geschaffen", sagte Ebeling zu dem Deal.

Zu einem möglichen Ausstieg der Eigentümer sagt er nichts. Nach dem Deal könnten KKR und Permira ihre Anteile nach und nach am Markt verkaufen. ProSiebenSat.1 dürfte im kommenden Jahr damit ein Kandidat für den wichtigen Aktienindex Dax werden.

(APA/dpa)
stats