Internetangebote von ARD und ZDF wackeln
 

Internetangebote von ARD und ZDF wackeln

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Die Einstufung der App der ARD-"Tagesschau" als zu "presseähnlich" dürfte nur der Anfang gewesen sein.
Die Einstufung der App der ARD-"Tagesschau" als zu "presseähnlich" dürfte nur der Anfang gewesen sein.

Für das Internetangebot der deutschen öffentlich-rechtlichen Sender ist es eine Woche der Entscheidung: Durch die Neufassung des Telemedienauftrags dürfte ihnen de facto geschriebener Journalismus verboten werden.

Die Vorgaben für ARD, ZDF und Co machen in Deutschland die Ministerpräsidenten mit dem Telemedienauftrag. Schon bisher war den Sendern dabei versagt, "presseähnliche" Inhalte im Netz anzubieten. In Ermangelung einer stichhaltigen Definition - wie in Österreich auch müssen die Inhalte "sendungsbegleitend" sein - blieb ihnen dabei einiger Freiraum. Bereits seit 2016 liegt jedoch eine höchstgerichtliche Entscheidung darüber vor, dass die deutsche "Tagesschau" mit ihrer App dagegen verstoßen hat. Dieser Urteilsspruch soll nun in eine Reform des Telemedienauftrags gegossen werden, die die deutschen Ministerpräsidenten am Donnerstag beschließen wollen. Schon am Dienstag tagt die Rundfunkkommission.

Laut einem Bericht der Westdeutschen Zeitung gibt es bei der Frage einen klaren politischen Frontverlauf: Während die SPD-Ministerpräsidenten den status quo der öffentlich-rechtlichen Berichterstattung im Netz aufrecht erhalten wollen, seien CDU/CSU und FDP dagegen. Das spräche, da die Ministerpräsidenten einstimmig die Reform beschließen müssen, für einen Kompromiss mit möglicherweise weiter einigem Freiraum beim Webjournalismus. Die Süddeutsche Zeitung wiederum will wissen, dass das Quasi-Verbot von öffentlich-rechtlichem Wortjournalismus im Netz beschlossene Sache sei: Die textlichen Angebote der Sender sollen demnach künftig nur auf Recherchematerial beschränkt sein, das "bei der Herstellung der Sendung" genutzt worden sei.

Im Gegenzug zu den Beschränkungen soll den Sendern dafür mit ihren audiovisuellen Inhalten der Weg ins Netz geebnet werden, etwa durch die Zulässigkeit von Produktionen für Social-Media-Kanäle, ohne dass diese je im linearen Fernsehen zu sehen oder im Radio auf Sendung gewesen wären. Auch sollen Online-Mediatheken mehr Gewicht bekommen, etwa durch Streamen auch von gekauften Produktionen Dritter auch im Unterhaltungsbereich. Die Finanzierung dieses Vorschlages - da die Produzenten diesfalls eine Abgeltung verlangen - ist allem Anschein nach jedoch weiterhin offen. Als Indiz dafür, dass die Tage von öffentlich-rechtlichem Wortjournalismus in Deutschland gezählt sein könnten, wird jedenfalls gewertet, dass der WDR zuletzt bereits aus freien Stücken auf geschriebene Inhalte im Netz verzichtet hatte.

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