Innovative Zahnpastatubenmacher gesucht
 

Innovative Zahnpastatubenmacher gesucht

Print befindet sich aktuell in einem stetigen Innovations- und Transformationsprozess - soweit die Erkenntnisse des Printgipfels

Nach den durchwegs interessanten Impulsreferaten von Julia Jäkel, G+J und Philipp Welte, Hubert Burda Media, begrüßte Sebastian Loudon sein Podium, das sich in den letzen 48 Stunden verändert hatte: Anita Zielina, "Stern", hatte ebenso kurzfristig abgesagt wie Peter Würtenberger, Axel Springer SE. Aufgrund der Auszeichnung von dossier.at mit dem Medienzukunftspreis hatte auch Eva Dichand, "Heute", ihre Teilnahme am Panel zurückgezogen. Denn: dossier.at hatte soeben eine tiefgehende Recherchearbeit zur Gratistageszeitung plus Hintergründe veröffentlicht. Die Diskussion schließlich drehte sich um den von Printmedien zu bewerkstelligenden Transformationsprozess. Sebastian Loudon, Herausgeber, versuchte herauszufinden, wo sich die jeweiligen Medien auf dem Weg in eine gute Printzukunft befinden.

Horst Pirker streute seinen Mitarbeitern Rosen und meinte, man arbeite hart an der Veränderung von 14 Marken. Konkret wurde er nicht. Er meint, dass Innovation in jedem Mitarbeiter stecken müsse und Führungskräfte die Aufgabe hätten Katalysatoren zu sein.

Dem widersprach von Trotha, "würde Innovation in jedem Mitarbeiter stecken, hätte ich das Ziel schon erreicht. Es gibt zwei Wege: Innovation in die Organisation hineinzutragen und fordern und fördern der Mitarbeiter". Malte von Trotha sah die Styria Media Group noch am Beginn eines Veränderungsprozesses, einerseits weil sich unternehmensintern Kulturen verändern müssten und andererseits, weil es nicht so leicht sei, neue Dinge auf den Markt zu bringen und zu etablieren.

Gerhard Riedler sieht eine schöne, wenn auch für seinen Geschmack manchmal zu langsame Entwicklung bei der "Kronen Zeitung", die auch in der mittelfristigen Zukunft wohl weiterhin von Werbeerlösen aus Print leben werde. Er zählte aber bereitwillig Neuigkeiten auf: das neue E-Paper, die Kooperation rund um Bewegtbild-Fußball mit Sky und Laola1 sei am Start und der mobile Marktplatz Flomo entwickle sich gut. Eine Schul-App indessen musste eingestellt werden, erzählte Riedler offen auch vom Scheitern aus dem man lernen kann.
Zum Thema Innovation meinte Riedler: "Wenn bei der Krone Print, Online und Social Media zusammenarbeiten, ist schon viel erreicht", lacht er, und, "die Gewinne aus Print müssen in digitale Innovationen investiert werden. So sind wir auch für Real Time Advertising aufgeschlossen".

Michael Fleischhacker, der an der nzz.at arbeitet, steht zu seinem Nachruf auf die Tageszeitungen und erklärte, dass es noch keine nativ digitalen Projekte mit Niveau gäbe, mit denen versucht werde Marktfähigkeit zu erlangen, "Krautreporter etwa ist eher eine NGO". Auch erklärte er, dass die NZZ den schwierigen Weg gewählt habe, aus der Publizisik heraus neue Produkte zu erschaffen, anstelle über Transaktionsmodelle. Wieviele Abonnenten nzz.at brauchen werde, wollte er nicht kommunizieren, sagte allerdings, dass das Paid Modell ein absolutes sei: "Ohne zu bezahlen wird man von uns gar nichts sehen."

Eine Weile hielt man sich noch mit dem Thema Zahnpasta und "wie bekomme ich sie zurück in die Tube?" auf - also ist der Zug für Paid Content abgefahren? Das Fazit: Zum Teil, aber noch nicht ganz, denn die Denke verändere sich diesbezüglich aktuell. 

Kurier.at-CDO George Nimeh fragte noch einmal genauer nach, "was ist wirklich neu und warum werden Daten nicht im Newsroom verwendet?" Riedler meinte dazu, "wir kennen unsere Daten gut, da unterschätzt du uns, George. Außerdem sind wir Vorreiter im Real Time Advertising. Nur für ein echtes Innovation Lab fehlt uns noch das Geld. Alle Medienhäuser arbeiten derzeit in einer Art Trial-and-Error-Modus." Und Trotha meinte: "Innovation passiert, aber nicht aus einem Lab heraus." Im Großen und Ganzen passiert sichtlich einiges, doch wirklich Neues war dann auch nicht zu hören - aber wer verrät schon seine aktuellsten Innovations-Highlights vor so großer Zuhörerschar?

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