Innovation: "Einfach mal schauen, was passier...
 

Innovation: "Einfach mal schauen, was passiert"

Johannes Brunnbauer
Andreas Gall aus dem Red Bull Media House erklärte die wichtige Verbindung von Innovation und Intuition.
Andreas Gall aus dem Red Bull Media House erklärte die wichtige Verbindung von Innovation und Intuition.

Mit seinem Impuls "Re-activate" wollte Andreas Gall, Chief Innovation Officer im Red Bull Media House, den Besuchern der Österreichischen Medientage 2019 näher bringen, was die Medienbranche von Sportlern lernen kann und wie sehr Innovation mit Intuition zusammenhängt.

„Digitalisierung war damals noch die Sehnsucht zu sagen: Mensch, das wäre doch toll, wenn ich alles auf Festplatte aufnehmen, speichern und wiedergeben kann“, blickte Andreas Gall, Chief Innovation Officer im Red Bull Media House auf die 80er-Jahre zurück, wo er die ersten Erfahrungen mit Audio und Radio sammelte. „Von analog auf digital, von Band auf bandlos.“ Besonders in Österreich sei damals der Wechsel, „die Lust Dinge zu verändern“, „cool“ gewesen, sagte der gebürtige Bayer. Viele Musikproduzenten seien wahnsinnig experimentierfreudig gewesen. Und damals seien auch nicht die Jüngsten die „Botschafter der Innovation“ gewesen, wie man vielleicht annehmen mag, sondern die Älteren, betonte Gall.

Nun stünden wir auch heute vor einer ähnlichen Situation wie in den Achtzigern, nur die kommende „Industrierevolution der Medien“ sei ein „komplexes Biest“ geworden, so Gall. „Von Vision zu Idee konnte man sich früher viel Zeit lassen, heute bestellt man in Sekunden mit einem Anruf die nötigen Produkte und kann die Idee innerhalb von Minuten umsetzen“. Es gelte, "auf Formel 1 umzusteigen was die Geschwindigkeit unserer Entscheidungen angeht.“

"Lust auf failure" als Voraussetzung

„Wir Medienleute haben die Chance, Innovationen zu triggern, anzustoßen, zu inspirieren“, führte Gall zum Publikum gewandt fort. Um Innovationsprozesse anzustoßen, bedürfe es heute der „richtigen Leute, Botschafter, die im Markt schauen, was zu uns passen könnte; die Ideen und Produkte sofort spürbar machen und den Leuten die Angst vor dem Neuen nehmen.“ Die Prozesskette bestehe seines Erachtens nach aus „zeigen, testen, Prototypen entwerfen, experimentieren, ins Business bringen“. Innovation sei ein Türöffner, kein Markting-Instrument, mahnte Gall die Zuschauer.

Das Problem mit der Innovation heute sei, dass viele nicht mehr auf ihr Bauchgefühl und ihre Intuition hören würden, meinte Gall. Man solle „Lust auf failure haben, einfach mal schauen, was passiert.“ Als Beispiel dazu zeigte Gall einen bisher unveröffentlichten Clip von einer Abfahrt des Extrem-Radfahrers Markus Stöckl, den Galls Team vorher mit Prototypen von Kameras, Mikrofonen und Instrumenten zur Messung von Herzschlag und Adrenalinwerten ausgestattet hatte. Nach der Auswertung habe das Team ihm nahegelegt, bei seinen Abfahrten "mehr auf sein Bauchgefühl zu hören“, da sein Körper einen Sturz schon mindestens drei Sekunden vorher ortete.

„Was ich euch mit diesem Impuls weitergeben will: Intuition ist elementar für euren Erfolg“, sagte Gall. „Ihr könnt mehr Geschwindigkeit aufnehmen, wenn ihr auf euren sechsten Sinn hört. Sportler zeigen tagtäglich, was dieser sechste Sinn dabei ausmacht, welche Vorteile er bringt. Diese Intelligenzsysteme und Aufnahmemöglichkeiten bringt keine KI mit sich.“

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