In keinem Land mehr Journalisten in Haft als ...
 

In keinem Land mehr Journalisten in Haft als in Türkei

flickr.com/Mark Ittlemann
Mindestens 156 Medienhäuser und -publikationen seien seit Juli 2016 geschlossen worden. Rund 2.500 Journalisten, Fotografen und weitere Medienschaffende verloren ihre Stelle.
Mindestens 156 Medienhäuser und -publikationen seien seit Juli 2016 geschlossen worden. Rund 2.500 Journalisten, Fotografen und weitere Medienschaffende verloren ihre Stelle.

Anlässlich des Internationalen Tages der Pressefreiheit am Mittwoch hat die Menschenrechtsorganisation Amnesty International die Repression gegen Medien in der Türkei scharf kritisiert.

"In keinem anderen Land der Welt sitzen so viele Medienmitarbeiterinnen und -mitarbeiter hinter Gittern, nur weil sie ihre Arbeit gemacht haben", heißt in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht von Amnesty. Mehr als 120 Journalisten sind laut der NGO seit dem gescheiterten Putsch im vergangenen Juli in der Türkei in Haft. Eine von Amnesty lancierte Online-Petition unter dem Titel #FreeTurkeyMedia, mit der die Freilassung der inhaftierten Journalisten gefordert wird, sei bereits von mehr als 250.000 Menschen - darunter zahlreiche prominente Journalisten und Künstler wie Ai Weiwei - unterzeichnet worden.

Mindestens 156 Medienhäuser und -publikationen seien seit Juli 2016 geschlossen worden. Rund 2.500 Journalisten, Fotografen und weitere Medienschaffende verloren ihre Stelle. "Die Notstandgesetze geben die Möglichkeit, eine lang andauernde Untersuchungshaft zu verhängen; und das wird von den Behörden routinemäßig getan. Die Anklagepunkte sind oft frei erfunden, manchmal offensichtlich absurd. Meist fehlen jegliche Beweise für die angebliche Straftat", so Amnesty.

Vage Anti-Terror-Gesetze, wie das Verbot der Propaganda für Terrororganisationen, werden genutzt, um strafrechtlich gegen Journalisten vorzugehen. Die inhaftierten Medienvertreter dürften nur einmal wöchentlich eine Stunde mit ihrem Anwalt sprechen. Das Treffen finde außerdem unter Beobachtung von Gefängnisaufsehern statt. In einigen Gefängnissen werde Journalisten nicht erlaubt, Briefe zu senden oder zu empfangen, heißt es in dem Amnesty-Bericht, der zahlreiche Fallbeispiele inhaftierten Medienvertreter auflistet.
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