"In drei Jahren ist das Web tot ..."
 

"In drei Jahren ist das Web tot ..."

"... die Welt wird mobile" - prophezeiht Vorarberger-Medienhaus-Boss Eugen Russ am Podium zum Thema "Mut zur Diversifikation".

Das Podium „Mut zur Diversifikation“ wurde von Michael Grabner, Grabner Media, geleitet, der zum Start seiner Runde, die Verleger gleich darum bat Diversifikation in Form einer Vorstellungsrunde zu präsentieren – denn „die Diversifikation, sehen sie am Podium“. Da saßen: Stefanie Hauer, Verlagsleiterin des Zeitverlags, Eugen Russ, Vorarlberger Medienhaus-Boss, Wolfgang Bretschko, Styria-Vorstand, Peter Kropsch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Apa, Spiegel-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron, Thomas Kralinger, Geschäftsführer Kurier und Mediaprint, Wirtschaftsblatt-Vorstandsvorsitzender und VÖZ-Präsident Hans Georg Gasser und Moderator Michael Grabner, Michael Grabner Media.

Zunächst präsentierte Stefanie Hauer, Zeitverlag, ihr Erfolgsmodell. „Nach schwierigen Jahren sind wir nun sehr erfolgreich – wir haben die alte Tante wirtschaftlich wieder auf Vordermann gebracht, nicht zuletzt mittels Diversifikation“: „Die Zeit“, das „Zeit Magazin“, die „Zeit“-App, die „Zeit“ Online (schnelle News mit Tiefe), die „Zeit“-Editionen für DVD, CD und Bücher, die „Zeit“-Akademie und „Zeit“-Konferenzen. 33 Millionen von 144 Millionen Umsatz, also 24 Prozent kämen über neue Geschäfte, verdeutlicht Hauer.

„Spiegel“-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron hat nicht weniger an Erfolgsgeschichte zu erzählen. Der Chefredkteur, der aus Online kommt berichtet: „Das Haus, das wir neu bezogen haben, ist multimedial – es gibt „Spiegel TV“, Print und „Spiegel“ Online. Aber – all unsere Pfade entstanden aus Lust und Leidenschaft, aus der Redaktion heraus“. Als Beispiele nennt er „Spiegel Geschichte“ oder „Dein Spiegel“, die iPad-Version, die von 25.000 Menschen gelesen und bezahlt werden. „Wir haben 25 Millionen Digital-Umsatz, sind also profitabel“, so Müller von Blumencron.

"Wirtschaftsblatt"-Boss Hans Georg Gasser macht mit dem Beispiel "Wirtschaftsblatt", das seit 2006 Paid Content lebt, Mut für Visionen – wünscht sich aber auch Mut seitens der Mediaagenturen, nicht nur TKP-getriebene zu schalten, sondern Visionen zu honorieren.

Vorarlberger Medienhaus-Chef Eugen Russ zeigt die Stärken seines Hauses auf: „Verwurzelung in der Region“ mit der "VN", und damit bereits vor zehn Jahren gute Umsätze mit Verkauf von Strom und Versicherungen, Telefonanschlüsse und später als Internetprovider – „die lokale Tageszeitung hat Verkaufskraft“. Weiters: starke Chancen im digitalen Bereich mit den eigenen Portalen, aber auch internationalen Nischenportalen wie quoka.de. „Es geht um Effizienz und das Maßschneidern eines perfekten Angebots für Kunden, die wir sehr gut kennen“, so Russ. Das Vorarlberger Medienhaus ist auch in Rumänien und Ungarn ebenfalls im regionalen Bereich in Print und Online einer der Marktführer. Der Visionär will das Geschäftsmodell auch international vorantreiben und die Online-Umsätze von rund 20 auf 25 Prozent erhöhen.

Styria-Geschäftsführer Wolfgang Bretschko präsentiert in einer ersten Runde, ein Beispiel an dem der Verlag viel gelernt habe: der gescheiterte Versuch redmail, mit dem die Styria auch im unadressierten Zustellungsbereich, in Kooperation mit der holländischen Post, Fuß fassen wollte. „Wir haben gelernt in Kernkompetenzen zu diversifizieren, uns zu fragen, passt das Geschäft zur Marke und zu fokussieren“, so Bretschko. Als Erfolgsbeispiel nennt er die Plattform willhaben.at; als Kleinanzeigenportal zuerst Nummer eins in Wien und nun auch in Österreich wurde.

Auch Apa-Geschäftsführer Peter Kropsch, erkennt selbst für Nachrichtenagenturen die Notwendigkeit zu diversifizieren – ein Beispiel ist der Kauf einer Schweizer Bildagentur und nun der Start des Apa-Online-Kiosk, gemeinsam mit allen Kaufmedien Österreichs und Morawa.

Thomas Kralinger, Geschäftsführer „Kurier“ und Mediaprint, setzt mit dem „Kurier“ auf die Marke „Kurier“ und die jahrelang aufgebauten starken Kundenbeziehungen des Mediums. „25 Prozent des Umsatzes kommen aus Zusatzprodukten“. Wichtig seit der „Mut zum Scheitern“, denn „wir sind in einem sehr dynamischen Markt, in dem sehr viele neue Wege nötig sind“.

Nächstes Thema: Paid Content – „ist der Konsument bereit zu zahlen“, fragt Grabner.

Hauer findet, dass „normale Nachrichten für uns nicht exklusiv genug sind, aber sich Zeitungen hier selbst herausfordern müssen, einzigartigen Content zu bieten“. Weiters erwähnt Hauer, dass das iPad ein echtes Lesegefühl wie Print vermittle „mit Anfang und Ende – es lässt den Leser nicht unbefriedigt zurück, wie dies Online mitunter tut“ – daher setze man beim iPad auf Paid Content, was vielleicht wieder auf Online abstrahlen werde.

Müller von Blumencron meint, dass es auch für den "Spiegel" kein gelassenes Zurücklehnen, aufgrund der Erfolge der letzten Jahre gäbe: „wir brennen an allen Ecken und Enden“. Er nennt Gründe: „Gott sei Dank gibt es viele, die Papier lesen, aber Online muss genauso gut sein wie Print, denn die größte Konkurrenz ist der Freund des Freundes“ – er meint, damit die Empfehlunt. Und: „Der Spiegel“ Online werde nicht bepreist. Wichtig sei auch, social media gut zu machen, daher gäbe es seit kurzem ein Team in der „Spiegel“-Redaktion.

Eugen Russ wiederum blickt mit Achtung in die Zukunft: „Wir Zäsur stehen vor einer Zäsur: in zwei bis drei Jahren ist das Web tod – die Welt wird mobile. Mit reinen News kann man hier kaum Geld verdienen. Ich schätze, dass rund 90 Prozent der Inhalte Service-basiert sein müssen, zu den Themen Essen, Wetter und so weiter – und das lässt sich auch bepreisen. Und wir müssen Mobile verstehen lernen – es hat eine Kamera, ein Gps-Modul – die Frage ist, wie lässt sich das einsetzen. Aber – wir müssen uns schnell auf den Weg machen!“
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