"In 18 Zeilen nicht weniger als sieben Mal er...
 

"In 18 Zeilen nicht weniger als sieben Mal erwähnt"

PR-Ethik-Rat rügt "Krone Bunt" und Kreuzfahrtveranstalter Costa. Dieser weist die Vorwürfe in einer eigenen Stellungnahme zurück. Bei der Berichterstattung über ein Medikament wirft das Selbstkontrollorgan der "Krone" sogar Schleichwerbung vor.

Der Österreichische Ethik-Rat für Public Relations hat eine Rüge an die "Kronen Zeitung" ausgesprochen. Das Selbstkontrollorgan der heimischen PR-Branche folgte damit einer Beschwerde über die Berichterstattung in der "Krone Bunt" über ein Schiff des Kreuzfahrtveranstalters Costa, die vor einhalb Jahren erschien. Gerügt wurde auch ein Artikel, der in der Beilage "Gesund & Familie" erschienen ist und wo ein Blutverdünnungsmittel beworben wird.

"Wunderschöne Ziele im neuen Kleid"

In der Ausgabe vom 30. Oktober 2011 wurde auf Seite 75 im Reiseteil unter dem Titel "Kreuzfahrt: Wunderschöne Ziele im neuen Kleid!" über die Umgestaltung der "Costa Romantica" zur "Costa NeoRomantica" berichtet. So weit, so gut, allerdings schossen die Verfasser für den PR-Ethik-Rat deutlich übers journalistisch verträgliche Maß hinaus. So enthalte der Artikel nicht nur Angaben über die geplanten Routen des neuen Kreuzfahrtschiffs, sondern lobte auch ein konkretes, mit Preisen versehenes Kreuzfahrtangebot aus.

"In 18 Zeilen wird der Name Costa bzw. Costa neoRomantica nicht weniger als sieben Mal erwähnt", heißt es in der Stellungnahme des PR-Ethik-Rates. "Diese Fakten legen die Vermutung nahe, dass es sich um einen Bericht handelt, der im Zusammenhang mit finanziellen Zuwendungen steht." Untermauert werde der Verdacht durch ein auf Seite 79 platziertes Inserat von Costa-Kreuzfahrten.

Veranstalter: Buchungen erfolgen regelmäßig

Der Reiseveranstalter gab in seiner Stellungnahme gegenüber dem PR-Ethik-Rat an, regelmäßig Anzeigen in der "Krone Bunt" zu buchen. Kurz vor Erscheinen der genannten Ausgabe wurde eine Pressemeldung verschickt, in der auch Informationen zur "Costa neoRomantica" enthalten waren. Seitens der "Krone Bunt" lag dem Rat "trotz mehrfacher Urgenz" keine Stellungnahme vor.

Fazit des Selbstkontrollorganes: "Der redaktionelle Bericht ist nicht gekennzeichnet und entspricht in seiner optischen Aufmachung den anderen Beiträgen in der "Krone Bunt". Für die Leserinnen und Leser ist nicht erkennbar, ob er in Zusammenhang mit finanziellen Zuwendungen steht, obwohl die äußeren Umstände dies bei sorgfältiger Betrachtung nahelegen." Der PR-Ethik-Rat moniert "fehlende Transparenz und Irreführung der Konsumenten".

Keine erkennbare redaktionelle Begründung

Der Rat begründet seinen Spruch auch damit, dass die Glaubwürdigkeit der Medien als Informationsquelle einen besonders umsichtigen Umgang mit PR-Unterlagen fordere. Es gäbe keine erkennbare redaktionelle Begründung für diesen sehr werblich aufgemachten Bericht. In der Medienarbeit habe auch das beteiligte Unternehmen für die Einhaltung der ethischen Richtlinien Verantwortung wahrzunehmen, so der PR-Ethik-Rat.

"Schleichwerbung" bei Blutverdünnungsmittel vorgeworfen

Drastisch fiel das Urteil über einen Beitrag in der Beilage "Gesund & Familie" vom Dezember 2011 aus. Darin wurde ein Blutverdünnungsmittel des Herstellers Boehringer Ingelheim beworben, ohne das als Werbung zu kennzeichnen. Andere Präparate wurden in dem Artikel nicht genannt.

Die "Krone" wies den Verdacht auf bezahlte Schleichwerbung im Fall des Blutverdünnungsmittels "auf das Schärfste zurück". Schließlich gehöre "objektive Information zu Arzneimitteln zu den zentralen Aufgaben eines Gesundheitsmediums". Boehringer Ingelheim bestritt die Vermutung ebenfalls.

UPDATE: Costa: Steht nicht im Zusammenhang mit finanziellen Zuwendungen

Der Kreuzfahrtveranstalter Costa hat HORIZONT online eine Stellungnahme zu der Rüge bezüglich des Artikels über eines seiner Schiffe zukommen lassen. Demnach handelte es sich "um einen redaktionellen Bericht, verfasst von der Reiseredaktion von Krone Bunt", wie betont wurde. "Der Text steht nicht im Zusammenhang mit finanziellen Zuwendungen und die Trennung von redaktionellen und werbenden Inhalten – wie im österreichischen Mediengesetz vorgegeben – wurde eingehalten." Auch ein Verstoß gegen §26 oder Schleichwerbung liege nicht vor.

Aus Sicht von Costa Kreuzfahrten liegt auch kein Verstoß gegen die Ethik-Kodizes der PR-Branche vor, "da es sich nachweislich um einen redaktionellen Bericht handelt, der nicht von Costa initiiert oder beeinflusst wurde". Kurz vor Erscheinen der genannten Ausgabe sei von Costa eine Pressemeldung an alle relevanten Medien in Österreich verschickt worden, in der auch Informationen zur „Costa neoRomantica“ enthalten gewesen seien.

"Da keine Kompensationen für den angesprochenen Artikel geleistet wurden, hatte Costa schon im Juni 2012 darum gebeten, dass die Beschwerde des PR Ethik Rates zurückgezogen wird", schreibt das Unternehmen. "Costa Kreuzfahrten bucht regelmäßig Anzeigen in Krone Bunt." Die redaktionelle Berichterstattung liege "selbstverständlich" in der Verantwortung der Zeitung und man habe zu keiner Zeit versucht, darauf Einfluss zu nehmen.
stats