"Im Zentrum": ORF bittet Faymann zum Einzel-I...
 

"Im Zentrum": ORF bittet Faymann zum Einzel-Interview

Milenko Badzic
"im ZENTRUM", "Live aus dem ORF-Zentrum." Am Sonntag begrüßt Ingrid Thurnher live aus dem Studio im ORF-Zentrum zum Polittalk "im ZENTRUM".Im Bild: Ingrid Thurnher. - Veroeffentlichung fuer Pressezwecke honorarfrei ausschliesslich fuer die redaktionelle Berichterstattung in Zusammenhang mit Sendungen oder Veranstaltungen des ORF. Foto: [M] ORF/Milenko Badzic. Andere Verwendung honorarpflichtig und nur nach schriftlicher Genehmigung der ORF-Fotoredaktion. Copyright: ORF, Wuerzburggasse 30, A-1136 Wien, Tel. +43-(0)1-87878-13606
"im ZENTRUM", "Live aus dem ORF-Zentrum." Am Sonntag begrüßt Ingrid Thurnher live aus dem Studio im ORF-Zentrum zum Polittalk "im ZENTRUM".Im Bild: Ingrid Thurnher. - Veroeffentlichung fuer Pressezwecke honorarfrei ausschliesslich fuer die redaktionelle Berichterstattung in Zusammenhang mit Sendungen oder Veranstaltungen des ORF. Foto: [M] ORF/Milenko Badzic. Andere Verwendung honorarpflichtig und nur nach schriftlicher Genehmigung der ORF-Fotoredaktion. Copyright: ORF, Wuerzburggasse 30, A-1136 Wien, Tel. +43-(0)1-87878-13606

Der ORF widmet seine Diskussionssendung "Im Zentrum" am kommenden Sonntag ausschließlich einem Interview mit Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ).

Ein entsprechender Bericht der Gratiszeitung "Heute" wurde der APA im ORF bestätigt. Begründet wurde dies mit dem EU-Gipfel zur Flüchtlingskrise am heutigen Montag, bei dem Faymann Österreich vertritt. Einzel-Interviews mit anderen Politikern seien vorerst nicht geplant. Andere Formate als die übliche Diskussionsrunde seien aber auch nicht ausgeschlossen, hieß es im ORF. So wurde etwa darauf verwiesen, dass es auch im Jahr 2015 schon anlässlich 70 Jahre Kriegsende eine Sendung mit Hugo Portisch und der Autorin Maja Haderlap gegeben habe.

Für die ATV-Interview-Sendung "Klartext" indes hat der Bundeskanzler abgesagt, wie der Privatsender auf APA-Anfrage erklärte. Faymann hätte es demnach lieber gesehen, wenn live gesendet und der Sendeplatz ihm ausschließlich zur Verfügung gestanden wäre. "Klartext" ist aufgezeichnet, geplant war ursprünglich zum Auftakt der vierten Staffel heute, Montagabend eine Ausgabe mit Faymann und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP). Letzterer ist nun der alleinige Gast in der heutigen Sendung.

Kritik von anderen Parteien





Kritik am Solo-Auftritt von Faymann (SPÖ) in "Im Zentrum" kommt unterdessen von den anderen Parteien. Dass der ORF ausschließlich den SPÖ-Chef einladen will, sei "nicht nur politisch fragwürdig, sondern auch noch besonders ungeschickt", erklärte ÖVP-Mediensprecher Peter McDonald. Ein öffentlich-rechtlicher Sender sollte bei der Auswahl seiner Gäste besondere Sensibilität an den Tag legen.

"Gerade in Anbetracht dieser besonderen Stellung und auch dessen, dass im Sommer ein neuer Generaldirektor gewählt wird, setzt Generaldirektor Alexander Wrabetz durch derartige Signale, die in Richtung politischer Interventionen interpretiert werden können, Glaubwürdigkeit und Objektivität des ORF aufs Spiel", so McDonald, der von Wrabetz ein Überdenken der Entscheidung forderte.

FPÖ ortet "Skandal"



FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl sprach von einem "medienpolitischen Skandal der Sonderklasse". Offensichtlich handle es sich um einen "vorsorglichen Kniefall der ORF-Führung angesichts der bevorstehenden Generaldirektorswahlen", so der FPÖ-Politiker. "Die parteipolitische Einseitigkeit des ORF ist ja allgemein bekannt, aber so offen hat er sich noch selten als Rotfunk deklariert." Es sei ungeheuerlich, dass es Faymann in einer Sendung, die als Diskussionsrunde gedacht sei, gestattet werde, ohne Mitdiskutanten seine Sprechblasen abzusondern.

Kritik kam auch von den Grünen. "Werner Faymann scheut Diskussionen mit der politischen Konkurrenz. Schon bei der letzten Nationalratswahl verweigerte er die Elefantenrunde. Jetzt bekommt er mit 'Werner allein im Wohnzimmer' ein eigenes Sendungsformat", so Mediensprecher Dieter Brosz. "Es ist einem öffentlich-rechtlichen Rundfunk unwürdig, im Vorfeld der anstehenden ORF-Neuwahl vor dem roten Parteichef zu buckeln. Wenn der ORF der Meinung ist, dass ein Interview mit Faymann die journalistisch bessere Alternative ist, gäbe es dafür die 'Pressestunde'. Offenbar kann Faymann sogar den Zeitpunkt der Ausstrahlung eines Interviews diktieren. Das ist nur mehr peinlich und wohl ein Vorgeschmack darauf, was uns in den nächsten Monaten noch alles erwartet."

Vorbild ARD



Bei all der Kritik sei aber gesagt: Der ORF schaut sich bei dem Einzel-Interview eigentlich nur ein Vorgehen aus Deutschland ab. Dort strahlte die ARD in den vergangenen Monaten gleich zwei Sendungen von "Anne Will" aus, bei der Angela Merkel einzeln interviewt wurde. Besonders die letzte Sendung brachte des Bundeskanzlerin viel Lob ein, vor allem in den sozialen Netzwerken. Hinzu kommt, dass die Sendung Ende Februar auch aus Quotensicht deutlich besser lief als die regulären Ausgaben. 
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