"Im Zentrum": Auch Ex-Infodirektor Oberhauser...
 

"Im Zentrum": Auch Ex-Infodirektor Oberhauser echauffiert sich

Einladung des Bundeskanzlers sei ein "Beweis, dass sich Wrabetz als Handlanger von Kanzler Faymann sieht".

In die Debatte rund um den Einzel-Auftritt von Bundeskanzler Werner Faymann bei "Im Zentrum" am kommenden Sonntag hat sich nun auch der ehemalige ORF-Infodirektor Elmar Oberhauser (2007-2010) eingemischt. Das Vorgehen der Redaktion sei ein beispielloser Skandal und "dreister Angriff" auf die Unabhängigkeit des ORF, so Oberhauser gegenüber der APA. "Für mich ist das ein weiterer Beweis, dass sich ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz als Handlanger von Kanzler Faymann sieht", so der ehemalige Infodirektor Oberhauser.

"Faymann hat sich vor fünf Jahren einen Chefredakteur gewünscht, den hat er von Wrabetz bekommen. Dieser Chefredakteur ist jetzt auch für 'Im Zentrum' zuständig", so Oberhauser, der damit auf die Bestellung von TV-Chefredakteur Fritz Dittlbacher anspielte. Oberhauser hatte sich damals als Informationsdirektor gegen Dittlbacher als Chefredakteur ausgesprochen und wurde deshalb auf Vorschlag von Wrabetz vom Stiftungsrat mit den Stimmen von SPÖ, Grünen und linken unabhängigen Betriebsräten von seiner Funktion abgewählt.

Dittlbacher selbst verteidigte am Donnerstag die Einladung des Kanzlers. "Die Einladung in ORF-Sendungen sind journalistische Entscheidungen und diese werden ausschließlich von den Journalistinnen und Journalisten des ORF getroffen", so der Fernsehchefredakteur. "Einladungen können angenommen oder abgelehnt werden, was ja öfter einmal vorkommt. Sie können aber auf keinen Fall von der Politik eingefordert werden."

Interview ja, aber nicht bei "Im Zentrum"?



Neben einigen Angriffen auf Wrabetz kritisiert Oberhauser zudem noch die Wahl des Formats. "Grundsätzlich muss es dem ORF unbenommen sein, einen Bundeskanzler eine Stunde lang zu interviewen. Es gibt aber sicher passendere Gefäße für ein solches Gespräch, zum Beispiel in der 'Pressestunde' oder im 'Report'. Wenn man will, kann man das viel eleganter machen." Fayman sei in der Flüchtlingskrise bislang vor allem durch Hilflosigkeit aufgefallen und habe im Windschatten von Angela Merkel Profil gewinnen wollen. "Ich fürchte nur, all diese Dinge werden dem Herrn Faymann am Sonntag nicht vorgehalten werden."

Für Oberhauser hängt der Auftritt des Kanzlers auch mit der Wahl der neuen Geschäftsführung im Sommer zusammen. "Das ganze hat natürlich einen Beigeschmack, den man vor der im August geplanten Wahl des neuen ORF-Generaldirektors sehen muss", so Oberhauser. "Ich frage mich auch, wo ist eigentlich der Redakteursrat, der sich zuletzt immer als Hüter der Unabhängigkeit des ORF aufgespielt hat." Der hat sich übrigens schon zu Wort gemeldet. Der Vorsitzende Dieter Bornemann sagte, es gehe den Politikern in der aktuellen Diskussion nur darum, möglichst viel Sendezeit im ORF zu bekommen. 

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