Im Portrait: The Rockin‘ Lojka
 

Im Portrait: The Rockin‘ Lojka

Pauty
Kultpotenzial: Lojka besitzt sogar eine eigene Fan-Page auf Facebook.
Kultpotenzial: Lojka besitzt sogar eine eigene Fan-Page auf Facebook.

Obwohl vielen in der Branche kaum ein Begriff, ist Klaus Lojka am Publizistik-Institut der Uni Wien doch ein gewichtiger Faktor. Unter den Studenten besitzt der Assistenzprofessor sogar Kultpotenzial.

Klaus Lojka rockt, obwohl ihn kaum jemand kennt. In der Öffentlichkeit tritt der Assistenzprofessor am Wiener Publizistik-Institut so gut wie nie auf. Google-Suchen sind unergiebig. Und er selbst sagt zu seiner Person gar nichts, weil er lieber hinter den Kulissen agiert. Doch in der heimischen Kommunikationswissenschaft ist er ein wesentlicher Faktor.

Und am Publizistik-Institut in der Wiener Währingerstraße ist Lojka bekannt wie ein bunter Hund. Das liegt nicht nur an seiner Umtriebigkeit, sondern vor allem daran, dass er zumeist wortkarg bis abweisend agiert, im Hörsaal dafür aber ein höchst unterhaltsames Auftreten pflegt. Die Publizistik-Studenten lieben oder hassen den stets ein wenig grantelnden Lojka, je nachdem.

Hart hat er nämlich genauso drauf wie zart, schnoddrige Sager sind unter Lojkas Hörerschaft längst Legende. Als einziger des Institutspersonals besitzt er eine eigene Fanpage auf Facebook, eingerichtet und gepflegt von Studenten. Sie posten dort Lojkas schrulligste Bonmots aus dem Studienalltag. Als „Maestro der Translationswissenschaft“ wird er etwa beschrieben, als „der Einzige, der eine viertelstündige Rede über das Liebesleben der Maikäfer halten kann“, und so weiter.

Oft wissen Lojkas knapp 300 Facebook-Fans wohl nicht so recht, ob sie das Kurzangebundene und Kratzbürstige an ihm als liebenswerte Eigenart interpretieren sollen, oder ob er eben doch jener grummelige Professor ist, als der er ganz gerne auftritt. Wahrscheinlich weiß das in Wahrheit niemand, auch Lojkas Kollegen am Institut nicht.

Der Mann hat was drauf

Aber den Kommunikationswissenschafter und Mensch Lojka nach seiner manchmal etwas schroffen Art zu beurteilen, wäre zu kurz gegriffen. Denn erstens gibt es auch den freundlichen Lojka, der sich durchaus fürsorglich ums Fortkommen seiner Studenten kümmern kann. Und zweitens hat der Mann viel drauf.

Aber zuerst zum Thema Freundlichkeit, da existiert zum Beispiel folgende Geschichte: Eine Studentin der späten 1980er-Jahre hatte er zur Publizistik animiert und ihr gleich einen Nebenjob in der Institutsverwaltung verschafft. Dort verschüttete sie Orangensaft über ihre Tastatur. Panik, weil Computer-Keyboards damals kostbar waren, befand man sich doch erst im langsam auslaufenden Regnum der Kugelkopfschreibmaschinen.

Die junge Dame hielt die Tastatur am WC so lange unter den Heißlufttrockner, bis sie Falten warf. Ein echtes Drama – weil Manfred Bobrowsky, damals wie heute EDV-Chef am Institut, wie ein Cerberus über die teure IT-Ausstattung wachte. Lojka tauschte kurzerhand sein eigenes Keyboard mit dem der Studentin und gab das Missgeschick als seines aus. An ihre tiefe Erleichterung von damals erinnert sich die Magistra der Publizistik heute noch. Aus Dankbarkeit half sie seinerzeit sogar immer wieder einmal als Babysitterin für Lojkas vier kleine Kinder aus.

Andererseits gibt es aber auch kaum Studenten, die nicht von zum Teil tagelangem Warten auf Lojka zu berichten wissen, weil der sich um vereinbarte Termine manchmal eher nur kursorisch kümmert. Von kurz angebundenen Antworten und schnoddrigen Kommentaren ohne Ende, und von wenig serviceorientiertem Agieren. Nach welchen Kriterien Lojkas Umschalten zwischen friendly und grumpy funktioniert, weiß niemand. Es wird aber wohl so sein, dass Studenten sich seine Sympathie einfach erarbeiten müssen. Haben sie die einmal, flutscht dann alles easy.

Für die Kommunikationswissenschaft am Wiener Publizistik-Institut ist Lojka jedenfalls, Launigkeit hin oder her, ein zentrales Element. Womöglich ist er sogar der wichtigste Klebstoff, der informell die Abläufe zusammenhält. Lojka, seit über drei Jahrzehnten vor Ort, reifte unter den verschiedenen Institutsleitern von Wolfgang Langenbucher bis zum heutigen Chef Jörg Mattes quasi zum wichtigsten Möbel des Hauses. Er ist jener Faktor, der die reibefreudigen Zahnräder der Ministeriumsbürokratie, Ansprechpartner für publizistische Forscher nicht nur bei Personalfragen und Fördergeldern, mit seiner Zähigkeit und Hartnäckigkeit schmiert und damit zum Erfolg des Institutes einen nicht zu unterschätzenden Beitrag leistet.

Als Lojka ans Publizistik-Institut kam, okkupierte das noch ein einziges Stockwerk im Neuen Institutsgebäude der Uni, angesichts der unüberschaubaren Menge des jährlichen studentischen Neuzugangs eine lächerlich winzige Heimstätte. Nun residiert das Institut in einem siebenstöckigen, großzügigen Neubau in der Währinger Straße, mit ein Verdienst der Beharrlichkeit Lojkas.

Auch dass Publizisten noch mit dem Magisterium abschlossen, als fast alle anderen geisteswissenschaftlichen Studien dank Bologna-Reform nur mehr Master produzierten, ist hauptsächlich dem Geschick des Strippenziehers Lojka zu verdanken. Er, der schwerpunktmäßig in den Bereichen Public Relations, Politische Kommunikation, Wahlforschung, Journalismus und Methoden der Kommunikationswissenschaft arbeitet, ist am Institut als Checker im Verborgenen ein wichtiger Katalysator für den Erfolg.

Schlag in die Magengrube

Zwei echte Tiefpunkte musste Lojka in seiner beruflichen Karriere erleben, beide noch nicht lange her. Die erste war ein Schlag in die Magengrube – Lojkas kongenialer Partner am Institut, der Journalismus-Forscher Hannes Haas, verstarb im Frühjahr 2014 nach kurzer, schwerer Krankheit. Das Duo Haas-Lojka war eine gut geölte Wissenschaftsmaschine. Haas war mehr der Forscher, Lojka mehr der Organisator, und gemeinsam waren sie eine Macht. Wegbegleiter erzählen, dass der überraschende Tod von Haas Lojka eine Zeit lang viel von seiner Arbeitsfreude genommen hat.

Den zweiten Verlust musste er im vergangenen Oktober hinnehmen. Das Mitte der 1980er-Jahr unter Lojkas Regie dem Wissenschaftsministerium abgetrotzte neue PR-Studium – beim Start als „Hochschullehrgang für Öffentlichkeitsarbeit“ und zuletzt als Masterstudium „Public Communication“ firmierend – wurde eingestellt, mangels Interesse. An die tausend Absolventen hatten den viersemestrigen Lehrgang im Laufe der Jahrzehnte absolviert, doch vergangenen Sommer interessierten sich nur mehr ganze sieben Anfänger dafür.

Als der „Hochschullehrgang für Öffentlichkeitsarbeit“ erstmals an den Start ging, war er die erste viersemestrige berufsbegleitende Ausbildung, die das Publizistik-Institut anbot. Und das zu einer Zeit, in der Drittmittelfinanzierung – Public Relations Verband Austria, Industriellenvereinigung und die Privatwirtschaft zahlten mit – für Geisteswissenschaften noch als Fremdwort galt. Lojka hatte dem Institut mit dem Lehrgang neue Finanzierungsmöglichkeiten und auch neue inhaltliche Ausrichtungen eröffnet.

Mensch-Tier-Beziehung und Paddelboote

Beharrlichkeit ist wahrscheinlich Lojkas stärkste Waffe. Reden will er auch darüber nicht. „Will man etwas bewirken, bleibt man besser im Hintergrund“, sagt er. Einen Gesprächstermin für dieses Porträt ließ er sausen und am liebsten würde er wohl überhaupt nichts über sich in irgendeinem Medium lesen – durchaus kurios für einen, der Public Relations unterrichtet. In der Öffentlichkeit trat er vor einigen Jahren nur kurz auf, als er eine Zeit lang als Präsident des Wiener Football-Vereins Danube Dragons fungierte.

Lojka ist verheiratet, seine Kinder sind inzwischen erwachsen. Auch ungewöhnliche Zweitjobs gab es: Früher leitete er nebenher das „Institut zur Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung“, eine PR-Aktivität des Tiernahrungs-Herstellers Master Foods. Einmal betrieb der vielschichtige Lojka, der in Stockerau zu Hause ist, in den Donauauen um seinen Wohnort kurzfristig sogar einen Paddelboot-Verleih.

Was ist Lojka jetzt eher, der hintergründige Universitätsprofessor oder der Grumpy Man mit Kultpotenzial? Wen immer seiner Wegbegleiter durch die Jahre man fragt: Achselzucken. Sie wissen es einfach nicht. Also fragen wir am besten jene, die Lojka beruflich am direktesten erleben, seine aktuelle Studenten.

Bitten wir sie einfach um Vorschläge für einen Titel zu diesem Porträt, der den harten, zarten, grantigen, freundlichen, umtriebigen Lojka am besten beschreiben kann. „Rockin´ Lojka“, sagt eine Studentin wie aus der Pistole geschossen. Wahrscheinlich ist das tatsächlich der Schluss, der sich aus der Beschäftigung mit dem kontroversiellen Wiener Kommunikationswissenschafter ziehen lässt, auf die eine oder andere Weise: Klaus Lojka rockt.

[Klaus Puchleitner]
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