Im Portrait: Teddy Podgorski
 

Im Portrait: Teddy Podgorski

Teddy Podgorski
Während der Livesendung „XY … ungelöst“ aus dem Wiener Aufnahmestudio im Jahr 1970.
Während der Livesendung „XY … ungelöst“ aus dem Wiener Aufnahmestudio im Jahr 1970.

Parteilos und unerschrocken ging er beim ORF 45 Jahre lang durch alle Höhen und Tiefen, erfand Formate und ließ sich nie den Mund verbieten. Nun hat er endlich Zeit seine Geschichten zu erzählen.

Dass er in Wien ausgerechnet am Bacherplatz wohnt, ist kein Schmäh. Gerd Bacher, sein Antagonist im ORF, machte ihm zeitweilig das Leben nicht gerade einfach. Dabei war es privat recht lustig mit ihm, die beiden zogen oft nächtens durch die Stadt, aber wenn es um die Arbeit ging, war Bacher schwierig. Teddy Podgorskis Sager: „Die Bürger gehen ins Theater, die Hippies rauchen Joints“, den er als junger ORF-Redakteur bei einem Bericht über die Salzburger Festspiele live vor Ort in die Kamera sprach, veranlasste seinen Chef Bacher, ihn sofort vom Job zu suspendieren.

„Ich brauche keinen Bert Brecht im aktuellen Dienst“, polterte er. Sein Redakteur hatte, so meinte der Generaldirektor, wieder einmal gegen das Establishment geätzt. Podgorski rückt das Bild zurecht: „Zur gleichen Zeit war nämlich auch ein Hippie-Fest in Salzburg. Die saßen nackt an der Salzach und machten Musik, ein Ärgernis damals. Auch darüber berichtete ich, plauderte mit ihnen und ließ mir erklären, wie man einen Joint dreht. So entstand dieser vollkommen wertfreie Satz“, schmunzelt er.

Kein Blatt vor dem Mund

Auch bei Gerhard Freund, dem damaligen Fernsehdirektor im ORF, eckte Podgorski an. Er sollte in Teheran eine Vorschau filmen über Persien und Reza Pahlavis bevorstehenden Staatsbesuch in Wien. Podgorski erfuhr so einiges über das korrupte Land und die Machenschaften seines Herrschers. In der Livesendung, (Aufzeichnungen gab es immer noch nicht), nannte er das Kind beim Namen.

Die persische Botschaft erboste sich, der Schah blieb in Teheran und Podgorski war plötzlich Feindbild der Industriellenvereinigung. Persische Aufträge wurden storniert, der österreichischen Wirtschaft gingen Millionen (Schilling) durch die Lappen. „Ich muss Sie jetzt aussihaun, sonst hauns mi aussi“, soll Gerhard Freund gesagt haben. Podgorski übte sich im Verstehen dieser Logik und war mal wieder arbeitslos.

Die Gutruf-Partie

Damals, 1959 als „Schah-geschädigter“ Arbeitsloser kam er zum ersten Mal ins legendäre Lokal Gutruf. Helmut Qualtinger hatte ihn mitgenommen. „Im Hinterzimmer trafen sich noch Unbekannte wie Wotruba, HC Artmann oder Hundertwasser und skandierten über Gott und die Welt. „Man fand Selbstbestätigung und Wohlwollen. Ich war süchtig nach diesen Gesprächen“, erinnert sich Podgorski.

Er ist dem Gutruf bis heute treu geblieben, schaut zwei- bis dreimal in der Woche vorbei und trifft immer wieder alte Bekannte zum Tratschen. Hoffentlich kommt jetzt keiner, sage ich, als wir im Gutruf sitzen und er: „Den haumer aussi!“ Dem Bacher hat er es dann später vier Jahre lang gezeigt. 1986 hievte man den parteilosen Podgorski ins Amt des Generalintendanten.

Sein Freund, Kanzler Sinowatz, wollte es so. Bacher wollte Podgorski nicht, und Bacher musste gehen. Aber Podgorski wusste, Bacher würde vom ersten Tag an um seine Rückkehr kämpfen und es gelang, Bacher kam wieder ans Ruder. „Der ORF gehört der Republik, dass da politisch verhandelt werden muss, ist klar“, erklärt Podgorski und: „Gepackelt wird überall, damals wie heute. Sind wir doch ehrlich, das ist normal. Nur, dass sie es alle abstreiten, find ich deppert“, erklärt er seine Sicht der Dinge. 

So ein Theater

Wenn man ihn fragt, was ihm von all den Dingen, mit denen er sich beschäftigte, das Liebste war, muss er nicht lange überlegen: das Theater. Stücke inszenieren, schauen, wo und wie eine Pointe am besten kommt und auch selbst auf der Bühne spielen. Seine Schwester war Solotänzerin bei der Staatsoper, das prägt.

Heute wäre es ihm zu mühsam, zwei Stunden auf der Bühne zu stehen. „Ich spüre mich noch, weil mir alles wehtut“, lacht er sarkastisch. Was ist los mit dem Theater von heute, frage ich. „Das frag ich mich auch oft. Mein Blick darauf hat sich ziemlich verändert. Ich vermisse das Theater nicht und das Theater mich auch nicht. Es ist eine Institution, die sich selbst genügt“, grantelt er.

Und was das Fernsehen betrifft, fühlt er sich wie ein Fischer in einer ausgefischten Bucht. „Man fängt nur selten etwas und der gewaltige Beifang muss ja, wie wir wissen, zurück ins Wasser.“Es wird schwieriger, wenn man älter wird. Ja, man wird grantiger, kritischer. Die Schicksalsschläge sind immer im Hinterkopf, die verlassen einen nie. Vor zwei Jahren ist sein Sohn Niki gestorben, Krebs mit noch nicht einmal 50 Jahren.

Der zweite Sohn, ebenfalls Thaddäus, setzte früh den Familienhumor mit der Gründung des Vereins zur Erhaltung des Testbildes zu Anfang des WWW fort. Als freiberuflicher Regisseur arbeitete er bei ServusTV und produzierte ein Porträt beim ORF zum 80er des Vaters. Der steht um sieben Uhr auf, macht das Frühstück und überlegt, was er mittags kocht, danach richtet sich dann seine Einkaufsliste. Dann liest er alle Zeitungen, die ihm in die Hände kommen, manchmal sind auch Bücher dabei. Sein erstes Buch erschien 2010, Erzählungen.

„Am besten kann ich erzählen“, meint er. Nun tüftelt er am zweiten Buch. „Es werden wieder Geschichten sein. Ich habe noch nicht alles erzählt!“ Seine Frau Margit leidet an Parkinson. Vor kurzem hat sie sich das Becken gebrochen. Es ist nun wieder soweit alles okay, aber er muss jetzt noch mehr auf sie aufpassen, bei ihr sein. Das Frühjahr und den Herbst verbringen die beiden im Burgenland.

Dort wurde auch der 80er gefeiert mit alten Freunden und Sonnenuntergang am Neusiedlersee. Im Sommer sind sie in ihrem kleinen Häuschen am Mondsee und im Winter in der Kulturhauptstadt Wien, am Bacherplatz, eh klar. 
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