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IHS-Papier

Erheblicher Verbesserungsbedarf bei Wissenschaftsvermittlung

APA
Wachsender Einfluss der Wissenschaft zeigte sich in der Pandemie
Wachsender Einfluss der Wissenschaft zeigte sich in der Pandemie

"Erheblichen Verbesserungs- und Innovationsbedarf" in Sachen Wissenschaftskommunikation orten Experten in einem 'Policy Brief' des Instituts für Höhere Studien (IHS).

Um der in internationalen Vergleichsstudien augenfälligen Wissenschaftsskepsis zu begegnen, brauche es eine Problemdiagnose in einer österreichweiten Enquete, koordinierte Anstrengungen und letztlich einen "Neustart" für den vor allem im Zuge der Corona- und der Klimakrise stärker ins Zentrum gerückten Bereich. "Wissenschaft hat einen wachsenden Einfluss auf praktisch alle Bereiche der Gesellschaft und das Leben aller Menschen", betonen die Autoren des Berichts, die Wissenschaftsforscher Johannes Starkbaum und Thomas König vom IHS sowie der Wissenschaftshistoriker und Der Standard-Redakteur Klaus Taschwer.


Das hätten vor allem die vergangenen beiden Pandemiejahre eindrücklich gezeigt
Gleichzeitig offenbarte sich in den Ergebnissen internationaler Umfragen wie den regelmäßig durchgeführten, repräsentativen "Eurobarometerstudien" ein weitreichendes Misstrauen bzw. ein Mangel an Interesse und Wissen über die Wissenschaft. Auch die wiederkehrenden Befragungen im "Austrian Corona Panel" der Universität Wien ließen zuletzt tief in eine "grundlegende Skepsis gegenüber wissenschaftlichem Wissen und ihren Methoden" blicken, führen die Experten an.

Das Bemühen um die Vermittlung von Wissenschaft reiche zwar bis in die 1970er-Jahre zurück, der Erfolg erscheint aber spätestens im Jahr 2022 mehr als fraglich. Für eine Wissensgesellschaft wie Österreich bringe dies eine Reihe von Problemen mit sich, wenn es etwa darum geht, die hierzulande im Vergleich recht hohen Forschungs- und Entwicklungsausgaben (F&E-Ausgaben) zu legitimieren, junge Menschen für den Bereich zu begeistern oder gesellschaftliche Debatten zu führen. Als ein Vehikel zur Verbesserung im Bereich der Wissenschaftskommunikation wurde zuletzt vielfach darauf hingewiesen, dass es heutzutage auch darum geht, den Prozess der Wissensgewinnung und Fehlschläge darzustellen und dies nachvollziehbar, wenn nicht sogar durch direkte Teilhabe miterlebbar zu machen. Dafür plädierte kürzlich die Wissenschaftsforscherin Helga Nowotny.

Initiativen zur Wissenschaftskommunikation in all ihren Spielarten - vom Wissenschaftsjournalismus über Schulprogramme bis zu der Wissenschaftskabarettgruppe "Science Busters" - präsentieren sich hierzulande meist kleinteilig und ohne Gesamtstrategie und Koordination, bemängeln die Autoren der IHS-Analyse. Wie man es besser machen kann, zeige Portugal vor: Im einst ähnlich wissenschaftsskeptischen Land habe sich durch eine nachhaltige Strategie mit 20 Wissenschaftsvermittlungsstätten (Science Center) im ganzen Land die Stimmung gedreht. Im ebenso recht skeptischen Deutschland beobachte man in den vergangenen Jahren ebenfalls breitere Initiativen.

Hierzulande würden weiter Anreize für Forscher fehlen, sich in dem Bereich zu stärker engagieren. Das gelte ebenso für einschlägige Weiterbildungsangebote oder die Verankerung des Themas in Studienplänen. Aber auch dem Wissenschaftsjournalismus konstatiert man Defizite. Hier wandern Journalisten seit längerem in Richtung PR ab, während Wissenschaftsredaktionen vielerorts schrumpfen. Für die Idee, das Vorhandensein einer Wissenschaftsredaktion mit angestellten Fachredakteuren zum Förderkriterium für die Presseförderung zu machen, setzt sich daher der Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten seit Jahren ein. In den Bereich fällt auch der Autoren-Appell zu einer "Wissenschaftskommunikationsoffensive in öffentlichen Medien mit Bildungsauftrag" wie den Hauptprogrammen des ORF-Fernsehens.

Kurzum brauche es einen "Neustart der Wissenschaftskommunikation" und mehr Augenmerk seitens der Forschungs- und Innovationspolitik auf das Thema, heißt es in dem Papier. Dazu sei eine groß angelegte Kampagne unter einer gemeinsamen Dachmarke anzudenken. Es brauche eine "österreichweite Enquete", in deren Rahmen möglichst alle Beteiligten die Situation analysieren und Schritte in Richtung Zukunft abstimmen. Ebenso bräuchte es eine bundesweite Erhebung und Evaluierung der bisherigen Maßnahmen und eine "gut ausgestattete Koordinationsstelle".

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