Identität braucht Inhalte
 

Identität braucht Inhalte

Unter der Moderation von Rudi Klausnitzer diskutierte das Podium in Saal 1 über die Herausforderungen für eine eigenständige österreichische Medieninfrastruktur, um gegen globale Internetriesen bestehen zu können. Peter Lammerhuber eröffnete das Gespräch mit einem Impulsreferat

Zur Eröffnung der Podiumsdiskussion wurde Group M-Chef Peter Lammerhuber geladen, der die Medienpolitik über die vergangenen drei Jahrzehnte beobachtet hat und der Ansicht ist, dass nur ein eigenständiger Medienmarkt den Agenturen die notwendigen Rahmenbedingungen bietet. Denn: Ohne Medien keine (Media-)Agenturen. Medien sind, so Lammerhuber in seinem Opening, Bestandteil einer demokratischen Kultur – es überrascht daher, dass das österreichische Regierungsprogramm der Medienpolitik nur knapp eine von 124 Seiten einräumt.

Zur Sprache brachte er außerdem die permanent wachsende Bedeutung von Big Playern wie Google, Facebook und Co., den ständigen Vormarsch von mobilen Endgeräten, die damit einhergehenden Auswirkungen auf die Werbeindustrie und ob dass, so meint er, eine "Abschaffung der Werbeabgabe nicht realistisch ist."

Im Anschluss diskutierten am Podium unter der Moderation von Rudi Klausnitzer, dmc Group:

  • Sabine Herlitschka, Vorstandsvorsitzende der Infineon Technologies Austria
  • Thomas Kralinger, Präsident des Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) und Geschäftsführer von „Kurier“ und Mediaprint
  • Markus Mair, Vorstandsvorsitzender der Styria Media Group
  • Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien
  • Alexander Wrabetz, Generaldirektor des ORF
  • Hans Mahr, Inhaber von Mahr Media  
  • Bundesminister Josef Ostermayer konnte leider nicht anwesend sein


Einige der wichtigsten Statements der Podiumsgäste im Überblick:

Thomas Kralinger, Präsident des Verbandes Österreichischer Zeitungen (VÖZ) und Geschäftsführer von „Kurier“ und Mediaprint

„Der Dialog und Konsens, den es jahrelang gegeben hat, ist in der Krise.“

„Die Politik hat die Geschwindigkeit der digitalen Entwicklung in den letzten Jahren nicht realisiert, weil es in der Regierung nur wenige gibt, die Verständnis für die Auswirkungen auf die Medien haben haben – die Frustration auf der Medienseite war somit natürlich groß.“

„Wir als VÖZ haben der Politik immer wieder die Hand gereicht und ich hätte gern, dass man sie ergreift.“

„Die Rundfunkgebühr für fremde Dinge zu verwenden, sollte den ORF nicht wundern, denn auch der ORF verwendet die Gebühr für viele Dinge, die nicht dem Auftrag des ORF entsprechen.“

Markus Mair, Vorstandsvorsitzender der Styria Media Group

„Wir stehen nicht auf der Agenda der Politik, sondern stehen auf der Liste für Allfälliges oder Abfälliges.“

„Wenn Sie das politische Geschehen heute beobachten, dann ist es bei größter Kreativität schwierig, darüber etwas Positives zu schreiben.“

„Die Veränderung im Produktportfolio von Medienhäusern bedeutet, dass man auch andere Kompetenzen aufbauen muss. Entwickler, Hersteller von Applikationen müssen im eigenen Haus sitzen.“

Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien

„Die Medien sind ein Grundpfeiler der Demokratie.“

„Ich bin nicht, wie Herr Lammerhuber, dafür, dass man die Werbeabgabe umdefiniert, sondern dass man sie entfernt.“

„Ich glaube, die Mehrheit der Medienunternehmen ist im KMU-Bereich angesiedelt. Unsere Aufgabe ist die Gestaltung der Rahmenbedingungen.“

„Sie wissen, dass man als junges Start-Up keinen Cent von der Bank bekommt.“

Alexander Wrabetz, Generaldirektor des ORF

„Die Medien sind momentan so stark im Umbruch, dass die Medienpolitik nicht mithalten kann – das ist das größte Problem.“

„Wir sind eine der wichtigsten Industrien für die Zukunft eines Landes, daher verdienen wir auch Information und Befassung.“

„Es sind meine 16. Medientage, Klausnitzer moderiert, Hans Mahr fordert mehr Selbstbewusstsein und alle wünschen sich die Abschaffung der Werbeabgabe.“

Hans Mahr, Mahr Media:

„Ich war von Anfang an bei den Medientagen dabei und wir haben jedes Jahr dieselbe Diskussion über Medien und Politik. Wir, die Medien, sollten uns einmal etwas Neues einfallen lassen – ein bisschen weniger klagen und ein bisschen mehr machen wäre es.“

„Gerade in der digitalen Entwicklung ist die Kleinheit des Marktes nicht mehr so hinderlich. Man kann hier weit mehr machen, als wir tun.“

„Ich liebe die österreichische Identität, aber ein Geschäft ist sie nicht.“

Sabine Herlitschka, Vorstandsvorsitzende von Infineon Technologies Austria

„Wir begreifen den internationalen Wettbewerb als Chance und fürchten und nicht davor. Wir haben unser Headquarter in Villach – hätten wir uns immer nur gefürchtet, dann hätte sich unser Standort nicht zu dem entwickelt, was er heute ist.“

„Die Frage ist: was will man an Datenschutz? Technisch gesehen ist viel möglich. Aber es braucht auch viel Bewusstsein im eigenen Umgang mit den Daten.“
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