Ich bin ein Gefährder. Was tun mit mir?
 

Ich bin ein Gefährder. Was tun mit mir?

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Jenseits des HORIZONT.

Ein unheimlicher Begriff kursiert seit Kurzem in den Behörden, Medien und der Politik: „Gefährder“. Das sind offensichtlich Menschen mit terroristischem oder terroraffinem Hintergrund, deren Ziel es sei, das herrschende System zu destabilisieren. Potenzielle Attentäter also. Gegen die soll etwas unternommen werden: Fußfessel, Schubhaft, Abschiebung, vorbeugendes Gefängnis oder sonst irgendwas.

Gefährder sind demnach alle, die die herrschende Ordnunginfrage stellen. Jeder Künstler war und ist Gefährder, wenn er Vorhandenes ablehnt oder radikal Neues schaffen will. Von Michelangelo bis Duchamp. Von Leonardo bis Richter. Jeder Schriftsteller, der Sprache störte und zerstörte: von Joyce bis Jandl.

Und wohl auch jeder Journalist, der Klandestines, Systemimmanentesund Gesetzwidrigkeiten aufdeckt.Alle sind sie Gefährder. Offensichtlich sollen ihnen allen Fußfesselnangelegt werden. Unter dem Applaus der Massen. Vorgeführt als Gefährder – oder Volksverräter, wie das Unwort des Jahres in Deutschland heißt.Wo sind wir angekommen?

Jeder kann ein Gefährder sein und jeder ist gefährdet. In einem Klima, in dem lediglich nur noch Misstrauen herrscht.Alles ruft nach mehr Schutz, nach mehr Polizei, nach mehr Überwachung und nach mehr Prävention. Als ob man Terrorakte,zumeist professionell geplant, generell verhindern könnte. Weltweit werden wieder Mauern und Zäune errichtet und nur wenige empfinden etwas dabei.

Die Gefährder sind da. Hunderte Gefährder in der U-Bahn, in der Straßenbahn, auf öffentlichen Plätzen, auch in den Shopping-Malls oder auf Fußballplätzen.Scheinbar bereitwillig lassen sich Menschen perlustrieren, als ob sie sich der eigenen Ungefährlichkeit versichern möchten.Es häufen sich Meldungen über Verdächtige, noch bevor sie etwas getan haben. Jeder zweite Terroranschlagwird im Vorfeld verhindert, heißt es.

Wie will man das beweisen? Verdacht schürt Angst, Misstrauen, macht gewaltbereit.Vielleicht sollte mehr über das Wort „Gefährder“ geschrieben werden – aufklärend. Eben durch diejenigen Medien, die so gerne über Gewalttaten in dem Sinne korrekte, scheinbare Berichterstattung sichern.Gefährder sind diejenigen, die infragestellen und radikal Neues schaffen wollen. Die will man nicht. Besser gesagt: Regime und autoritäre Systemewollen das nicht.
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