Honorardebatte statt Public Value-Lob
 

Honorardebatte statt Public Value-Lob

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ORF-Freie können sich Arbeit oft "nicht mehr leisten" - Wrabetz räumt Probleme in Teilbereichen ein - Bericht präsentiert

Eigentlich wollte der ORF seinen neuen Public Value-Bericht präsentieren und die Erfüllung seiner öffentlich-rechtlichen Aufgaben einmal mehr herausstreichen. Die Präsentation im ORF-Zentrum am frühen Dienstagabend entwickelte sich allerdings zu einer Diskussion über Qualität und ökonomische Zwänge. Viele der versammelten ORF-Journalisten, die im Vorjahr mit renommierten Medienpreisen ausgezeichnet wurden, ließen ihrem Unmut über die Situation der freien Mitarbeiter und vor allem über den Honorarkatalog des ORF freien Lauf. Qualität kostet Geld und das muss man bereit sein, zu investieren, lautete der Tenor, der ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz entgegen schlug.

Viele jener Preisträger, die für die Qualität des ORF verantwortlich zeichnen und dies anhand zahlreicher Journalistenpreise dokumentieren können, betonten, sie könnten künftig kaum mehr Beiträge für den ORF liefern, da sie von den Honoraren nicht leben können. Was man etwa für einen Radiobeitrag im ORF bezahlt bekomme, sei "ein Witz", hieß es. Einige der Ausgezeichneten berichteten, sie würden "mehr von den Preisgeldern als von den Honoraren leben". Gefordert wurde daher eine hundertprozentige Erhöhung der Honorare. Mehrfach war zu hören, man könne sich die Arbeit schlicht nicht mehr leisten.

Eine hundertprozentige Erhöhung schloss Wrabetz pauschal allerdings aus, auch wenn er betonte, dass es in bestimmten Bereichen Probleme gebe. "Das ist ein ernstzunehmendes Thema, wo wir etwas tun müssen", wobei man aber sicher nicht alle Erwartungen erfüllen könne. Immerhin seien nun - nach einer Unterbrechung - die Gespräche mit dem Betriebsrat über die Neuaufstellung des Honorarkatalogs wieder aufgenommen worden, "und ich glaube, dass wir hier zu Verbesserungen kommen können".

Grundsätzlich verwies Wrabetz allerdings auf die wirtschaftlich schwierigen Zeiten und argumentierte einmal mehr damit, dass dem ORF heute deshalb weniger Geld als früher zur Verfügung steht, weil durch die Marktliberalisierung und die ausländischen Werbefenster "grosso modo 250 Millionen Euro nach Deutschland abgeliefert werden". Obwohl der ORF weniger Geld habe, versuche er aber, den Leistungsumfang nicht nur aufrechtzuerhalten, sondern sogar auszubauen. "Alle Leistungen, die wir bieten, sind wichtig für die Erfüllung des Gesamtauftrages", so Wrabetz. Von einzelnen Posten daher Geld abzuziehen, um es in andere Bereiche, wie die Honorare für Freie Mitarbeiter, umzuschichten, ist für Wrabetz keine pauschale Möglichkeit.

Auf 190 Seiten hat der ORF auch heuer wieder dokumentiert, in welchem Umfang und in welcher Qualität er den öffentlich-rechtlichen Auftrag erfüllt. Unter dem Titel "Warum Qualität zählt" wird hier die umfangreiche Programmleistung des ORF in Fernsehen, Radio und Online dargestellt.

"Es ist notwendig, über Qualität zu sprechen", sagte Wrabetz vor den versammelten ORF-Preisträgern des vergangenen Jahres. "Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass Qualität da ist, und auch nicht, dass sie wahrgenommen wird", umso wichtiger sei es, auf die Qualität, die der ORF produziert, hinzuweisen. Zeichen der Qualität sei die Anerkennung des Publikums - immerhin seien ja die ORF-Medien sowohl im Bereich TV, als auch im Radio und online Marktführer. Außerdem werde die Qualität auch von externen Experten bestätigt durch die zahlreichen Auszeichnungen, die der ORF jährlich verliehen bekommt. Im Vorjahr gingen 77 Preise an ORF-Mitarbeiter.

Diese Mitarbeiter kommen denn auch im Public-Value-Bericht zu Wort, liefern dort Einblicke in den Programmalltag des öffentlich-rechtlichen Senders und skizzieren ihre Auffassung von Qualität und öffentlich-rechtlichem Auftrag. "Dieser Bericht ist kein Feigenblatt, sondern ein Aufzeigen, wie wir unsere Arbeit verstehen", sagte Public-Value-Beauftragter Klaus Unterberger. Unterteilt ist der Public-Value-Bericht wieder in die fünf Kapitel "Individueller Wert", "Gesellschaftswert", "Österreichwert", "Internationaler Wert" und "Unternehmenswert". Insgesamt haben 130 ORF-Mitarbeiter an seiner Erstellung mitgewirkt und Zahlen, Daten und Fakten zum Thema ORF geliefert. "Wir hoffen, das dies auch als Argumentationsmaterial dienen wird, um der Bevölkerung klar zu machen, wofür sie Gebühren zahlt."

(APA/red)
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