Helmut Hanusch: ‚Können neu Fuß fassen‘
 

Helmut Hanusch: ‚Können neu Fuß fassen‘

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MA-Präsident Helmut Hanusch sieht Online bei Geschwindigkeit und Reaktionszeit im Vorteil, Print könne jetzt aber mit Qualität verstärkt punkten.
MA-Präsident Helmut Hanusch sieht Online bei Geschwindigkeit und Reaktionszeit im Vorteil, Print könne jetzt aber mit Qualität verstärkt punkten.

Helmut Hanusch, Präsident der Media-Analyse, sieht nach Datenskandal und Fake- News-Debatte einen kritischeren Umgang mit dem Internet und so eine neue Chance für Print. Kritik an Erhebung und Erscheinungsweise kann er nicht nachvollziehen.

Dieses Interview ist zuerst in Ausgabe Nr. 15/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Horizont: Wie ist Ihre Interpretation der aktuellen MA-Daten?

Helmut Hanusch: Zeigt sich der Magazin-Sektor insgesamt betrachtet sehr stabil, so erleben wir nun schon seit einiger Zeit signifikante Reichweitenrückgänge bei der Nettoreichweite Tageszeitungen. Hier wiederum erkennen wir zwei Gruppen: Während nationale Boulevardzeitungen Reichweiteneinbußen hinnehmen müssen, halten die Bundesländertageszeitungen weitgehend ihr Niveau. Ebenfalls schon seit geraumer Zeit stabil sind die Reichweiten der regionalen Wochenzeitungen. Man könnte demnach davon ausgehen, dass die Nähe zum Respondenten in der Berichterstattung weiterhin sehr gut angenommen wird.

Welche Entwicklungen können Sie sonst noch ablesen?

Umgekehrt muss man sich vor Augen halten, dass das Internet natürlich vor allem hinsichtlich der immens raschen Reaktion auf aktuelle Ereignisse einen Vorteil gegenüber Print hat und somit ein Einfluss auf das Lesen von Zeitungen gegeben ist. Seit dem Jahr 2002 ist die Internetnutzung von 23 Prozent auf 78,8 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum ist die Nettoreichweite Tageszeitungen „nur“ um 12,5 Prozent auf 64,6 Prozent gesunken, was bedeutet, dass hier keine Substitution stattfindet. Aber natürlich verliert Print Nutzungszeit, auch zunehmend verstärkt durch den Gebrauch von Smartphones. Um dieser Entwicklung zu entsprechen, setzen Verlage verstärkt auf die Positionierung ihrer Gesamtmarke, indem auf unterschiedlichen Kanälen Inhalte transportiert werden.

Welche Auswirkungen haben „Fake News“ und Datenskandale?

Wir gehen davon aus, dass der Umgang mit sozialen Medien, aber auch mit dem Internet generell etwas „vorsichtiger“ wird und die Glaubwürdigkeit abnimmt. In dieser Situation können Printmedien mit ihrem Qualitätsjournalismus neu Fuß fassen.

Immer wieder gibt es Kritik an der MA wegen möglicher Unschärfen: Teilnehmer würden Medien, die sie online gelesen haben, mit den dazugehörigen Printversionen vermischen. Was können Sie solchen Aussagen entgegnen?

Hierzu muss man ganz klar sagen, dass die MA alles unternimmt, um deutlich zu machen, worum es in der Befragung geht. Wir erklären einleitend, dass es um das Lesen von Zeitungen, Zeitschriften, Illustrierten und Magazinen geht und dass wir unter Lesen auch verstehen, wenn der Befragte den Titel nur in der Hand gehabt hat, um darin zu blättern oder auch nur flüchtig darin zu lesen. Wir weisen also mit der Begrifflichkeit auf die Haptik des Printproduktes hin. Der Respondent wird in der Befragung durch die Vorlage von Titelkarten unterstützt. Und bei der „Reichweitenfrage“ gibt es vier Antwortoptionen und nur eine davon – das Lesen im Erscheinungsintervall – trägt zur Reichweite bei. Der Respondent wird in jeder Hinsicht deutlich auf den Gegenstand der Befragung hingewiesen.

Aus Deutschland hört man oft, Reichweiten-Analysen wie Media- Analyse oder IVW würden zu häufig erscheinen. Können Sie das nachvollziehen?

Nein, das kann ich nicht nachvollziehen und wir vernehmen in Österreich auch keine entsprechende Kritik. Bei der MA war es eine dringende Forderung der Agenturen, neben der Kalenderjahres-MA auch im Herbst einen rollierenden Datenbestand zu veröffentlichen, um zur Zeit der Hauptplanungsphase aktuelle Daten nutzen zu können.

Welche Wege sehen Sie, um die MA weiter als harte Währung unter den Erhebungen zu positionieren?

Die MA hat sich im Laufe ihres mehr als 50-jährigen Bestehens immer weiterentwickelt – hat Marktveränderungen und neue methodische Möglichkeiten berücksichtigt, um als harte Währung dem Markt valide Daten zur Verfügung zu stellen. Wir gedenken, diesen Weg weiter zu gehen.

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