Heimischer Film stärkt ORF
 

Heimischer Film stärkt ORF

Editorial von Birgit Schaller, stellvertretende Chefredakteurin (HORIZONT 11/2015)

Österreich hat eine sehr lebhafte Filmkultur mit viel kreativer Kraft und ­begabtem Nachwuchs. Heimische Filme und Serien von Sabine Derflinger, David Schalko oder Andreas Prochaska bringen höchste Einschaltquoten, dreimal höher als zugekaufte Produktionen – siehe „Vorstadtweiber“, „Tatort“ oder „Braunschlag“. Die neue Schalko-Serie „Altes Geld“ hat in Kürze Premiere beim ORF-Streaming-Anbieter Flimmit.

Trotz zunehmender Erfolge gingen jedoch die Auftragsproduktionen in den letzten Jahren zurück, insbesondere im dokumentarischen Bereich und beim Fernsehfilm. Der größte Auftraggeber muss sparen. Die ORF-Gebührenrefundierung, immerhin zuletzt 30 Millionen Euro, wurde von der Politik ausgesetzt, ein neues Headquarter will finanziert sein und die Zeiten sind wirtschaftlich herausfordernd, massentaugliche Sportrechte werden auch nicht günstiger. All das geht oft zulasten der Filmbranche. Film ist ein kapitalintensives Geschäft, schließlich kostet eine gute Produktion überall gleich viel – sei es in Österreich oder in Deutschland, wo es fünfmal so hohe Fördersummen wie hierzulande gibt und deutlich mehr Sender in das Business einzahlen. Prekäre Verhältnisse und bedrohte Jobs sind die traurigen Aussichten hier. Schwer haben es oft weniger bekannte Künstler und jene, die sich durch inhaltliches Engagement und Risiko­bereitschaft auszeichnen. Dabei ist eine lebendige Filmszene ein wichtiges Kulturgut. Aus all diesen Gründen fordern die Verbände der Filmemacher mehr Unabhängigkeit mittels gesetzlich verankerter Mittelzuwendungen: 20 Prozent des Fernsehgebührenaufkommens sollen an unabhängige Produktionen gehen. Das sind etwa 120 Millionen Euro im Jahr.

Nun ist seriöses Film- und Fernseh-Schaffen ohne den ORF als Partner nicht möglich. Der fühlt sich durch die Forderungen kompromittiert. Das Gutachten der Filmschaffenden trifft auf ein Gegengutachten des ORF. Kein kluger Schachzug der Filmwirtschaft, hier alleine vorzupreschen. Wo denn auch an den wahren Schalthebeln die Politik sitzt, die immer wieder Österreichs öffentlich-rechtliches Medienhaus am Gängelband führt – mitunter auf Kosten der österreichischen Kunst- und Kulturszene. Den ORF ins Boot zu holen, an einem Tisch Lösungen zu diskutieren, wäre die bessere Variante. Leicht wird es aber freilich nicht.
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