Hans-Jörgen Manstein fordert medienfreundlich...
 

Hans-Jörgen Manstein fordert medienfreundlichere Rahmenbedingungen

Der Gründer des Manstein Verlags eröffnet die Medientage mit Lob und Tadel für die Bundesregierung – die Eröffnungsrede im Wortlaut!

Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich begrüße Sie heute mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Mit einem weinenden deshalb, weil es - und das scheint bei der seit dem Jahr 2000 im Amt befindlichen Bundesregierung bereits Tradition zu haben - auch heuer der Bundeskanzler der Republik Österreich es nicht der Mühe wert gefunden hat, diese Veranstaltung, die mittlerweile zu einer Institution in der medienpolitischen Auseinandersetzung Österreichs geworden ist, zu besuchen.

Langjährige Besucher der Medientage - und wenn ich mich umsehe, so sehe ich derer etliche - werden wissen, dass das nicht immer so war. Aber ich wundere mich eigentlich nicht darüber. Entspricht doch die Abwesenheit des Regierungschefs etwa dem Stellenwert, den er den Medien in Österreich offensichtlich gibt. Aufmerksame Beobachter könnten durchaus von einer Barriere sprechen, die der große „Schweigekanzler“ zwischen sich selber und der Kommunikationswirtschaft errichtet - und das schon seit vielen Jahren.

Ich meine, das ist schade und eine vergebene Chance, daher mein weinendes Auge.

Auf der anderen Seite – und das macht das Verhalten des Herrn Bundeskanzler nur noch unverständlicher – gibt es auch einiges Positives von der Arbeit des Kabinetts Schüssel 2 zu berichten. Deshalb begrüße ich Sie auch mit einem lachenden Auge.

Was meine ich mit positiver Regierungsarbeit?

Nun, zunächst einmal wurde ein neues Mediengesetz geschaffen, das vor allem im Bereich Privatradio und Privatfernsehen sich am Vorbild der Europäischen Union orientiert. Es war schon höchste Zeit, dass dieses Gesetz geschaffen wurde, daher kann man es als positive Leistung der Bundesregierung hervorheben.

Dann erlebten wir die Etablierung der Medienbehörde KommAustria. Manche mögen einwenden, dass es sich dabei um ein weisungsgebundenes Instrumentarium des Bundeskanzleramtes handelt. Ich aber sage, mag sein, dass sie weisungsgebunden ist, aber immerhin hat es diese Bundesregierung geschafft, diese Behörde mit Aufsichtsrecht ins Leben zu rufen. Und das ist unumstritten eine erwähnenswerte Leistung des Kabinetts Schüssel.

Dass daneben die Rahmenbedingungen für die Medien nicht immer günstig sind, steht auf einem anderen Blatt. Aber – und auch das muss einmal gesagt werden - in vielen Bereichen sind die Medien selber an ihrer Misere schuld.

Es ist ja nicht so, das in diesem Land die Zensur herrschen würde. Was wir schmerzlich vermissen, ist ein gewisses Maß an gesundem Menschenverstand. Wer zwingt denn die Medien zu schweigen, wenn (wie bei den obskuren Verrenkungen um die österreichische Stromlösung mehrmals passiert) die Regierung - und auch diverse Verantwortliche in den Landesregierungen - sich offen zum Gesetzesbruch bekennen?

Wer hindert die Medienvertreter etwa, den zuständigen Wirtschaftsminister Bartenstein zu fragen, ob das österreichische Aktiengesetz für ihn nur ein imposantes Buch ist, das man in der Buchhandlung Manz kaufen kann? Wer?

Antwort: Niemand, außer Sie selber - und dieses Beispiel ist nur ein winziges pars pro toto.

Liebdienereien, meine Damen und Herren, vorauseilender Gehorsam und schlichte Unwissenheit sollten in einer offenen Mediengesellschaft des 21. Jahrhunderts wirklich keinen Platz haben. Die Zensur eines Metternichs und seiner späteren schrecklichen Epigonen gehört auf den Müllplatz der Geschichte. Das müssen sich vor allem die Medienvertreter ins Stammbuch schreiben lassen.

Und weil wir gerade dabei sind, sehr geehrte Damen und Herren, auch die Werbeagenturen haben keinen Grund sich selbstgerecht zurückzulehnen. Eine Sache ist es, stets Neues zu fordern, stets die mangelnde Innovationsbereitschaft der Medien zu kritisieren. Dabei sei die Klage um mangelnde Erneuerungsbereitschaft im Internetbereich nur als Beispiel für einen ganzen Fragenkatalog angeführt.

Aber wer, so frage ich Sie, liebe Freunde aus der Agenturszene, wer soll denn innovativ sein, wenn er im vorhinein weiß, dass er von Ihnen im Stich gelassen wird? Die Beispiele sind unzählige; selbst wenn es um die Bewerbung von Internet-Inhalten geht, ziehen Sie sich, meine Damen und Herren von den Werbeagenturen, allzu oft auf den klassischen Weg zurück. Es mag sein, das dies durchaus nicht nur, aber doch auch eine Generationsfrage ist. Aber wie sollen sich denn die Medien auf neue Projekte einlassen, wenn sie argwöhnen müssen, aufgrund der mangelnden Unterstützung, des mangelnden Vertrauens beim Konkursrichter landen zu müssen?

Gestatten Sie daher, dass ich hier eine Forderung aufstelle. Unterlegen Sie Ihre Wünsche nach Innovation durch Handlungen des Vertrauens in eben diese Innovationen.

Womit ich den Kreis schließen möchte, indem ich mich nochmals mit der Politik unseres Landes beschäftige.

Ich glaube, dass sich die Kommunikationswirtschaft eine Aufwertung innerhalb der Regierung verdient. Es ist politisch einfach nicht hinzunehmen, dass Medien und Werbung weiterhin als Anhängsel von Kunst und Kultur geführt werden.

Was ich meine ist dies: es kann nicht angehen, dass ein Wirtschaftszweig, der jährlich Millionen von Euro zur Volkswirtschaft beiträgt, als Regierungsappendix zu Festspielen, Bundestheater, Sommerbühnen und Ordensverleihungen aller Art behandeln lassen und daher auch fühlen muss.

Ich glaube daher, dass es an der Zeit ist, den Medien, der Werbung, der gesamten Kommunikationswirtschaft jenen Stellenwert zu geben, der ihr schon lange zusteht. Um das zu erreichen, ist es hoch an der Zeit ein eigenes Medien-Staatssekretariat zu schaffen, indem man diese Branche aus dem Bereich Kunst und Kultur herauslöst. Mit einem Staatssekretär oder einer Staatssekretärin, der oder die fachkundig ist und im Idealfall aus der Medien- oder Werbelandschaft kommt. Das, sehr geehrte Damen und Herren, sollten wir uns als Ziel vornehmen. Es ist hoch an der Zeit, dass unsere Branche den Platz, die notwendige Anerkennung bekommt, die ihr auf Grund ihres Beitrages zur Volkswirtschaft schon lange zusteht.

In diesem Sinn möchte ich die Medientage eröffnen.

(hjm)

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