Halbes Jahrhundert: 'profil' wird 50: Digital...
 
Halbes Jahrhundert

'profil' wird 50: Digitalstrategien und Bezahlschranke

Profil
"Wir versuchen da möglichst wenig retrospektiv zu sein und unsere große Vergangenheit zu feiern, sondern in die Zukunft zu schauen", kündigt Profil-Herausgeber und -Chefredakteur Christian Rainer die Jubiläumsausgabe an.
"Wir versuchen da möglichst wenig retrospektiv zu sein und unsere große Vergangenheit zu feiern, sondern in die Zukunft zu schauen", kündigt Profil-Herausgeber und -Chefredakteur Christian Rainer die Jubiläumsausgabe an.

Das "profil" feiert Geburtstag: Am 7. September wird das Nachrichtenmagazin 50 Jahre alt. Herausgeber und Chefredakteur Christian Rainer sieht Aufholbedarf im digitalen Bereich, will die oft angekündigte Bezahlschranke nun umsetzen und ist froh, beim "Kurier" einen "sicheren Hafen" gefunden zu haben.

Rainer selbst will dem "profil" erhalten bleiben: "Mein Plan ist nicht, in Altersteilzeit zu gehen." Das "profil" hat bewegte Monate hinter sich. Im vergangenen Jahr vollzog das Magazin einen Eigentümerwechsel, damit verbunden einen Umzug und war wie die anderen Medien mit den Auswirkungen der Coronakrise konfrontiert. Die geplanten Feierlichkeiten mussten wegen der Pandemie auf nächstes Jahr verschoben werden, begangen wird der Geburtstag dennoch: Am 13. September erscheint eine Jubiläumsausgabe.


Seit 2019 ist "profil" wieder vollständig im "Kurier"-Verlag beheimatet. Im heurigen März zog die "profil"-Redaktion ins "Kurier"-Gebäude in Wien-Heiligenstadt. "In turbulenten Zeiten - zum einen die aufgepeitschte See, durch die wir wegen Corona navigieren, zum anderen die insgesamt turbulenten Zeiten für die Medien - ist es wichtig, einen sicheren Hafen zu haben", betonte Rainer im APA-Interview. "Es ist sehr gut für uns, dass wir hier im großen Verlagshaus vor Anker gegangen sind."

Was die Berichterstattung und die Themenschwerpunkte betrifft, habe der Wechsel keine Bedeutung. "Nicht nur deshalb, weil die 'profil'-Redaktion ja auch bisher schon zum 'Kurier' gehört hat, sondern auch, weil sich weder dort noch hier jemand direkt in die Berichterstattung einmischen würde." Einen großen Unterschied mache es dagegen in der digitalen Welt. "Hier sind die Möglichkeiten ganz andere."

Auf diesen Bereich soll künftig ein Schwerpunkt gelegt werden. Technisch sei man bereits in den vergangenen Monaten nach dem Umzug auf ein neues System umgestiegen. "Aber inhaltlich herrscht Aufholbedarf", räumte er ein. "Wir werden sicherlich kein Nachrichtenportal sein, wie es zum Beispiel 'Spiegel online' ist. Das heißt, im Endausbau wird entweder die Papierform der verlängerte Arm von 'profil.at' sein oder umgekehrt oder aber beides zugleich. Es soll und wird eine Verbreiterung und Ergänzung in beide Richtungen sein. Auch zeitnah mit Breaking News, wenn es sein muss, aber der Fokus ist sicherlich nicht dort."

'Arbeiten heftig daran'

Kommen soll nun auch die regelmäßig angekündigte Online-Bezahlschranke. "Der Plan, das im Herbst zu realisieren, wird sich durch die Corona-bedingten Verzögerungen vermutlich nicht ausgehen. Aber wir arbeiten heftig daran", sagte Rainer. Mit der vollständigen Rückkehr zum "Kurier"-Verlag wurde auch die Schaffung von "profil-TV" angekündigt. Seit einigen Monaten gibt die "profil"-Redaktion in einer wöchentlichen "Schau TV"-Sendung, dem "profil-Talk", eine Vorschau auf das aktuelle Heft. "Das ist wenig und das ist kein 'profil TV'. Wie sehr aus den Videos, die wir ohnehin produzieren, ein 'profil TV' entstehen wird, kann ich heute nicht sagen. Es steht nicht ganz oben auf der Prioritätenliste."

Laut der letzten Auflagenkontrolle verkaufte das "profil" im ersten Halbjahr 2020 44.671 Stück pro Ausgabe, ein Rückgang um 8.951. Auch der E-Paper-Verkauf sank (um 1.796 auf 12.680). "Was richtig funktioniert, anders als die ÖAK gezeigt hat, ist der Vertrieb", betonte Rainer aber. "Wir haben die Abos aktiv bereinigt, etwa um Großabos, mit denen wir fast nichts verdienen." In den vergangenen Wochen seien 7.000, in der ÖAK noch nicht abgebildete Vollpreisabos dazugekommen.

'Vielleicht nicht allzu sehr ausloten

'Da das Inseratenmarketing nicht mehr auf das Niveau vor der Krise 2010 zurückkehren werde, sei es so wichtig, Abonnenten zu gewinnen. "Wir werden von dem leben müssen, was die Menschen freiwillig bereit sind, für die Marke 'profil' zu zahlen", so Rainer. Der Abopreis sei in den vergangenen zehn, fünfzehn Jahren verdoppelt worden, ohne dass allzu viele Abonnenten verloren gegangen seien. "Wo die Grenze nach oben ist, weiß ich nicht. Man sollte es vielleicht nicht allzu sehr ausloten, weil wir da schon ziemlich in die Vollen gegangen sind." Der Anzeigenrückgang aufgrund der Coronakrise sei im zweiten Quartal bei gut 20 Prozent gelegen. "Derzeit zieht das Geschäft stark an. Die Erholung ist erstaunlich."

Gegründet wurde das Magazin am 7. September 1970 von Oscar Bronner. Die erste Ausgabe trug den Titel "FPÖ zwischen Macht und Pleite". Schon damals seien die Schwerpunkte Meinung und das Investigative gewesen. "An diesen beiden Säulen hat sich nichts geändert. In der Hinsicht waren die Gründer damals schon prophetisch, dass das die USP sind, die niemand anders bieten kann", so Rainer.

Keine Altersteilzeit

Zum 50. Geburtstag erscheint am 13. September eine Jubiläumsausgabe mit weit mehr als 100 Seiten. "Wir versuchen da möglichst wenig retrospektiv zu sein und unsere große Vergangenheit zu feiern, sondern in die Zukunft zu schauen."

In Bezug auf seine eigene Zukunft bei dem Magazin sagt Rainer, der seit 22 Jahren Chefredakteur und Herausgeber des "profil" ist: "Ich bin jetzt der bei weitem längst dienende Herausgeber und Chefredakteur im deutschen Sprachraum und es macht mir nach wie vor große Freude. Mein Plan ist nicht, in Altersteilzeit zu gehen."

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