Gutenbergs Albtraum
 

Gutenbergs Albtraum

Reporter ohne Grenzen organisierte am 18. und 19. Februar ein Medienseminar zum Thema „Pressefreiheit und Qualitätsjournalismus“.

Am Mittwoch, den 18. Februar 2009 ging im Presseclub Concordia die Auftaktveranstaltung des zweitägigen Medienseminars "Gutenbergs Albtraum - Pressefreiheit und Qualitätsjournalismus", das von Reporter ohne Grenzen organisiert wurde, über die Bühne. Zentrales Thema war der "Brennpunkt zwischen Print und Internet" und an der Podiumsdiskussion nahmen Jean-Francois Julliard von Reporters sans froniers, Miklos Haraszti Medienbeauftragter der OSCE, Rubina Möhring Reporter ohne Grenzen Österreich, Josef Joffe "Die Zeit", Dejan Anastasijevic serbischer Journalist für "Vreme" und Fritz Hausjell Kommunikationswissenschaftler Universität Wien teil.







Rubina Möhring betonte, "die Pressefreiheit ist noch vergleichsweise jung" zu Beginn der Diskussion und ging damit auf die Aufnahme der Pressefreiheit in die Menschenrechtskonvention 1948 ein. Der Kommunikationswissenschaftler Fritz Hausjell gab einen Überblick über die Funktionen der Medien: "In den Demokratien haben die Medien eine Informations-Aufgabe, eine Orientierungsfunktion, die Rolle des Kritikers und sind Unterhalter - müssen aber auch den wirtschaftlichen Prozessen dienlich sein und etwa der Wirtschaft eine Publikationsfläche anbieten."







Der Medienbeauftragte der OSZW, Miklos Haraszti dazu: "In manchen Ländern ist die Pressefreiheit gut ausgeprägt, in manchen Ländern liegt viel im Argen." In den ehemaligen GUS-Staaten, speziell in Weißrussland, herrsche eine starke mediale Monopol-Stellung. Aber nicht nur dort, auch in China sei die Medienlandschaft "komplett unfrei", es herrsche Zensur. Genau auf diese China-Problematik ging auch Jean-Francois Julliard von Reporter ohne Grenzen International ein: "In China ist es möglich, im Internet kritische und sensible Texte zu schreiben, in den traditionellen Medien ist dies unmöglich". Das Internet habe die Situation in China auf jeden Fall verbessert.







Zwischen gut und böse




Für den serbischen Journalisten Dejan Anastasijevic ist es fraglich, ob der Journalismus in seiner heutigen Form auch noch in einigen Jahren möglich ist, denn gerade in Serbien sei es sehr gefährlich, journalistisch zu agieren: "Finanzielle Interessen gewinnen an Bedeutung, mehr als der Dienst an der Öffentlichkeit und es schweben viele Geier über uns - etwa die Unterwelt und die Regierungen." Der Herausgeber der "Die Zeit", Josef Joffe, sieht einen Trend in der westlichen Geschichte: "Immer wenn ein neuer Informationskanal entstanden ist, haben die Regierungen versucht, zu kontrollieren - ausgenommen die Angelsächsischen".







Es müsse in Zukunft aber zugelassen werden, dass Menschen ihre Meinung formulieren können. Joffe sieht eine Verbesserung der Qualität im Journalismus, auch in Zeiten des Internets: "Problematisch ist, dass das Internet nicht sagt, was gut ist und was schlecht, was Propaganda und was vertrauensvoll - das Medium ist einfach da." Um Informationen zu filtern brauche es Journalisten. "Der Beruf des Journalisten ist wichtig - wir unterscheiden zwischen gut und böse", ist sich Joffe sicher.







Qualität und Glaubwürdigkeit




Nach der Podiumsdiskussion fand am nächsten Tag, Donnerstag, 19. Februar 2009, die Fortsetzung der Diskussion zum Thema "Künftige Entwicklungen von Printjournalismus und Internet" im Palais Epstein statt. Es diskutierten unter der Leitung von Michael Kerbler vom ORF Radio Ö1, Josef Joffe von "Die Zeit", Oscar Bronner von "Der Standard", Eugen Russ von dem Vorarlberger Medienhaus, Andy Kaltenbrunner vom Medienhaus Wien und Franz C. Bauer von der Journalistengewerkschaft. Joffe zeigte sich optimisitsch, denn "es ist noch nicht aller Tage Zeitungsabend" und begründet seine Einschätzung mit "quality sells".





Die entscheidenden Faktoren im Journalismus seien die Qualität und die Glaubwürdigkeit, "und das sind letztendlich auch die Stärken der Zeitungen. "Das Problem des Internet sei die mangelnde Glaubwürdigkeit: "Jeder kann dort alles platzieren, aber der fesselnde Journalismus erzeugt die Klicks und nicht umgekehrt", so Joffe. Eine Zukunft für die Printmedien in einer digitalen Welt sah auch Oscar Bronner: "Es gibt Regionen auf dieser Welt in denen es keine Zeitungen gibt, diese werden erst gegründet - beispielsweise in Afrika, Asien und Südamerika". Eugen Russ vom Vorarlberger Medienhaus zeigte sich davon überzeugt, dass etwa die Kleinanzeigen-Zeitungen in zwei Jahren der Vergangenheit angehören würden: "Dies wird alles im Online-Bereich stattfinden."




Abschließend zog Rubina Möhring von Reporter ohne Grenzen Österreich folgende Schlüsse aus den zwei Seminartagen: "Die maßgeblichen Faktoren von Journalismus werden weiterhin die Qualität und die Glaubwürdigkeit sein. Erfreulich ist aber, dass trotz digitaler Welt nicht das Ende der Printmedien angebrochen ist."
stats