"Guten Abend Österreich": Solides Nachrichten...
 

"Guten Abend Österreich": Solides Nachrichtentrio

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TV-Kritik: Bei der Premiere der neuen Puls 4-Nachrichtenshow präsentierte sich ein gut eingespieltes Moderatorenteam in einem Setting, das Großes erwarten lässt - Stellenweise holpert der Puls 4-Nachrichtentruck aber noch

Das neue Info-Flaggschiff von Puls 4 ist am Montagabend in See gestochen. "Guten Abend Österreich", von nun an täglich um 18.45 Uhr zu sehen, ist eine ambitionierte Newsshow in zeitgemäßem Setting, die Potenzial hat. Beim Auftakt sah man drei Moderatoren, die als eingespieltes Team glänzten und in dem opulenten Setting erfolgreich darüber hinwegtrösteten, dass der neue Puls 4-Nachrichtentruck an manchen Stellen noch ordentlich holperte.

Richtiges Maß

Das Studio, das Puls 4 seinen Moderatoren stellt, ist schlicht sensationell: Ein großer Tisch mit drei Ausläufern bietet Platz für drei Präsentatoren und bei Bedarf weitere Journalisten oder Interviewpartner. Die gelungene Deko, richtig dosierte Kamerafahrten und die angemessen wirkende Größe überzeugen ebenfalls. Darin saßen beim Auftakt Nachrichtenmann Thomas Mohr, die im Vorjahr von "News" zu "Puls 4" gewechselte Corinna Milborn und der aus der Morgenshow "Cafe Puls" bestens bekannte Norbert Oberhauser und absolvierten ihre Premiere ohne Pannen und mit dem richtigen Maß an Enthusiasmus.

Was sich im Land und international tat, wurde sehr gut bis laienhaft eingefangen: Während ein routinierter USA-Korrespondent aus den USA die Herausforderungen für Präsident Barack Obama professionell aus dem Ärmel schüttelte, sah man davor eine Reporterin, die am Krankenbett eines Opfers des Wiener S-Bahn-Unfalls Aktualität mimte. Dass die Zuspielung der verletzungsbedingt an die Horizontale gefesselten Frau indirekt als Live-Schaltung angekündigt wurde, war schon fast dreist. Wenn der Sender im seriösen Nachrichtengeschäft mitmischen und damit auch dem ORF Konkurrenz machen will, müssen solche Schrauben noch ordentlich festgezogen werden.

Erfrischendes Interviewformat

Sehr erfrischend dagegen war das neue Interviewformat, das in dem speziellen Studio möglich ist: ÖVP-Chef Michael Spindelegger fand sich in einem "Kreuzverhör" (so wurde das Gespräch nicht unpassend angekündigt) wieder. Er wurde abwechselnd von den Politroutiniers Milborn zu seiner  Rechten und Mohr zu seiner Linken gekonnt befragt, in der Mitte saß ein wenig deplatziert Norbert Oberhauser, dessen einzige Frage vor allem darauf hinwies, dass er im politischen Fach noch lernen kann. Einerlei: Es handelt sich um ein Gesprächsformat, das sich bewähren könnte. Spindelegger schaffte es nicht, aus dem spritzigen Fragen-Karussell eine Belangsendung zu machen, wurde aber auch nicht so ausführlich gegrillt wie bei den sattsam bekannten Interviewbenchmarks à la Armin Wolf. Wer tiefergehende Politinterviews wünscht, wird immer noch zur bewährten "ZiB 2" schalten oder die ORF-Pressestunde am Sonntag anzappen, zum Messagedropping im seriösen Rahmen taugt für die hohe Politik künftig aber auch der Vorabend auf Puls 4.

100 Sekunden Kurznachrichten

Gut gemacht sind auch die Kurznachrichten, die jeweils 100 Sekunden Überblick über das Geschehen bieten: "Austria News 100", "Bundesland 100" lauten die Bezeichnungen. Der Zuschauer wird dabei klug abgeholt: "Wir zeigen, was passiert ist, während Sie arbeiten waren", gab Milborn das Motto vor.

Auch Sport und Wetter haben einen entsprechenden Platz und kommen souverän über den Äther. Was vor allem die Verleger freuen wird: Die Moderatoren präsentieren die Headlines des nächsten Tages und recherchieren dabei auch bei jenen Häusern, die keine Abendausgaben haben. 

Fazit: Gelungener Auftakt

Fazit: Ein sehr gelungener Auftakt, auch wenn manche Stories inhaltlich deutlich aufgeblasen sind (ein angekündigtes Schwarzenegger-"Interview" entpuppte sich als O-Ton-Strecke einer Pressekonferenz) und Zeugnis davon ablegten, wie dünn die journalistische Personaldecke im Nachrichtenbereich ist. Ein Lichtblick ist definitiv die Studiobesetzung: Die drei Moderatoren sind gut gewählt, ergänzen sich in ihren Stärken und gleichen ihre Schwächen unangestrengt aus. Ein solides Nachrichtentrio, von dem man mehr sehen möchte. Wer einen Blick auf die erste Sendung versäumt hat, kann dies auf der Puls 4-Website nachholen.
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