Grotkamp will "Krone" behalten
 

Grotkamp will "Krone" behalten

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Bodo Hombach legt WAZ-Geschäftsführung zurück

Die Familie Grotkamp hat nach der Übernahme des Mehrheitsbesitzes am deutschen WAZ-Medienkonzern angekündigt, die Anteile an der "Kronen Zeitung" zu behalten. Einen Verkauf der Beteiligung an der österreichischen Zeitung lehne er ab, erklärte Günther Grotkamp im Interview mit den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe, die am Dienstag erscheinen. Die "Krone" sei "eine der weltweit stärksten Zeitungsmarken überhaupt". 

Zuvor wurde bekanntgegeben, dass die Essener Familie Grotkamp den 50-prozentigen Anteil der Mitgründerfamilie Brost übernimmt. Günther Grotkamp ist der Ehemann der Unternehmerin Petra Grotkamp und war von 1975 bis 2000 Geschäftsführer der Mediengruppe. Bisher gehörte der Essener Konzern jeweils zur Hälfte den Erben der beiden Unternehmensgründer Erich Brost und Jakob Funke.

Ausrichtung der Blätter unverändert 

Auf die Frage, ob der Zukauf weiterer Zeitungen denkbar sei, sagte der 85-jährige Grotkamp: "Wenn das Kartellamt zustimmt, der Preis angemessen ist und die Zeitung in unsere Strategie passt, in jedem Fall." Mit dem Ausscheiden der Familie Brost, die der SPD nahe stand, werde sich an der Ausrichtung der Blätter nichts ändern. 

Die Essener Zeitungsgruppe WAZ ist einer der größten Regionalzeitungsverlage Europas. Zur WAZ-Gruppe gehören die Zeitungen "Westdeutsche Allgemeine", "Neue Rhein/Neue Ruhr-Zeitung", die "Westfälische Rundschau" und die "Westfalenpost", die nach Verlagsangaben täglich eine Auflage von rund 870.000 Exemplaren erreichen. Die WAZ hält 50 Prozent der Anteile an der "Kronen Zeitung", die andere Hälfte befindet sich im Besitz der Familie Dichand. 

Die Presseerklärung der handelnden Personen im Wortlaut:

Presseerklärung Bodo Hombach:

"'Weg frei für eine neue WAZ-Ära'

Es ist seit Langem einvernehmlich vereinbart und wird jetzt vollzogen: Mit dem Verkauf der Brost-Anteile an der WAZ Mediengruppe werde ich, als der von der Brost-Seite bestellte Geschäftsführer, meine Geschäftsführungsmandate niederlegen. 

Ich kann auf eine zehnjährige Tätigkeit zurückblicken, die wirtschaftlich und publizistisch erfolgreich war. Denen, mit denen ich dabei zusammenarbeiten durfte, habe ich zu danken.

 Die neuen Eigentümerfamilien Grotkamp, Schubries und Holthoff-Pförtner haben mich gebeten, die WAZ Mediengruppe weiterhin im Initiativkreis Ruhr zu repräsentieren und zu vertreten. Darüber hinaus wurde vereinbart, dass ich beratend zur Verfügung stehe.

Von Anfang an habe ich den Verkauf der WAZ-Anteile der Brost-Erben an Frau Grotkamp als richtig erachtet. In der jetzigen Neuordnung der Gesellschafterverhältnisse sehe ich eine große Chance für eine neue WAZ-Ära in einer im Umbruch befindlichen Medienlandschaft. 

Ich freue mich darüber, dass Gesellschafter die Mehrheit übernehmen, die in der Tradition der WAZ Mediengruppe stehend sich den neuen Herausforderungen stellen. Ich werde der WAZ Mediengruppe weiterhin freundschaftlich verbundenbleiben."

Stellungnahme von Herrn Klaus Schubries, Bevollmächtigter der Funke-Familien-Gesellschaft, zum Kauf der Brost-Anteile durch Frau Grotkamp:

"Im Namen der Funke-Familien-Gesellschaft begrüße ich es ausdrücklich, dass es Frau Grotkamp gelungen ist, die bisher von der Brost Holding gehaltenen Anteile der WAZ Mediengruppe zu übernehmen. Ich bringe damit die Hoffnung zum Ausdruck, dass es uns gemeinsam in der Einigkeit, die bei den letzten FFG-Sitzungen praktiziert worden ist, gelingen wird, die WAZ Mediengruppe erfolgreich in die Zukunft zu führen und weiter zu entwickeln. Die in der Funke-Familien-Gesellschaft zusammengeschlossenen Stämme der Funke-Familie werden nun gemeinsam die Herausforderungen der Zukunft für die WAZ Mediengruppe in Angriff nehmen."

Presseerklärung von Dr. Peter Heinemann, Testamentsvollstrecker der Brost-Erben:

"Am 25. August 2011 hat mir der Vater der drei von Erich Brost, dem Mitbegründer des WAZ Medienkonzerns, eingesetzten Erben in München eine ohne meine Kenntnis mit Frau Petra Grotkamp ausgehandelte Vereinbarung über den Verkauf der 50-prozentigen WAZ-Beteiligung der drei Erben vorgelegt. Die beiden bereits volljährigen Erben haben dazu erklärt, sie hätten kein Interesse an der WAZ. Sie baten mich, den Verkauf vorzunehmen, andernfalls sie nach Ablauf der Testamentsvollstreckungim Juli 2015 selbst verkaufen würden. 

Als Testamentsvollstrecker schulde ich dem Erblasser Loyalität, doch liegt es nicht in meiner Macht, Entscheidungen der Familie des Erblassers, die dem Erblasserwillen widersprechen, zu korrigieren; ich kann solche Entscheidungen nur für die Dauer der Testamentsvollstreckung aufhalten. Das aber hätte für das Unternehmen einen mehrals dreijährigen, kaum vertretbaren Schwebezustand bedeutet.

Deshalb habe ich mich schweren Herzens entschlossen, dem Verkauf zuzustimmen.Voraussetzung hierfür waren die Prüfung und Feststellung der Angemessenheit des Kaufpreises und einige grundlegende Änderungen in der mir vorgelegten Vereinbarung im Interesse der Erben sowie die Zusage der Käuferin, dass mindestens für ein Jahr keine Konzerngesellschaft weiterverkauft wird. 

Der Verkaufspreis liegt innerhalb eines durch eine gründliche "Fairness Opinion" ermittelten Korridors und kann als fair gelten. Er spiegelt die Tatsache wider, dass in der Vergangenheit beide Gesellschaftergruppen ihren Beitrag geleistet haben, um das Unternehmen ertragreich und zukunftssicher aufzustellen. 

Der von Springer gebotene höhere Marktpreis konnte dagegen nicht realisiert werden. Denn auf der Grundlage der Gesellschaftsverträge in der WAZ Mediengruppe, die nur durch einstimmigen Beschluss aller Gesellschafter geändert werden können, sind WAZ-Beteiligungen nur innerhalb der Gründerfamilien veräußerbar. 

Das Ende des bisherigen Einigungszwanges zwischen den beiden Gründerfamilien erleichtert die Entscheidungsfindung im Konzern. Für die Zukunft ist dies eine wichtige Voraussetzung, die WAZ Mediengruppe weiter auszubauen. 

Ich danke dem Geschäftsführer des Brost-Familienstammes, Bodo Hombach, für seine herausragende, außerordentlich erfolgreiche Tätigkeit und wünsche dem Unternehmen sowie seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Herzen Sicherheit und Erfolg."

Presseerklärung von Dr. Andreas Urban, Rechtsanwalt, für Petra Grotkamp:

"Petra Grotkamp erwirbt Mehrheit an der WAZ-Mediengruppe

Mit Vertrag vom 23.01.2012 erwirbt Frau Petra Grotkamp über eine ihr zu 100 % gehörende Erwerbergesellschaft von der Familie Brost 50 % der Anteile an den Gesellschaften der WAZ-Mediengruppe. 

Zusammen mit den ihr bereits direkt bzw. mittelbar gehörenden 16,66 % verfügt Frau Petra Grotkamp nunmehr über durchgerechnet 66,66 % der Anteile an der WAZ-Mediengruppe. Das Bundeskartellamt hat der Transaktion bereits zugestimmt. Der Erwerb erfolgt mit wirtschaftlicher Rückwirkung zum 31.12.2011. Der dingliche Vollzug ist für den 31.01.2012 vorgesehen.

Bei der Transaktion wird Frau Grotkamp in steuerlicher Hinsicht von RLT Ruhrmann Wüller & Partner (Herrn Michael Wüller und Frau Kirsten Feldmann) und inrechtlicher Hinsicht von HEUKING KÜHN LÜER WOJTEK (Herren Dr. Andreas Urban, Dr. Roland Reichert, Dr. Thilo Fleck, Dr. Vincenz Bödeker und Dr. Rainer Velte) beraten.

Bei der Übernahme der Mehrheit an der WAZ-Mediengruppe wird Frau Grotkampvon Rothschild und der UniCredit Bank beraten. Bei den Verhandlungen mit den Kreditgebern steht Rothschild Frau Grotkamp ebenfalls zur Seite.

Die Strukturierung der Finanzierung wird durch die UniCredit Bank begleitet. Finanzierende Banken sind die UniCredit Bank, die Bayerische Landesbank und die Deutsche Bank." 

(APA/red)

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