Großes Verlegertreffen in Linz - mit Bildern!
 

Großes Verlegertreffen in Linz - mit Bildern!

Sogar die EU-Kommissarin Viviane Reding meldete sich beim Präsidientreffen der deutschsprachigen Verlegerverbände zu Wort.

"Die Zukunft der Medien ist bereits Gegenwart", die Medienlandschaft sei im Wandel begriffen und eine schnelle und effiziente Anpassung nötig, wobei gleichzeitig wichtige Grundwerte bewahrt werden müssten. Das betonte die für Informationsgesellschaft und Medien zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding in einer Videobotschaft an die Teilnehmer des Präsidientreffens der deutschsprachigen Verlegerverbände aus Deutschland, der Schweiz, Luxemburg und Österreich, das am 2. und 3. April in Linz stattfand.







Im Mittelpunkt des Präsidientreffens im Lentos-Museum, bei dem die Verbandspräsidenten Helmut Heinen (Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger), Hanspeter Lebrument (Verband Schweizer Presse) und Horst Pirker (Verband Österreichischer Zeitungen) abwechselnd den Vorsitz führten, stand neben dem Informations- und Erfahrungsaustausch zu Kernfragen der Branche ein Round-Table zur wirtschaftlichen Situation auf den nationalen Zeitungsmärkten auf dem Programm.




Österreichs Kauf-Tageszeitungen seien im Vier-Länder Vergleich 2008 mit 72,9 Prozent "Reichweiten-Primus", gefolgt von Deutschland (72,4), der Schweiz (68,9) und Luxemburg (63,2). Ausführlich wurde auch über die Entwicklung des Werbemarktes vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Rezession, die Entwicklung der Personalkosten, die Internet-Aktivitäten der Medienhäuser und die Erschließung neuer Geschäftsfelder sowie über gezielte Maßnahmen zur Bindung junger Leser diskutiert. Der luxemburger Delegation unter Präsident Alvin Sold (ALEJ) gehörte als Gast auch Alfred Küchenberg, Herausgeber und Verleger der deutschsprachigen Tageszeitung "Grenz-Echo" in Belgien, an.





Die Medien müssen sich den technischen Neuerungen stellen, appellierte Viviane Reding: "Der Anpassungsbedarf an die Formatvielfalt und an die technischen Möglichkeiten wird immer größer. Wir brauchen ständig neue Ideen und Geschäftsmodelle, um die Presse im Wettbewerb zu stärken." Im Fall der Presse, so Reding weiter, sei die Anpassung wichtig, "weil es ums Überleben geht". Die Medien, einschließlich der Presse, würden das tragende Fundament der Kommunikation als demokratische Grundvoraussetzung bilden. Auch die Europäische Kommission unterstütze diese Werte und werde in diesem Kontext in wenigen Monaten eine große Studie über die Medienvielfalt und ihre Indikatoren präsentieren.








Klar gegen Werbeverbote







Gerade in Zeiten, in denen viele Medienunternehmen Probleme mit der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle haben und in denen Konsumenten immer weniger bereit sind, für Informationen zu bezahlen, seien Werbeeinnahmen für die Medien wesentlich. "Da das Werbeeinkommen die wichtigste Finanzierungsquelle für die Presse ist, liegt mir die Beibehaltung größtmöglicher Freiheit in der Werbebranche sehr am Herzen. In meiner Arbeit bemühe ich mich, gegen unbegründete Eingriffe in die Werbefreiheit zu kämpfen und somit die Nachhaltigkeit der Pressefinanzierung zu unterstützen", bekräftigte Reding ihre Position.






Postliberalisierung







Die EU-Kommissarin ging in ihrer Botschaft auch auf die Postliberalisierung ein und betonte das Ziel der Gemeinschaftspolitik, den Binnenmarkt für Postdienste zu vollenden und damit im Rahmen der Lissabon-Agenda einen qualitativ hochwertigen Universaldienst sicherzustellen. Die dritte Postdienstrichtlinie soll bis Ende 2010 in die Praxis umgesetzt werden. Dazu bedürfe es einer engen Zusammenarbeit zwischen Kommission, den Mitgliedsstaaten und allen beteiligten Kreisen, "wobei die Verleger eine besonders wichtige Rolle spielen".






Öffentlich-rechtlicher Mehrwert







Zum Thema öffentlich-rechtlicher Rundfunk stellte Reding fest, dass ihn seine Präsenz im Internet potenziell in direkten Wettbewerb nicht nur mit den privaten Sendern, sondern auch mit den neuen Akteuren und den Zeitungen bringt. "Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, ein Bewertungsverfahren einzuführen, um den öffentlich-rechtlichen Mehrwert der neuen Medienaktivitäten der Rundfunkanstalten festzustellen. Darin muss die Auswirkung auf den Markt ex ante untersucht werden", so Reding, "noch bevor ein neues öffentlich-rechtliches Angebot geschaffen wird."
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