Gregor Barcal: Der Herr über die Bundesregier...
 

Gregor Barcal: Der Herr über die Bundesregierung

Lukas Litzinger
Immer ein Lächeln auf den Lippen: Das ist der Job von Gregor Barcal. Als Autor muss er immer möglichst witzige Texte schreiben.
Immer ein Lächeln auf den Lippen: Das ist der Job von Gregor Barcal. Als Autor muss er immer möglichst witzige Texte schreiben.

Gregor Barcal arbeitet als Autor für TV- und Radioshows. Er findet, dass es in Zeiten wie diesen etwas zu lachen geben muss. Beim Thema Flüchtlinge müsse man aber ‚höllisch aufpassen‘. Während des ESC in Wien stand er beruflich wie privat unter Stress

Dieses Porträt erschien am 9. Oktober in der HORIZONT-Printausgabe 41/2015. Hier geht's zur Abo-Bestellung.

„Was? Da gibt es Menschen, die so etwas schreiben? Wieso machen die Moderatoren das denn nicht selbst?“ Diesen Satz hört Gregor Barcal relativ häufig, wenn er Freunden und ­Bekannten von seinem Job erzählt. Barcal arbeitet als Autor für TV- und ­Radioshows, er schreibt aber auch Programme für Comedians. Und in der Tat arbeiten Autoren meist im Hintergrund, ohne sie geht es nicht. Die Zuschauer sehen letztendlich aber nur den perfekt gestylten Moderator auf der Bühne. Doch das ist nicht überall so. „In den USA gibt es ein anderes Selbstverständnis für Autoren, bei uns werden sie eher totgeschwiegen“, sagt Barcal. In Deutschland haben es ganz wenige Autoren geschafft, in die öffentliche Wahrnehmung zu rücken. Micky Beisenherz etwa, einer der Autoren des „Dschungelcamps“. In den USA gibt es einen echten Kult um einige Autoren, wie etwa J. J. Abrams („Alias“, „Lost“, „Fringe“). 

Barcal selbst macht das nichts aus. Er genießt es, auf offener Straße nicht erkannt zu werden und so ein ganz normales Leben zu führen. Und auch wenn ihn wohl nur die wenigsten TV-Zuschauer und Radiohörer erkennen würden, in der Branche ist er ein bekanntes Gesicht, das schon für einige Formate gearbeitet hat. So hat er schon vor mehr als zehn Jahren die Moderationstexte für „Starmania“ geschrieben. Aber auch für „Die große Chance“ und den ORF-Jahresrückblick verfasst Barcal die Texte. Zuletzt schrieb er die Moderationen für Mirjam Weichselbraun und Robert Kratky, die auf der ORF-Programmpräsentation die Werbepreise verliehen haben. Während den Shows ist er meist der Mann, der mit den Moderatoren durch einen Knopf in deren Ohr verbunden ist. 

Lustig muss es sein

Schnöde und langweilig soll es dabei nie sein. Barcal arbeitet vor allem für Unterhaltungsformate, entsprechend locker muss es auch in den Moderationen zugehen. Beim ORF-Werbepreis setzt er dann zwar weniger auf Gags, bei „Dancing Stars“ dürfen die Zuschauer aber auch gerne über eine spitze Formulierung lachen. „Wenn ein Gag in die Hose geht, schmerzt mich das schon“, sagt Barcal. Auch bei der völlig überarbeiteten „Stadlshow“ war er mit im Boot und schrieb die Texte für Alexander Mazza und Francine Jordi. Dass der „Musikantenstadl“ in den vergangenen Jahren ein eher angestaubtes Image hatte und bislang eher ein älteres Publikum angesprochen wurde, ist für Barcal kein Problem. „Die Musik ist nicht so meins, aber ich tanze auch nicht und schreibe trotzdem für Dancing Stars.“ Grundsätzlich ist das Zusammenarbeiten mit Moderatoren nicht immer ganz leicht, sagt der TV-Autor. So bringen sie ihre eigenen Wünsche mit ein und dann müssen Moderationstexte umgeschrieben werden. „Die sind dann nicht immer besser“, ärgert sich Barcal. Deshalb sei er auch ein großer Fan von Telepromptern. „Da wird es so gesagt, wie ich es geschrieben habe“, sagt er und lacht. Auf kleinen Kärtchen können die Moderatoren eben doch noch mal selbst etwas ändern, auch kurz vor einer Show. Als eitel würde sich der Autor aber nicht bezeichnen. „Bei den Texten bin ich uneitel, das kann ich mir auch gar nicht erlauben. Es ist wichtiger, dass die Moderatoren authentisch sprechen und sich wohl in ihrer Rolle fühlen.“ Das kommt schließlich auch bei den Zuschauern an. 

Highlight ‚Eurovision Song Contest‘

Aufgeregt ist Barcal vor großen TV-Shows inzwischen nicht mehr. Das dürfte aber auch mit seinem bislang größten Job zu tun haben: Bis Mai ­arbeitete er als Creative Producer und Script Writer für den „Eurovision Song Contest“. Und selbst da war er nicht aufgeregt – weil keine Zeit blieb. „In der letzten Woche mussten alle nur funktionieren, da hat jeder Vollgas gegeben.“ Aber natürlich fingen die Arbeiten rund um den ESC schon deutlich früher an, ab November 2014 arbeitete er für den Gesangswettbewerb. Barcal sagt selbst, dass er nicht die erste Wahl bei den Verantwortlichen gewesen sei. Stören tut ihn das nicht. Da der ORF allgemein viel Lob für die Durchführung des Mega-Events erhielt, muss es das auch nicht. Anfangs waren viele Dinge noch unklar, wie etwa die genaue ­Definition seines Jobs und die Hierarchie unter den Mitarbeitern. „Da gab es eine Zeit des Zusammenraufens.“ Im April und Mai war er meist von früh morgens bis spät abends in der Stadthalle. Nach den Semifinals am Dienstag und Donnerstag arbeitete Barcal die Nächte durch, weil am Samstag schon die kompletten Moderationstexte stehen mussten. Doch die Zeit rund um den ESC hatte es für Barcal auch privat in sich. So wurde er während der Finalwoche, genauer gesagt am Montag, zum ersten Mal Vater. „Das Timing war ein Schas“, sagt er mit einem diebischen Grinsen im Gesicht. Aber als das Baby entstand, habe er noch nicht an den ESC gedacht. „Alle haben gesagt, dass das erste Kind sowieso später dran ist. Montag nach dem ESC hätte es mir gut gepasst, dann hätte ich am Sonntag auch noch entspannen können.“ Daraus wurde dann nichts. Barcal musste sonntagnachts, er feierte gerade mit den anderen ESC-Kollegen in der Ottakringer Brauerei die Eröffnung des Euroclubs, frühzeitig aufbrechen. Seine Lebensgefährtin schrieb ihm per WhatsApp, dass es vermutlich bald losginge. Zu Hause angekommen schrieb er Gerald Fleischhacker („Bist Du deppert“) eine Übergabe-Mail. Fleischhacker war als Ersatz geplant, sollte Barcal ausfallen. „Ich habe noch nie konzentrierter und effizienter ein Briefing geschrieben“, sagt Barcal, der danach sofort mit seiner Lebensgefährtin ins Krankenhaus fuhr. Am Montagvormittag war das Kind da, nachmittags waren die frisch gebackenen Eltern schon wieder zu Hause. Den Rest des Tages nahm sich Barcal frei, ab Dienstag (erstes Halbfinale) arbeitete er wieder ganz normal. „Im Nachhinhein betrachtet war es ein idealer Zeitpunkt für mich, aber nicht für die Mutter.“ Seine Lebensgefährtin musste sich in den ersten Tagen nun größtenteils mit Hilfe der Familie um das Baby kümmern. Aber Barcal hatte immerhin nicht mehr ständig die Angst, dass jederzeit ein Kind kommen könnte. Am ESC besonders gefallen hat ihm die Arbeit in englischer Sprache. „Das hat mir extrem getaugt. Auf Englisch kann man viel lustiger formulieren.“

Von der IT in die Medien

Dass Barcal eine Karriere in den Medien macht, war aber nicht immer klar. Angefangen hat er nämlich als PC-Supporter, sagt er und kommt aus dem Lachen gar nicht mehr heraus. „Ich war jung und brauchte das Geld.“ Er habe auch Word- und Excel-Seminare gehalten. Damals, in den frühen 90er-Jahren, ein sicheres Geschäftsmodell. Dann hat er an einem Quiz bei Ö3 mitgemacht und eine CD gewonnen. Die ist allerdings nie bei ihm angekommen, also hat er eine launige Beschwerde an den Sender geschrieben. Dort fanden sie Barcal ­offenbar so lustig, dass sie ihm gleich angeboten haben, für die Comedy-Schiene Texte zu schreiben. Nach ­einigen Jahren gab er den PC-Support endgültig auf und arbeitete zwischen 1997 und 2005 fest bei Ö3, kam dadurch auch zum ORF-Fernsehen. Heute ist Barcal selbstständig. 

Buch und fiktionale Serie

In der Zukunft hat Barcal viel vor. So will er ein Kinderbuch schreiben. Außerdem würde er sich gerne an ein Drehbuch für eine fiktionale Serie wagen. Piloten gebe es, nur das Budget sei nicht da. Ideen für neue Stoffe findet Barcal täglich, sie liegen auf der Straße. Wenn er lustige Anekdoten hört, schreibt er sie in ein rotes Notizbuch. Zuhause hat er davon schon ­einige vollgeschrieben herumliegen. 
In den kommenden Wochen stehen nicht die ganz großen Projekte an sondern eher das Alltagsgeschäft. So schreibt er für diverse Comedians die Bühnenprogramme. Bei Ö3 kümmert er sich im Herbst wieder um die „geheimen Sitzungsprotokolle der Bundesregierung“. Hier legt er Kanzler ­Faymann und seinen Ministern Wörter in den Mund, die die garantiert nicht so meinen. „Das wird spannend, denn gerade in Zeiten wie diesen muss es auch etwas zu lachen geben“, sagt er und meint damit die Flüchtlingskrise. Bei diesem Thema müsse man aber „höllisch aufpassen, wie man die Pointen formuliert.“ Ein Gag müsse als Gag erkannt werden. Der Grad ist eben schmal zwischen intellektuellem Witz und pietätlosem Humor. Wer sehen will, wie Barcal diesen Balanceakt meistert, kann ihm auf Twitter folgen: @GregorBarcal.
stats