Gratis-Monatszeitung: Stadt Wien erstellt 'Me...
 
Gratis-Monatszeitung

Stadt Wien erstellt 'Mein Wien' ab 2022 selbst

Alessandro Cristiano/stock.adobe.com

Kritisierter 'Rahmenvertrag Stadtkommunikation' läuft mit Ende Dezember aus - Neustrukturierung der Informationsangebote soll Kosten um 26 Prozent senken.

Die Stadt Wien wird den 2013 von der damals rot-grünen Stadtregierung beschlossenen "Rahmenvertrag Stadtkommunikation" über bis zu 133 Millionen Euro nicht erneut ausschreiben. Die kostenlose an alle Wiener Haushalte ergehende Monatszeitung Mein Wien erstellt die Stadt ab 2022 selbst. Nur Druck und Vertrieb sollen laut einer Aussendung nach außen vergeben werden. Insgesamt soll die Neustrukturierung für die Stadtmedien eine Kostensenkung von 26 Prozent bringen.

Der vom Wiener Gemeinderat beschlossene "Rahmenvertrag Stadtkommunikation" läuft mit Ende Dezember aus. Er wurde zwischen dem Presse- und Informationsdienst des Rathauses (PID) und der SP-nahen Bohmann Druck- und Verlagsgesellschaft vereinbart und umfasst die Produktion von Gratiszeitschriften, Foldern und Magazinen. ÖVP und FPÖ stimmten damals gegen den Beschluss, da die Summe unverhältnismäßig hoch gewesen und die Vergabe dubios verlaufen sei, wie sie kritisierten.

Geplant ist nun, die Struktur hinter allen zentralen Informationsangeboten der Stadt neu aufzusetzen, "um die Effektivität, Flexibilität und Effizienz weiter zu steigern", heißt es in einer Aussendung von Montag. Der Fokus liege künftig darauf, möglichst viel an redaktionellen Leistungen in die Stadtredaktion "inzusourcen", um Schnittstellen und Kosten zu verringern. So sollen ab 2022 elf Millionen Euro und damit 26 Prozent weniger als bisher für die stadteigenen Medien aufgewendet werden. Druck und Vertrieb für die gedruckten Stadtmedien wie Mein Wien, das Amtsblatt sowie das Mitarbeiter-Magazin Stadt Wien intern mit einem jährlichen Budget von rund sechs Millionen Euro werden nach dem Beschluss im Gemeinderat EU-weit ausgeschrieben.

Digitale Version von 'Mein Wien'

Geplant sind für die nächsten fünf Jahre neben einem Ausbau der Stadtredaktion im Presse- und Informationsdienst auch ein Schwerpunkt zur Digitalentwicklung von Medienprodukten, um deren Benutzerfreundlichkeit und Barrierefreiheit zu erhöhen. Das dafür vorgesehene Leistungsspektrum von bisher 1,3 Millionen Euro wird auf rund vier Millionen Euro pro Jahr erhöht. Die Zusammenarbeit mit der Wien Holding Digital GmbH bleibt erhalten. So soll etwa die Gratismonatszeitung Mein Wien eine digitale Version erhalten. Auch eine Weiterentwicklung des Stadt Wien Vorteilsclubs ist geplant. Als Dienstleister soll die Stadt Wien Marketing GmbH fungieren. Pro Jahr ist dafür ein Budget von rund einer Million Euro vorgesehen.

"Die Erfahrungen aus über 14 Monaten Coronapandemie haben gezeigt, wie wichtig angesichts der rasch wechselnden Informationslage eine unmittelbare Steuerung und Disposition von redaktionellen Ressourcen ist. Wir setzen daher künftig auf mehr inhouse und wollen gleichzeitig auch digitale Formate forcieren", wurde Wiens Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (SPÖ) in der Aussendung zitiert. "Eine Neuausrichtung der stadteigenen Medien ist die logische Konsequenz aus einer sich stark verändernden Medienwelt. Wir schaffen ein breites, transparentes Medienspektrum für die Wiener, indem wir trotz vielfacher digitaler Zukunftsinvestitionen über 20 Million Euro der ursprünglichen Kosten einsparen", meinte Markus Ornig, Wirtschafts- und Finanzsprecher der NEOS Wien.
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