Google glaubt an Content
 

Google glaubt an Content

Johannes Brunnbauer
Medientage 2015 Tag1 am WU Campus, am 22.09.2015 | (c) Medientage/Brunnbauer
Medientage 2015 Tag1 am WU Campus, am 22.09.2015 | (c) Medientage/Brunnbauer

Mit dem Titel „The future of news and Google's contribution“ stellte Madhav Chinnappa, ehemaliger BBC-Journalist und jetzt Head of Strategic Partnerships bei Google, die Digital News Initiative des Unternehmens für Verlage, Medien und Institutionen vor

Im Anschluss an Andrew Keen kam - unter der Moderation von News-CR Eva Weissenberger - passender Weise ein noch „Internetgläubiger“ auf die Bühne des großen Saales der Medientage: Madhav Chinnappa, seit August 2010 als "Head of Strategic Partnerships" bei Google tätig und für die News-Relations von Google mit den Verlegern zuständig, stellte die Digital News Initiative seines Unternehmens vor. In der Initiative geht es darum, Verlage dabei zu unterstützen, nachhaltige Geschäftsmodelle und Ökosysteme zu entwickeln, die dem Journalismus die notwendige Basis für die Zukunft bereiten. Chinnappa: „Wir machen die Digital News Initiative, weil wir glauben das Inhalt wichtig ist. Wir wollen unsere Rolle im digitalen Ökosystem definieren.“ Für ihn ist das Wort Ökosystem deshalb wichtig, weil mittlerweile jeder mit jedem konkurriere und oft Angry Birds oder Candy Crush den Kampf um die Aufmerksamkeit gewinnen würden.

Digital News Initiative mit österreichischer Beteiligung

Die Digital News Initiative (DNI) soll dagegen Abhilfe schaffen und versucht das mit folgendem Drei-Säulen-Modell: Die bestehen aus Produktentwicklung, Unterstützung von Innovationen mit einem eigenen Fund und Training & Forschung. DNI startete mit den Gründungsmitgliedern Die Zeit, El Pais, FAZ, La Stampa, Les Echos, NRC Group, The European Journalism Center (EJC), The Financial Times, The Global Editors Network, The Guardian und The International News Media Association. Mittlerweile wächst die Zahl der teilnehmenden Medien und Organisationen rasant. Aus Österreich sind z.B. das Forum Journalismus und Medien (fjum), AHVV Verlag, Österreichischer Journalisten Club (ÖJC), Dossier, Kronen Zeitung, oe24, neopresse.com und Fillmore derzeit dabei.

Geburtshilfe für journalistische Innovationen

Chinnappa - selbst über neun Jahre bei BBC News als Journalist tätig - bemerkt, dass es gerade im europäischen Newsbereich kaum Innovationen gäbe und begründet es unter anderem damit, dass gerade kleinere Medienunternehmen so mit dem Tagesgeschäft ausgelastet sind, dass es hier kaum Spielraum für Neues gäbe. Innovationen würden aber nicht nur schwer messbar sein, sondern auch nicht vom Himmel fallen. Er schoß aber gleich auch den positiven Aspekt hinterher: Weil News täglich ein kreativer Prozess quasi vom leeren Blatt bzw. Bildschirm weg sind, gäbe es genug Potential für große Ideen in der Branche. Hier soll der erwähnte Innovations Fund den Ideen in die Realität helfen. Auch ein eigens gegründetes NewsLab soll Journalisten mit Trainings ermächten mit und in der Rolle ihres sich ständig verändernden Jobs besser zurecht zu kommen. 

Österreich ist Schlußlicht bei den Bezahl-News

Auch der Research soll seinen Teil dazu beitragen: So wird ab 22. Oktober der aktuelle Digital News Report 2015 zu Verfügung stehen, indem erstmals auch Österreich vertreten sein wird. Erste Insights von Chinnappa für Österreich sind, dass die Rolle der traditionellen Printnachrichten und TV hier nach wie vor stark sind. Smartphone und Tablet-Benutzung lägen dabei hinter dem Rest von Europa und Österreich ist mit nur 5 Prozent Schlußlicht bei der Nutzung bezahlter Nachrichtendienste. Genau das Bezahlen für Nachrichten würde aber viel ändern.

Abschließend meinte er: „Google glaubt an Content. Internet ist ein demokratisierendes Werkzeug und das ist aus der Sicht eines Business Modelles natürlich schwierig. Aber vielleicht können wir gemeinsam einen Weg zum originalen News Content finden.“

 [Elisabeth K. Fürst]
stats