Gewista geht an die Oberfläche
 

Gewista geht an die Oberfläche

Jakob Gsöllpointner
Die Mariahilfer Straße wird zu ­einer digitalen ­Flaniermeile. Ab Dezember können 26 Screens gebucht werden.
Die Mariahilfer Straße wird zu ­einer digitalen ­Flaniermeile. Ab Dezember können 26 Screens gebucht werden.

Nach dem Ausbau der wichtigsten U-Bahn-Knotenpunkte geht die Gewista an die Oberfläche – die Mariahilfer Straße wird digital

Diese Geschichte erschien bereits am 20. November in der HORIZONT-Printausgabe 47/2015. Hier geht's zur Abo-Bestellung.

Die sieben am stärksten frequentierten U-Bahn-Stationen in Wien sind ausgebaut. Die Knotenpunkte Karlsplatz, Praterstern, Schwedenplatz, Stephansplatz, Westbahnhof, Volkstheater und Wien Mitte/Landstraße hat der Out-of-Home-Spezialist ­Gewista inzwischen digitalisiert, überall hier kann Werbung auf digitalen Screens gebucht werden. 

Nun folgt der nächste große Ausbauschritt: Die Gewista geht an die Oberfläche. „Derzeit wird die Fußgängerzone Mariahilfer Straße mit ­digitalen Screens ausgestattet“, informiert Gewista-CEO Karl Javurek im Gespräch mit HORIZONT. Noch im Dezember sollen die insgesamt 26 Screens in Betrieb genommen werden. Die Fußgängerzone wird damit zur digitalen Flaniermeile – und mit den Geschäften und Lokalen hat ­Gewista viele potenzielle Kunden ­direkt vor Ort, denn auch punktuelle Buchungen sind möglich. Darüber hinaus plant die Gewista ein sogenanntes „Deluxe Netz“ im ersten ­Bezirk, etwa an der Rotenturmstraße/Fleischmarkt, der Schottengasse und dem Michaelerplatz.

Außenwerbung ‚deluxe‘ 



Das „Deluxe Netz“ besteht aus neun Screens, die ganz klassisch als Werbeträger dienen und gebucht werden können. Auf der anderen Seite sind Defibrillatoren angebracht, mit denen im Notfall Menschen­leben gerettet werden können. Die Geräte können einfach wie ein Feuerlöscher entnommen werden, sind also im Prinzip für jedermann zugänglich und bedienbar. Wer das Gerät herausnimmt, startet sofort eine automatische Telefonverbindung zur Notrufzentrale der Wiener Berufsrettung. Im Fall der Fälle kann auf dem Touchscreen neben dem Defibrillator nachgelesen werden, wie das Gerät überhaupt funktioniert. 

Dieser Touchscreen wechselt, wenn man ihn antippt, zu einem digitalen Stadtplan. Hier sollen Touristen alle wissenswerten Infos bekommen, die sie benötigen. Die Inhalte des ­digitalen Stadtplans stammen von susi.at. Neben den neun Geräten im ersten Bezirk gibt es drei zusätzliche Standorte dieses „Deluxe Netzes“ auf der Mariahilfer Straße. „Wir haben hier eine völlig neue Mediengattung geschaffen auf die wir, wie ich meine, zu Recht stolz sein können“, sagt Gewista-CEO Javurek. 

Digitale Erfolgsmessung



Rund ein Drittel des Gewista-Umsatzes macht noch das klassische Plakat aus, das City Light liegt bei etwa 20 Prozent. Da wird es natürlich zunehmend wichtiger, eine verlässliche ­Erfolgsmessung für die digitalen Werbeträger zu finden. Auch hier ­arbeitet man bei Gewista an einer Lösung. 

Derzeit sei eine internationale ­Studie in Arbeit. Auftraggeber dieser Studie sind die Unternehmen JCD­ecaux, zu der auch Gewista gehört, APG|SGA und Clear Channel (beide Schweiz). Die Ergebnisse, die voraussichtlich Anfang 2016 vorliegen, sollen Aufschluss darüber geben, wie die Messung von DOOH-Medien sinnvoll funktionieren kann. Die Kontakte der Gewista-Screens an den U-Bahnhöfen werden an Hand der gezählten Fahrgastzahlen in der Station ausgewiesen. Grundsätzlich zeigt sich Javurek zufrieden mit dem Verlauf des ­Geschäftsjahres. „2014 hatten wir ein Rekordjahr und heuer werden wir nochmals um zehn Prozent wachsen“, so der Gewista-Chef.

Auf Seite zwei lesen Sie ein Interview mit Gewista-CEO Karl Javurek. 

Horizont: Was ist der USP der ­Gewista? Und wo sehen Sie noch große Herausforderungen?
Karl Javurek: Die Gewista ist die Nummer eins im österreichischen Out-of-Home-Business mit einem unglaublich breiten Produktportfolio. Das ­beginnt beim Papierplakat, geht über City Lights, Rolling Boards, Verkehrsmittelwerbung und last but not least in die digitale Werbung. Diese Bereiche werden wir in Hinkunft noch stärker vernetzen, um die Effektivität für unsere Kunden weiter zu steigern.


Wie wird Digital-Out-of-Home (DOOH) von den Kunden angenommen?
Wir haben ausschließlich zufriedene Kunden, die uns positives Feedback geben. Nicht umsonst ist auch international gesehen DOOH der stärkste Wachstums­treiber im Mediengeschäft.


Gibt es da nicht auch Kannibalisierungseffekte, weil sich die Kunden die Produktionskosten sparen und nur noch auf digital setzen? 
Ein großer Teil der Kunden, welche DOOH buchen, sind Neukunden. Darüber hinaus haben wir festgestellt, dass es keinerlei Kannibalisierungseffekte gibt, weil auf der einen Seite DOOH und das eventuelle Konkurrenzmedium City Light, diejenigen Geschäftsfelder sind, welche das stärkste Umsatzwachstum bringen. Andererseits können wir feststellen, dass durch die digitale ­Außenwerbung das gesamte Out-of-Home-Business attraktiviert und gestärkt wird. Die Focus-Zahlen aus 2015 belegen: Kein anderes Medium wächst so deutlich wie Out of Home. 


Blicken wir ein wenig in die Zukunft: Was steht in den kommenden Jahren in der Branche an?
Hauptthema der nächsten Jahre bleibt die Digitalisierung der Außenwerbelandschaft, sowie weitere Schritte in Richtung Medienkonvergenz, also die Verbindung von Out of Home und Mobile Marketing. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass wir einige Top-Standorte von Megaboard entlang der Autobahnen digital entwickeln. Diese Schritte müssen aber natürlich auch im Einklang mit dem österreichischen ­Medienmarkt passieren, der sich sehr zaghaft entwickelt. Die Netto­umsätze der Medienbranche bewegen sich ja derzeit erst wieder auf dem Niveau von 2008.
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