"Gegen Regeln des professionellen Journalismu...
 

"Gegen Regeln des professionellen Journalismus"

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ÖBB-Konzernsprecherin Hanusch Linser sieht Bashing durch ORF-Magazin "konkret" - Moderatorin Rupp habe "sichtlich diebischen Spaß daran, ihre Aversionen gegen die ÖBB vor der Kamera abzuarbeiten"

Die ÖBB haben sich erfolgreich gegen einen aus ihrer Sicht unausgewogenen Beitrag des Magazins "konkret" bei der Medienbehörde KommAustria beschwert. Diese sah das Objektivitätsgebot durch den ORF verletzt und hat diesen angewiesen eine entsprechende Darstellung in der Sendung zu verlesen. Nach Angaben des ORF wurde dagegen auch kein Einspruch erhoben. HORIZONT online hat ÖBB-Konzernsprecherin Kristin Hanusch-Linser zu den Beweggründen für diesen Schritt befragt:

HORIZONT online: Es ist nicht der übliche Weg, wegen eines TV-Beitrags gleich die KommAustria anzurufen. Wie lief die Entscheidungsfindung zu dem Schritt?

Kristin Hanusch-Linser: "Die Entscheidung ist uns sehr leicht gefallen, weil dieses Mal das Maß wirklich voll war. Die vorausgehende persönliche Beschwerde bei den Sendungsverantwortlichen hat weder Einsicht noch Entschuldigung gebracht. Es ging dabei auch um eine bei uns bekannte Dauer-Beschwerdeführerin, die seit kurzem eine eigene Facebook Gruppe gegründet hat – die übrigens zehn Mitglieder hat. Die Redaktion hat eine ausführliche Stellungnahme erhalten, samt vorangegangener Korrespondenz mit der Dauer-Beschwerdeführerin. Ergebnis: Ein Beitrag in dem mehrere ungeprüfte Beschwerdefälle einseitig gezeigt wurden. Die Redaktion hat also vorab weder den Sachverhalt recherchiert noch mit einer anderen Stelle des Unternehmens darüber gesprochen. Soviel zur journalistischen Sorgfalt. Der Gipfel war wie so oft die Moderation von Martina Rupp: Sie hat sichtlich diebischen Spaß daran, ihre Aversionen gegen die ÖBB vor der Kamera abzuarbeiten. Unsere Stellungnahme fand natürlich keinen Platz, lediglich der sehr süffisante Hinweis, dass niemand der Verantwortlichen Zeit gefunden hat. Vor dieser Sendung gab es bereits einen anderen skurrilen Höhepunkt in Sachen ÖBB-Bashing via 'konkret': der Plan der in der Sendungsgeschichte ersten monothematischen Sendung in Kombination mit der tatsächlich ernst gemeinten Anfrage zur enormen Gefahr des Erblindens beim Zugfahren durch tiefstehende Sonne. Die Sendung kam dann doch nicht zustande, weil sogar die Sendungsverantwortlichen einsehen mussten, dass dieses an den Haaren herbei gezogene Thema wohl kaum zur Erhellung der Zuseher beigetragen hätte."

HORIZONT online: Wo verlief die „rote Linie“ für die ÖBB, die mit dem Beitrag überschritten wurde?

Hanusch-Linser: "Dass 'konkret' uns wiederholt und vorsätzlich kritisiert, ja fast schon tribunalartig vorführt, und gegen jede Regeln des professionellen Journalismus verstößt, müssen wir zwar zur Kenntnis nehmen, aber eben nicht stillschweigend. Es gibt eine zuständige unabhängige Behörde, die KommAustria, dort hat man sich dann professionell mit unserem Fall auseinandergesetzt. In der Zusammenarbeit mit Journalisten sollte auf beiden Seiten Professionalität und objektive Recherche an erster Stelle stehen: Wir haben uns an diese simple Regel gehalten, der ORF eben nicht."

HORIZONT online: Wie oft haben die ÖBB die Kommaustria oder – um eine Analogie der Printwelt zu finden – den Presserat schon angerufen?

Hanusch-Linser: "Noch nie. Aber es gibt eben immer ein erstes Mal und einige Kollegen aus der Branche die dasselbe auch schon erleben mussten haben sich bei uns für diesen Schritt bedankt. Ich hoffe, diese nun vorliegende Entscheidung hilft den Redakteuren von 'konkret' dabei, das Objektivitätsgebot im Sinne der Zuseher einzunorden."

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