Gabriel, der Wahlhelfer
 

Gabriel, der Wahlhelfer

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Jenseits des HORIZONT.

Der scheidende Vorsitzende der deutschen SPD hat durch sein Stern-Exklusivinterview enorm dazu beigetragen, dass sich die Zeitschrift, die seit Langem unter Auflagenverlust leidet, weder etwas erfangen hat.Gabriel ist auf altmodische Weise aus dem Amt geschieden – nicht via Twitter oder Facebook, auch nicht über das Massenblatt Bild, sondern über die größte Illustrierte im Land, die sogar den Andruck um einen Tag vorverlegt hat.

Die mediale Lawine, die der Stern auslöste, hat noch einmal aufgezeigt, wie stark Print sein kann. Keine Gerüchte in die Welt setzen. Sondern Fakten schaffen. Ich kann nicht gewinnen, also gehe ich.Gabriel ist damit indirekt zum Medienförderer geworden. Deutschland hat wieder ein Thema ohne germanische Angst. Facebook und Co haben das Nachsehen.

Eine aktuelle Untersuchung der ARD zeigt, dass Print nach Hörfunk immer noch der glaubwürdigste Newschannel ist. Das Misstrauen gegen digitale Botschaften wächst rasant. Auch bei Jungen, die plötzlich wieder Lust und Interesse an politischen Geschehnissen zeigen, aber Facebook nicht mehr „wahrnehmen“. Die Stern-Wiedergeburt wird zwar nicht die Printbranche retten, aber sie lässt Hoffnung aufkommen.

In Hamburg erscheint eine neue Tageszeitung, Bild hat eine eigene Sportzeitung gelauncht, die gar nicht so schlecht geht und rasch eine hohe Abonnentenzahl erreicht hat.Bauer beweist monatlich neu, dass Print Zukunft hat und nebenbei auch Radio. Bauer schreibt Gewinne: in Deutschland, UK, in den USA und in Australien.Dass klassische Medien ohne digitale Angebote nicht mehr existieren können, ist klar.

Der Fehler, das eine durch das andere ersetzen zu wollen, wird aber nur mehr selten gemacht. Ähnlich wie Videos und Video-on-Demand von den TV-Sendern geschickt aufgesogen wurden, könnten auch klassische Printmedien verfahren. Die Marke stärken, den Markenkern pflegen: Das geht nun einmal draußen in der realen Welt, am Kiosk in den Vertriebsstellen besser als virtuell. Darauf kommt es an.

Red Bull hat erkannt, dass es Medien benötigt, um die Kernmarke zu festigen und jung zu erhalten. Immer mehr Unternehmen machen das auch.Wir vergessen zu gern, dass die sozialen Medien keine Massenmedien sind, sondern massenhaft betriebene Monomedien. Ein Twitterianer ist zuallererst sein eigenes Medium und kein Twitter-Geschöpf. Dem medialen Narzissmus im Web kann man offensichtlich konventionelle Massenmedien entgegenhalten.

Es wird in Zukunft mehr denn je Aufgabe der klassischen Medien – und auch der Medienpolitik – sein, auf den Widerspruch zwischen gelikten Meinungen und Fakten aufmerksam zu machen.Dann wird es auch wieder mehr Medienkonsum geben, statt Selbstinszenierungen. Mittlerweile wird es den Usern wirklich fad. Sie brauchen wieder Aufreger. Echte.

Danke Sigmar Gabriel.
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