futurelab.261: Wo geht die Reise hin?
 

futurelab.261: Wo geht die Reise hin?

David Bohmann
Alexander Wrabetz, ORF Generaldirektor, kündigte Anfang Dezember 2016 ORF-Sparmaßnahmen und die Schließung des Start-up-Clusters an.
Alexander Wrabetz, ORF Generaldirektor, kündigte Anfang Dezember 2016 ORF-Sparmaßnahmen und die Schließung des Start-up-Clusters an.

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz kündigte die Schließung der Start-up-Initiative an. Wie mit den bestehenden Beteiligungen verfahren wird, werde nun geprüft.

Das bis vor Kurzem von Ex-futurezone.at-Chef Gerald Reischl geführte und von Richard Grasl ins Leben gerufene „futurelab.261“ soll geschlossen werden. Reischl ist nach nur einem Jahr, nachdem er Ende 2015 als Geschäftsführer des Start-up-Clusters auf den Küniglberg geholt wurde, im Dezember 2016 aus dem Unternehmen ausgeschieden – laut Medienberichten mit einem Dreijahresvertrag, der ausbezahlt wurde, was seitens des ORF jedoch dementiert wird.

Und auch die Website der Start-up-Initiative futurelab261.com ist bereits offline und nicht mehr verfügbar. Ziel der Initiative war es laut Grasl, damals Kaufmännischer Direktor des ORF, unter dem das Projekt angesiedelt war, „durch diese Innovationen den ORF zukunftsfit zu machen“. (HORIZONT berichtete)

ORF hält sich bedeckt

Wie es nun mit dem Start-up-Cluster weitergeht, verrät der ORF auf HORIZONT-Nachfrage nicht. In einer offiziellen Stellungnahme heißt es: „Im Zusammenhang mit dem Start-up-Cluster wird es seitens des ORF keine weiteren Investments mehr geben. Wie mit den bestehenden Beteiligungen verfahren wird, wird derzeit geprüft.“

Heißt: Antworten auf etliche offene Fragen, beispielsweise wie und ob der Betrieb nun weiterläuft, welche Start-ups nun wirklich Teil davon sind, die Höhe der bisher getätigten Investitionen, das jährliche Budget der Initiative, was mit angestellten Mitarbeitern geschieht sowie ob und wie bestehende Media4Equity-Deals mit den Start-ups künftig umgesetzt werden, bleiben noch offen.Kolportiert wurde, dass sich der ORF im Rahmen des futurelabs bislang bei den vier Start-ups xamoom, Inscouts, updatemi und Greetzly und möglicherweise an einer Programmier-App für Kinder, deren Name allerdings unbekannt ist, via Media4Equity-Deals und kleinen finanziellen Investitionen beteiligt hat.

Gegen Firmenanteile bekommt das jeweilige Start-up vom ORF also Werbefenster in TV sowie online, dabei werden nicht verkaufte Restplätze zu einem günstigen Rabatt an die Start-ups vergeben. Die Beteiligungen seitens des ORF beziehungsweise der ORF-Tochter ORF-Mediaservice GmbH liegen in etwa zwischen sieben und zehn Prozent. Der Cash-Anteil kommt aus Partnerunternehmen oder kommerziellen Einnahmen des ORF, beispielsweise dem Streaming-Portal Flimmit, von dem Sparmaßnahmen kolportiert werden und dessen Strategie Wrabetz ebenfalls überdenken möchte.

Gebührengelder werden und wurden somit im futurelab.261 nicht berührt, heißt es. Weiters war ein Start-up-Campus am Küniglberg geplant. Hinsichtlich des futurelab.261 wird es also keine neuen Investments mehr geben. Wie es aber mit den Beteiligungen und bestehenden Verträgen oder Partnerschaften mit den Start-ups weitergeht, ist unbekannt.

Für eine Stellungnahme zu dieser Thematik war allerdings auch keines der kooperierenden Start-ups bereit. Aus dem Start-up-Umfeld ist zu hören, dass etwa die Rückabwicklung eines Vertrags, sollte es so weit kommen, Start-ups vor Herausforderungen stellen könnte. Nachdem keine weiteren Informationen bezüglich der bestehenden Verträge zur Verfügung stehen, kann über weitere Entwicklungen derzeit nur spekuliert werden.

Es scheint, als wäre auch intern beim ORF noch nicht klar, wie das weitere Verfahren mit der Start-up-Initiative künftig aussehen soll. In der Vergangenheit hagelte es auch heftige Kritik seitens des VÖZ und VÖP bezüglich der Verwendung öffentlicher Gelder, bevor ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz nach seiner Wiederwahl im Rahmen der Gebührendiskussion verlautbaren ließ, dass es hinsichtlich des futurelab.261 zu Einsparungen kommen werde.

Verlage im Bereich von Start-ups

Neben dem ORF beteiligen sich auch andere Medienunternehmen an Start-ups: Die ProSiebenSat.1-Gruppebeispielsweise über die TochterSevenVentures Austria, ebenso via Media4Equity-Deals, und auch die Styria Media Group hat mit der Styria Ventures eine Tochterfirma, die im Start-up-Bereich tätig ist. Für Beteiligungen werden auch bei der Styria Medienleistungen in eigenen Medien angeboten.
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