Funktionieren Magazine nur noch im Special-In...
 

Funktionieren Magazine nur noch im Special-Interest-Bereich? #1

Daniel Shaked

Qualität entscheidet über Zukunft des Printsektors - Gastbeitrag von Jakob Rosenberg, Chefredakteur "ballesterer".

Dieser Gastbeitrag erschien im bestseller 4/2016. Hier geht's zum Abo des bestsellers.

Der Printjournalismus wurde schon mehrfach für tot erklärt, dessen ungeachtet lassen sich weiter zahlreiche Tageszeitungen und Maga­zine in den Trafiken kaufen, mitunter kommen sogar neue hinzu. Aber es stimmt schon, der Printsektor hat es seit dem Internet mit einem geänderten Leseverhalten und zunehmend nervösen Anzeigenkunden zu tun – die Einnahmen aus beiden Quellen sind häufig rückläufig.

Die Diagnose, dass Magazine nur noch im Special-Interest-Bereich funktionieren, ist dennoch verfrüht, schließlich starten sie gegenüber General-Interest-Publikationen mit einem erheblichen Nachteil: Sie bedienen eine viel kleinere, spitze Zielgruppe, damit verbunden ist zumeist eine niedrigere Auflage und ein geringerer Werbewert für Anzeigenkunden.

Gleichzeitig haben Special-Interest-Magazine auch Vorteile. Die Zielgruppe mag kleiner sein, die Leserschaft ist aber wesentlich treuer. Zudem ist die Konkurrenz zu tagesaktuellen Publikationen geringer – allein schon wegen der Erscheinungsrhythmen, vor allem aber aufgrund inhaltlicher Expertisen. Ästhetische und haptische Gesichtspunkte spielen für das Überleben von Print eine Rolle, allerdings eine untergeordnete.

Wesentlicher ist eine einfache Frage, die sich alle Medien stellen müssen: Können wir relevante Geschichten besser erzählen als die – kostenlose oder kostenpflichtige – Konkurrenz? Special-Interest-Magazine sind seit Beginn ihres Bestehens mit der Abgrenzung zu General-Interest-Titeln beschäftigt – beim ballesterer war die neue Perspektive der Berichterstattung sogar ­Gründungsmotiv.

Solche Magazine haben ­aufgrund ihrer redaktionellen Expertisen und Ansprüche jetzt vielleicht einen Vorteil. Dennoch lassen sich auch klassische Nach­richtenmagazine immer noch gut verkaufen, wenn sie exklusiv und sorgfältig recherchierte Texte veröffentlichen. Über die Zukunft des Printsektors entscheidet nicht die Breite der Zielgruppe, sondern die Qualität seiner Medien.

Am Donnerstag, 6.Oktober, lesen Sie die Meinung von Wolfgang Rosam, Herausgeber Falstaff.

(Jakob Rosenberg)
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