"Freunderl"-Wirtschaft in der Branche
 

"Freunderl"-Wirtschaft in der Branche

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Föderl-Schmid mit Kritik bei Vorhofer-Dankesrede - Daser erhielt Hochner-Preis - (mit Redetexten)

Ein Sittenbild der heimischen Medienlandschaft zeichnete "Standard"-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid bei der Verleihung des Kurt-Vorhofer-Preises am Donnerstag. In ihrer Dankesrede forderte sie klare (ethische) Richtlinien für die Medienbranche ein. Sie kritisierte die heimische EU-Berichterstattung und prangerte den Anti-EU-Kurs "eines Massenblatts" an, dem die Politik häufig folgt. Durch die Kleinheit des Landes werde außerdem eine "Landschaft der Freunderln und Haberer" geformt, wodurch eine Nähe entstehe, die Beißhemmung erzeugt.

Auf Einsicht über diese Verhaberung - wie sie in Großbritannien nach dem Murdoch-Skandal erfolgt sei - würde man in Österreich "vergeblich warten". Vielmehr spiegelten sich die "typisch österreichischen Strukturen" auch auf dem Inserate-Sektor wieder. Ministerbüros und Kanzleramt würden ihre Inserate "gezielt großteils an die Boulevardmedien" vergeben - ob das Transparenzgesetz hier wirklich Abhilfe schafft? "Ich persönlich bezweifle das", so Föderl-Schmid. Sicher werde man wieder einen typisch österreichischen Weg des Durchmogelns finden.

Ökonomischer Druck

Über Inserate und redaktionelle Beilagen good will in der Berichterstattung erzeugen zu wollen, sei auch in der Wirtschaft verbreitet. "Der ökonomische Druck hat in den vergangenen Jahren auch in Österreich zugenommen, auch jener, in Form von Klagen oder deren Androhung bei kritischer Berichterstattung".

Dass in dem seit dem Vorjahr wiederbelebten Presserat, an dessen Wiederentstehen Föderl-Schmid maßgeblich mitgewirkt hat, "Kronen Zeitung", "Heute" und "Österreich" "noch immer nicht an Bord sind, ist bedauerlich, aber nicht wirklich überraschend. Dass auch 'Die Presse' fehlt, sehr wohl", so Föderl-Schmid. Grundsätzlich forderte sie klare Regeln für die Medienbranche: "Das ist eine Sache der Glaubwürdigkeit". Sie mahnte auch eine Präzisierung der jüngsten Presserats-Richtlinien zur Finanzberichterstattung an, dass nämlich Journalisten, die über ein Unternehmen berichten, nicht auch Aktien dieser Firma besitzen dürfen. Journalisten dürften außerdem keine teuren Einladungen annehmen, findet die "Standard"-Chefin.

Peter Daser mit Hochner-Preis geehrt

Mit dem gemeinsam vergebenen Robert-Hochner-Preis wurde ORF-Radio-Innenpolitikredakteur Peter Daser ausgezeichnet. "Kritischer und sachorientierter Journalismus ist in einer Demokratie unverzichtbar", so Bundespräsident Heinz Fischer, der die Preise überreichte. Ebenso unverzichtbar seien aber auf Seite der Journalisten Verantwortungsbewusstsein und Augenmaß. Diese Tugenden würden durch die am Donnerstag vergebenen Journalistenpreise ausgezeichnet.

Daser (Jahrgang 1971), der in den vergangenen Monaten vor allem mit seiner Berichterstattung aus dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss aufgefallen war, habe "mit hervorragenden Beiträgen im Rahmen der erstklassigen journalistischen Leistungen des aktuellen Dienstes der ORF-Radios markante Qualitätssignale gesetzt", so die Jury-Begründung. Gelobt wurden Dasers "exzellente Vorbereitung, erstklassige Recherche und journalistische Beharrlichkeit".

Distanz wahren

Daser betonte in seiner Dankesrede, dass Objektivität und Unabhängigkeit die Existenzgrundlagen des ORF seien. Hier sei auch der einzelne Journalist in der Pflicht, so müsse es selbstverständlich sein, "dass man Distanz wahrt zu denen, über die man berichtet". Persönliche Naheverhältnisse und das Ziel der Objektivität seien unverträglich. Das gelte auch für Reporter, die sich etwa als Moderatoren für jene engagieren lassen, über die sie berichten.

Der ORF müsse hier in Sachen Unabhängigkeit und ethische Richtlinien mit gutem Beispiel vorangehen. Aber auch die Gesetzgeber seien gefordert, die Objektivität und Unabhängigkeit des ORF für die Zukunft zu sichern, etwa bei der Gremienreform oder durch ein stabiles finanzielles Fundament, so dass der Sender nicht vom Tropf der Regierung abhängig ist. "Denn bei der Objektivität geht es eindeutig auch ums Geld", so Daser.

Der Kurt-Vorhofer-Preis wird von der Journalistengewerkschaft in Zusammenarbeit mit der "Kleine Zeitung" und dem Sponsor "Verbund" ausgelobt. Namensgeber ist der 1995 verstorbene langjährige Leiter und stellvertretende Chefredakteur der Wien-Redaktion der "Kleinen Zeitung", Kurt Vorhofer. Der Robert-Hochner-Preis erinnert an den 2001 verstorbenen ORF-Anchorman. Die Auszeichnung wird ebenfalls von der Journalistengewerkschaft organisiert und vom Verbund gestiftet. Das Preisgeld beträgt jeweils 7.500 Euro.

Der "Standard" brachte die Rede Föderl-Schmids in seiner Online-Ausgabe im Wortlaut. Nachzulesen ist sie hier. Die Rede von Peter Daser steht als Wordfile zum Download bereit.

(APA/red)

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