‚Fragmentiere dich besser selbst‘
 

‚Fragmentiere dich besser selbst‘

Die IP Österreich vermarktet RTL Nitro und den Finanzsender DAFA, für Letzteren besteht eine Content-Partner­schaft mit dem Kurier. Über eigene Programmfenster, so IP-Chef Walter Zinggl, werde intensiv nachgedacht

"Wir bieten ab sofort wieder mehr Inventory für die Werbewirtschaft", sagt Walter Zinggl, seit April 2013 Geschäftsführer der IP Österreich. "Auf diese Weise kommen wir dem Ruf der Mediaagenturen, wie etwa jenem von MediaCom-Chef Joachim Feher bei den Medientagen, nach", stellt Zinggl fest.

Zielsetzung sei es klarerweise, Marktanteile und Reichweiten der Sendergruppe zu steigern. So wird auf dem Satellitensendeplatz des österreichischen Musiksenders gotv, der in HD einen Neustart plant, RTL Nitro mit österreichischen Werbefenstern zu sehen sein.

RTL Nitro ist in Deutschland seit 2012 on air und richtet sich als Spartensender der deutschen RTL-Gruppe durchwegs an ein männliches Publikum. Zu den Inhalten zählen US-Serien, Spielfilme, Entertainment und Eigenformate. Programmhighlights sind etwa "Anger Management" mit Charlie Sheen, "Breaking Bad", das Wissensmagazin "Yps - Die Sendung", "Beef!" oder "Hammerzeit", eine Selfmade-Show.

Zinggl sagt es treffend: "Möchte man der zunehmenden Fragmentierung Vorschub leisten, gibt es nur einen Weg: Fragmentiere dich selbst." RTL Nitro, das mit deutschen Werbefenstern bisher 0,6 Prozent Reichweite erzielte, soll schon bis Ende 2015 mit bald 70 Prozent technischer Reichweite rund ein ganzes Prozent oder auch mehr der Bevölkerung erreichen.

DAFA: Brandstätter im TV

Die IP Österreich zeigt im männlichen Segment auf, sind doch auch Sky Sport sowie in Kürze der zweite neue Sender DAFA, Deutsches Anleger Fernsehen Austria, im Portfolio. Der deutsche Privatsender DAF mit Wirtschafts- und Finanzfokus wird von Conrad Heberling, der schon bei RTL 2, Se­venOne Interactive und Austria 9 aktiv war, geleitet und ist seit 23. Oktober on air.

Spannend wird das österreichspezifische Nachrichtenformat "Blickpunkt 5", das Sebastian Schick jeweils fünf Minuten vor der vollen Stunde moderieren wird. Der Kurier begleitet den neuen Sender in einer Content-Partnerschaft, nicht zuletzt aus diesem Grund wird Kurier-Chefredakteur Helmut Brandstätter hier täglich zu wirtschaftlichen Entwicklungen inhaltlich Akzente setzen.

"Österreich gilt immer noch als Tor nach Südosteuropa, daher legen wir einen verstärkten Fokus auf Österreich", erklärt Heberling. "Blickpunkt 5" wird auch in Deutschland zu sehen sein. Nach einem schwierigen Jahr 2013, insbesondere für RTL, ist Zinggl 2014 zuversichtlich für die Gruppe.

So konnte man sich gerade über Reichweiten mit Spitzen bis zu 320.000 Zusehern bei den EM-Qualifikationsspielen freuen. Weniger erfreulich, so Zinggl, war, dass das neue Format "Rising Star" wieder eingestellt werden musste. Alles in allem sei 2014 mit guten Umsätzen zu rechnen.

Auch Online trage einiges zum Gruppenerfolg bei: laut Zinggl rund zehn Prozent. Mit bis zu 90 Prozent werblicher Auslastung seien die RTL-Werbefenster "aus­gebucht".

Grund dafür sei die gute ­TV-Konjunktur in Österreich. "Kein Vermarkter wird heuer traurig sein." Außerdem, meint Zinggl, "betreiben wir eine gute Preis- und Informationspolitik".

Letzteres spiele eine Rolle, da die vom Mitbewerb mitunter stetig erhöhten Preise - TV weist eine ungewöhnlich hohe ­Mediainflation auf - Agenturen und Werbetreibende irritiere. "Man muss sich auf Vorgaben der Vermarkter verlassen können", so Zinggl, der selbst vor nicht allzu langer Zeit Agenturchef der Mediaagentur Maxus war.

Österreich-Programm am Weg

Nun, da die neuen Sender RTL Nitro und DAFA am Weg seien, hätte man wieder mehr Zeit, sich dem Thema eigener Programmfenster zu widmen. "Österreichische Inhalte, klug positioniert, bringen mehr Reichweite als US-Serienware oder deutsche Dokus", so Zinggl.

Natürlich müssten etwaige Produktionskosten gedeckt sein. Ein neues Programm benötige Regelmäßigkeit und Sichtbarkeit, die "17. Österreich-News werden es jedenfalls nicht werden", sinniert Zinggl, "Breitenwirksamkeit braucht es und starten wird man auf einem der kleineren Sender". Man werde sich jedenfalls intensiver mit dem Thema auseinandersetzen und wohl 2015 mit Ergebnissen kommen.

Dieser Artikel erschien bereits am 24. Oktober in der HORIZONT-Printausgabe 43/2014. Hier geht's zur Abo-Bestellung.
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