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Football bei Puls 4: Vom Zirkus zum ernsten Sport

Felicitas Matern
Eigentlich können Michael Eschlböck (links) und Walter Reiterer gar nicht fassen, dass sie eine Romy gewonnen haben. „Da sitzen zwei Menschen im TV-Studio, die das Spiel so kommentieren wie ganz normale Fans“, sagt Eschlböck.
Eigentlich können Michael Eschlböck (links) und Walter Reiterer gar nicht fassen, dass sie eine Romy gewonnen haben. „Da sitzen zwei Menschen im TV-Studio, die das Spiel so kommentieren wie ganz normale Fans“, sagt Eschlböck.

Die Puls 4-Football-Moderatoren Walter Reiterer und Michael Eschlböck sprechen darüber, wie ihre Sportart in den Medien dargestellt wird und finden, dass das Verhältnis zwischen Sportlern und Medien grundsätzlich ein schwieriges ist

Dieser Artikel erschien bereits am 30. Oktober in der HORIZONT-Printausgabe 44/2015. Hier geht's zur Abo-Bestellung.

Fußball erfreut sich dank der Nationalmannschaft derzeit größter ­Beliebtheit, von den verschiedenen Ski-Wettbewerben wollen wir gar nicht reden - Marcel Hirscher, Gregor Schlierenzauer & Co. locken jeden Winter mehr als eine Million Menschen vor die TV-Geräte. Football dagegen ist hierzulande eine Randsportart. Weltweit sieht das anders aus: Der Super Bowl ist das größte Einzelsport-Event der Welt und damit auch für Werber interessant. Trotz der enormen Kosten, ein 30-Sekünder kostete heuer etwa vier Millionen Euro, sind die Werbeplätze jedes Jahr restlos ausgebucht. Die Spots werden inzwischen durch Sneak Previews vorgestellt, in großen Votings entscheiden die Fans über den besten Clip des Jahres. "Der Super Bowl ist weltweit ­gesehen das Werbehiglight des Jahres", sagt Michael Eschlböck, früherer Nationalspieler und Präsident des American Football Bundes Österreich (AFBÖ). Zusammen mit Walter Reiterer, der beim AFBÖ als Media Manager arbeitet, kommentiert er die Football-Übertragungen bei Puls 4. 

Die Quoten stimmen



Die Reichweiten des Super Bowls sprechen für sich: Regelmäßig sehen allein in den USA mehr als 100 Millionen Menschen zu. Die Networks nutzen das Event regelmäßig, um im Anschluss neue Formate zu starten. Heuer sahen 114 Millionen Menschen bei NBC zu - es war die erfolgreichste Übertragung einer Sendung im US-Fernsehen überhaupt. An diese astronomisch hohen Zahlen kommt man bei Puls 4 logischerweise nicht heran, doch auch beim kleinen Privatsender kann man zufrieden sein. In der laufenden Saison steht man bei 4,8 Prozent bei den 12- bis 49-Jährigen und liegt damit über Senderschnitt. Bei den 12- bis 29-Jährigen kommen die Übertragungen sogar auf 10,4 Prozent.Und nicht nur die Quoten stimmen: Auch inhaltlich erhält Puls 4 für seine Übertragungen viel Lob.

Nicht zuletzt dafür verantwortlich sind Reiterer und Eschlböck, die mit ihren ­humoristischen Moderationen und ausgefallenen Outfits die Zuschauer informieren und unterhalten. Zuletzt erhielten sie die Romy im Bereich Info/Sport/Kultur, in dieser Kategorie setzten sie sich unter anderem gegen Martin Thür (ATV) und Christian Wehrschütz (ORF) durch. Die Moderationen sind weitestgehend spontan, beide bereiten sich vor den Sendungen vor, schauen etwa frühere Spiele der Mannschaften. Kurz vor der Sendung sprechen sie miteinander um sich abzustimmen - lange Vorlaufzeiten gibt es keine. "Ein ­österreichischer Schiedsrichter, mit dem wir einmal ein Spiel gemeinsam gesehen haben, hat irgendwann ­gesagt, er komme sich vor wie im Fernsehen. Und so ist es auch: Da sitzen zwei Menschen im TV-Studio, die das Spiel so kommentieren wie ganz normale Fans", sagt Eschlböck. Es gebe tatsächlich wenige Unterschiede, betont Reiterer. "Das Einzige: Im Fernsehen dürften wir nicht essen, trinken, rauchen und schimpfen. Und wir müssen uns ­ordentlich anziehen." Eschlböck entgegnet gekonnt schlagfertig: "Zumindest oben herum". 

Als Clowns in TV-Sendungen



Inzwischen werden Reiterer und Eschlböck in der Öffentlichkeit ­oftmals erkannt. Da kann es dann schon einmal passieren, dass jemand sie von hinten am Pissoir fotografiert, wie Reiterer sagt. Dennoch sind beide froh mit ihrem Job: "Die Arbeit macht unglaublich viel Spaß und es ist ja eine Gnade wenn man in einem ­Bereich arbeiten darf, der einem ­gefällt", sagt Eschlböck.Was die beiden ärgert: In den Medien werden Footballer oftmals wie Clowns dargestellt. In TV-Sendungen müssten sie dann ihre Outfits tragen und zeigen, was sie können.

"Das ist furchtbar. Niemand verlangt von Markus Rogan, dass er vom Tisch in ein Planschbecken springt. Niemand sagt Goldberger, er soll jetzt mal so tun als ob er einen Telemark macht", sagt Reiterer. Die Leute hätten den Football lange als eine Art Zirkus wahrgenommen, vor allem wegen der großen Show drumherum. "Und das Erste was viele beim Football ­sehen sind 22 Männer, die sich aufeinander werfen." Es brauche einfach Zeit bis man drauf komme, was da überhaupt passiere. In den vergangenen Jahren habe sich die Situation aber verbessert. Reiterer: "Der Sport wird mehr als ernstes Spiel wahrgenommen. In Österreich, und Europa generell, haben viele Leute verstanden, dass Football ein komplexes Spiel ist - und die Show drumherum einfach auch ein Teil davon ist." 

Schwieriges Verhältnis



Grundsätzlich sei das Verhältnis zwischen Journalisten und Sportlern in Österreich schwierig, sagt Reiterer. So hätten anfangs viele Journalisten Marcel Koller kritisiert, weil er "kein Haberer" sei. "Marcel Koller hat ein korrektes Verhältnis zur Presse - er ist zu allen gleich", sagt Reiterer. So sollte es eigentlich immer und überall sein, in Deutschland und der Schweiz sei das kein Problem. "In Österreich ist das anders. Die SportWoche hat beispielsweise damals auch das Rapid-Magazin gemacht. Rapid ist dann im Haus der SportWoche und andersherum, man kennt sich und geht zum Heurigen. Das ist eigentlich keine ­Berichterstattung, weil man dann ­natürlich auch Hemmungen hat über jemanden, den man kennt und mag, kritisch zu berichten."

Auch Reiterer musste sich bereits mit der Frage auseinandersetzen, wie er als Reporter mit den Sportlern und Vereinen umgeht. 2005 hat er das ­Online-Magazin Football Austria ­gegründet und dort kritisch berichtet. Er sei zwar nicht auf Distanz zu den Akteuren gegangen, "aber die haben schon gewusst, dass wenn sie schlecht spielen, ich das auch so schreibe." Entstanden ist das Online-Magazin auch mithilfe eines staatlichen Jungunternehmer-Gründerprogramms, an dem er teilgenommen hat. In den Jahren danach habe er fast ausschließlich an dem Portal gearbeitet. 27 Euro im Jahr zahlten die User, etwa 1.000 Interessierte meldeten sich an. Reiterer, der zuvor als DJ und Community-Manager bei Libro ­arbeitete, wurde nicht reich, konnte aber seine Miete zahlen.

Irgendwann klopfte Puls 4 bei ihm an und fragte, ob er sich die Moderation der NFL-Spiele vorstellen könne - der Vollblut-Fan stimmte zu. Dass sich der Privatsender die Rechte gesichert hatte, überraschte ihn nicht. "Im Nachhinein hat es mich nicht überrascht, weil Puls 4 immer auf der Suche ist nach neuen Formaten. Der ORF hat sich damals von der NFL getrennt und dann lagen die Rechte brach." Heute ist Football Austria nicht mehr kostenpflichtig und da Reiterer inzwischen beim AFBÖ arbeitet ist es in ­einigen Bereichen nicht mehr so kritisch, das sagt Reiterer ganz offen. Ein paar hundert Euro kommen noch durch Werbung rein. 

Weniger Show



Puls 4 selbst hat jüngst sein Football-Engagement ausgebaut, statt 22 gibt es in dieser Saison 30 Spiele zu sehen. Der Sender zeigt jeden Sonntag ein Spiel und hat alle Playoffs im Programm. Ab Jänner zeigt Puls 4 sogar jeden Samstag und Sonntag eine Partie, im Februar folgt der Super Bowl. Und auch die London-Spiele überträgt der Sender: Das nächste ist ­bereits am 1. November am Nachmittag zu sehen. Hier kann Puls 4 neue Zuschauergruppen erreichen.Mit ihren humoristischen Einlagen müssen sich Reiterer und Eschlböck zukünftig etwas zurückhalten.

"Die Sache ist die: Natürlich haben uns die Anzüge eine unglaubliche Aufmerksamkeit gebracht", sagt Eschlböck. In Zukunft werde man damit aber sparsamer umgehen, auch auf Wunsch des Senders. Ein Verbot gibt es aber nicht: Zu speziellen Anlässen kehren die Outfits zurück, so auch an diesem Halloween-Wochenende. Die Anzüge der beiden Moderatoren sind teilweise sehr ausgefallen und weisen immer auf ein von der NFL ausgerufenes Motto hin. Reiterer und Eschlböck waren so schon in rosa Anzügen, Weihnachts- und Halloween-Kostümen sowie in Militär-Optik auf Sendung.
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