'Klarere Regeln': VÖP-Geschäftsführerin Drumm...
 
'Klarere Regeln'

VÖP-Geschäftsführerin Drumm spricht sich für Überarbeitung des ORF-Auftrags aus

© vÖp/Michael Gruber
Seit 20 Jahren ist Corinna Drumm in der heimischen Medien­branche tätig. Seit 2010 als Geschäftsführerin des VÖP, davor war sie im Management mehrerer österreichischer Privatsender.
Seit 20 Jahren ist Corinna Drumm in der heimischen Medien­branche tätig. Seit 2010 als Geschäftsführerin des VÖP, davor war sie im Management mehrerer österreichischer Privatsender.

Corinna Drumm, Geschäftsführerin des Verbands Österreichischer Privatsender (VÖP), spricht sich dafür aus, den öffentlich-rechtlichen Auftrag des ORF zu überarbeiten und klarere Regeln zu definieren.

"Der ORF sollte in TV und Radio Inhalte anbieten, die nicht ohnehin von privaten Medien angeboten werden: Stundenlange US-Serien und Blockbuster in ORF 1 oder das wie ein Privatsender gestaltete Ö3 bieten diesen Mehrwert ebenso wenig wie Übertragung internationaler Sportbewerbe, die gebührenfrei auf Privatsendern laufen", so Drumm im Interview mit dem Standard.

Da der ORF ihrer Ansicht nach viel sende, wofür es heute keinen ORF mehr brauche, sollte er auch mit weniger Geld auskommen, meinte sie. Der Schwerpunkt der ORF-Programme müsste viel stärker auf österreichischen Inhalten, Information, Bildung, Kultur und - sofern nicht anderswo verfügbar - Sport liegen.

Die IG Autorinnen Autoren hielten dagegen in einer Aussendung fest, dass es zu keinem Mittelentzug für den ORF kommen dürfe. "Die Regierung scheint fest entschlossen, dem ORF die benötigten finanziellen Mittel vorzuenthalten", meinte Gerhard Ruiss von der IG Autorinnen Autoren in Bezug auf von Medienministerin Susanne Raab (ÖVP) jüngst getätigte Aussagen, wonach der ORF zunächst sparen müsse, bevor über seine künftige Finanzierungsform diskutiert werde. Ein Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofs (VfGH) sieht vor, dass ab 2024 auch das ausschließliche Streamen von ORF-Programm kostenpflichtig zu sein hat.
Nebenbeschäftigungen sollen restriktiver gehandhabt werden

ORF-Generaldirektor Roland Weißmann lässt die Nebenbeschäftigungen von ORF-Journalisten und -Moderatoren restriktiver handhaben, das geht aus einer internen Mitteilung hervor, die der APA vorliegt. So sind Nebenbetätigungen bei Kammern, politischen Institutionen und parteinahen Interessensvertretungen bis auf weiteres von den Verantwortlichen abzulehnen. Alle weiteren Tätigkeiten abseits des ORF sollen derzeit "besonders restriktiv" geprüft werden. Damit reagiert Weißmann auf in den letzten Wochen bekannt gewordene Fälle von Moderationen, die "geeignet waren, in der Öffentlichkeit den Zweifel mangelnder Unabhängigkeit zu erwecken", heißt es in dem Schreiben. Dass Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit von existenzieller Bedeutung für den ORF seien, gelte derzeit jedoch mehr denn je, so der ORF-Chef.

Die Bestimmungen haben vorübergehend bis zum Vorliegen der Erkenntnisse einer Ethikkommission Gültigkeit. Diese nimmt ihre Arbeit demnächst auf, um etwa die bestehenden Regularien wie den Verhaltenskodex des ORF zu überprüfen und gegebenenfalls Nachschärfungen anzuregen.

Für Aufsehen sorgte etwa Robert Ziegler, der vor wenigen Tagen seine Tätigkeit als ORF-NÖ-Landesdirektor wegen des schweren Vorwurfs, in seiner Zeit als NÖ-Chefredakteur eine Art Message Control zugunsten der Volkspartei betrieben zu haben, zur Verfügung stellteWie die Rechercheplattform Dossier berichtete, soll er mehrmals Veranstaltungen ÖVP-naher Interessensvertretungen wie der Wirtschaftskammer Niederösterreich moderiert haben. Nadja Mader, die etwa "Niederösterreich heute" im ORF präsentiert, moderierte u.a. für die Wirtschaftskammer und Raiffeisen, schrieb der Falter. Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) sprach auf ihrer Webseite eine Empfehlung für sie aus.

Vera Russwurm, Moderatorin von "Vera" im ORF, moderierte im Jänner den Wahlkampfauftakt der ÖVP Niederösterreich. Allerdings war diese 
Nebenbeschäftigung vonseiten des ORF aufgrund ihres geringen Beschäftigungsverhältnisses als nicht programmgestaltende Freie Mitarbeiterin im Unterhaltungsbereich nicht genehmigungspflichtig, wie der ORF gegenüber dem Standard festgehalten hatte.

Die Regierung schalte sich direkt in die Finanzplanungen des ORF ein. "Dreister kann man der Öffentlichkeit gar nicht mehr vor Augen führen, dass man von keinen eigenständigen Entscheidungen im ORF ausgeht", so Ruiss, der befürchtet, dass aus dem ORF ein auf die Bedürfnisse der Regierung abgestimmtes "PR-Instrument" werden solle. Als Folge befürchtet er das Aus für Kunst und Kultur im ORF.
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